HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Aus der alten Heimat

Wer heute durch Siebenbürgen fährt, findet in sächsischen Dörfern verlassene Häuser, verwaiste Kirchenburgen, Äcker und Felder durchwuchert von Unkraut, schlechte Straßen, ungepflegte Landschaften und eine gedrückte, traurige deutsche Restbevölkerung. Zigeuner prägen das Straßenbild, belästigen mitunter die Zurückgebliebenen und suchen nach Resten von Kulturgütem, die sie auf den Märkten verschleudem. Die Misere ist unermeßlich groß, an der man als gebürtiger Siebenbürger nicht gleichgültig vorübergehen kann. Ein Aufenthalt in der Stadt, in der man Kindheit und Jugend verbrachte, hinterläßt dann Spuren in Seele und Gemüt, die man nicht so einfach los wird.

Bei meinen drei Besuchen im letzten Jahr habe ich folgende Feststellungen gemacht: Die Stadt, das Wohnhaus, die Fabrik, in der man gearbeitet hat, erlebt man ohne Gemütserregungen. Hingegen beeindrucken die Burg, der Stundturm, die Kirche, die Schule, der Friedhof und die Pflichterfüllung sowie die selbstlose Hingabe der wenigen noch verbliebenen Landsleute. Sie lassen die Zeit vergessen, vermitteln das Gefühl, als habe man diese nie verlassen. Man wird nachdenklich, und unwillkürlich stellt sich die Frage: "Sollen wir nun wirklich alles anderen überlassen?" Damit sind nicht nur diejenigen gemeint, die heute dort den Besitzstand anstreben, sondern auch europäische Institutionen, die - interessiert an deutschem Kulturerbe und einem lebensfähigen deutschen Bevölkerungsanteil - dort Hand anlegen. Zur Zeit ist die Messerschmittstiftung dabei, die Bergkirche und den Zinngießerturm zu renovieren, der Allgemeine deutsche Kulturbund aus Wien unterstützt die Bergschule und leistet humanitäre Hilfe, das Diakonische Werk aus Bremen hat neben humanitärer Hilfeleistung eine Gemeindeschwester für zwei Jahre eingestellt.

Ich habe die Überzeugung, daß wir verpflichtet sind, etwas zu tun, und ich kann mir kaum einen Landsmann vorstellen, der trotz allem zugefügten Leid dem Erbe der Väter gleichgültig gegenübersteht. Dem Gebot der Stunde, das die Siebenbürger Sachsen seit Jahren bewegt, ihre nun verlorene Heimat mindestens in Leistung, Eigenart und Kultur der Nachwelt zu erhalten und denen, die der Heimat treu geblieben sind, zu helfen, sollten auch wir Folge leisten.

Natürlicherweise stellen sich nun Fragen wie was können wir tun? Wo und wie sollten wir aktiv werden? Was ist sinnvoll und bleibt im Rahmen unserer Möglichkeiten? Hier ist es nicht leicht, den richtigen Weg einzuschlagen und den vielen Anliegen, Wünschen und Meinungen gerecht zu werden.

Im Vordergrund stehen selbstverständlich die Sorgen und Nöte der schicksalsbedingt dort verbliebenen älteren Landsleute, diejenigen der jungen Generation, die sich entschlossen haben, der Heimat treu zu bleiben, um einen neuen Anfang zu wagen, sowie der gesamten evangelischen Kirchengemeinde. Es ist humanitäre, materielle und moralische Hilfe im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe angesagt.
Nicht vergessen sollten wir auch die Leistung unserer Vorfahren und die Anliegen unserer Landsleute, den Fortbestand einer deutschen Gemeinde durch Schule, Kirche und Pflege der überlieferten und vorhandenen Anlagen wie Friedhof und Gedenkstätten siebenbürgisch-sächsischer Kultureinrichtungen zu unterstützen.

W. L.


 

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Letztes Update: 2004-05-12 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg