HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Unser Dilemma:

Ausgewandert - was nun?

Es ist kaum fassbar, aber unsere Generation erlebt die historische Wende: Die Siebenbürger Sachsen haben - bis auf einen geringen Rest - ihre Heimat verlassen!
Die 850jährige Geschichte in Siebenbürgen in der bisherigen Form geht zu Ende.
Innerlich bedauert und beklagt, ändert es nichts an der Tatsache, dass nun in der Bundesrepublik ca. 180 000 Siebenbürger Sachsen eine neue Heimat, einen neuen Lebenszweck und Inhalt gefunden haben oder zum Teil noch suchen und zu finden erhoffen.

Ein schwieriger, teilweise dornenvoller Weg, sowohl für den Einzelnen, als auch für die Gemeinschaft. Verlangt es doch auf fast allen Gebieten völlige Umstellung. Das haben alle durchgemacht und wissen davon ein Lied zu singen.
Auf persönlichem und sozialem Gebiet helfen die Familien. Freunde und Bekannte der Herkunftsorte versuchen das Fußfassen zu erleichtern.
Wie steht es aber um das gesellschaftliche und kulturelle Einleben und Fußfassen?

Die großen politischen Ereignisse und Veränderungen, schwierige Wirtschaftsverhältnisse, Sparmaßnahmen und veränderte Politlandschaft beeinflussen auch unser kleines Völkchen, zwingen auch uns zu verändertem Denken und Handeln.

Die Konsequenz wäre: Zusammenstehen! Auf eigenen Beinen und mit eigener Kraft unsere Probleme zu lösen versuchen.
Doch leichter gesagt als getan! Anstatt zusammenzuwachsen, zerkrümelt das Sachsenvolk immer mehr! Zunehmende Gleichgültigkeit, verkümmernder Gemeinschaftssinn, gepaart mit zunehmendem Bedürfnis nach Eigenbrötelei, Klügelei und Profilierbedürfnis, bestimmen vielfach die Handlungsweise. Es ist manchmal erschütternd, wegen welcher Lappalien sich Leute in die Haare fahren. Aufeinander zugehen, nicht aufeinander losgehen, muss die Devise lauten! Wir sind nämlich zu wenige, um uns ungestraft eine Zersplitterung erlauben zu können.
Die seelisch-moralische Stütze der Gemeinschaft ist viel wichtiger als gemeinhin zugestanden!
Die Art und Weise der Auswanderung und Aussiedlung bringt spezifische Probleme mit sich. Die Bildung der neuen siebenbürgischen Gemeinschaft wäre einfach, wenn die einzelnen Herkunftsorte gemeinsam auswanderten und sich gemeinsam ansiedelten. Dann könnte einfach eine Fortführung der Heimatortsgemeinschaft erfolgen. Das wäre ideal! Dem ist aber leider nicht so!

Sondern in der neuen Heimat, in den neuen Wohnorten, leben die Siebenbürger Sachsen kunterbunt gemischt, aus vielen Herkunftsorten stammend, bis auf einige glückliche Ausnahmen, wo eine größere Gruppe aus dem gleichen Ort ihre Bleibe fand.
Dieser Tatsache sollte man unbedingt Rechnung tragen, wenn man die Siebenbürgisch-Sächsische Gemeinschaft hier neu und den hiesigen Bedürfnissen und Zwecken entsprechend aufbauen und gestalten will.
Es gilt also unbedingt die Notwendigkeit, zweigleisig zu fahren!
Eine enge Zusammenarbeit der Heimatortsgemeinschaften und der landsmannschaftlichen Gruppen ist das Gebot der Stunde!

  1. Die Verbindung zur Herkunftsgemeinde (HOG) halten, alte Freundschaften pflegen, Kulturgut sicherstellen, Hilfe und Aufbauhilfen in die alte Heimat leisten.
  2. In den neuen Wohnorten (Kreisgruppen) die Verbindung mit allen Siebenbürgern vor Ort aufnehmen. Aktiv am kulturellen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Wir sollten allen Siebenbürger Sachsen ein neues, auf den neuen Wohnort bezogenes Zusammengehörigkeitsgefühl zu vermitteln versuchen.
    Wir müssen gemeinsam und eindrucksvoll zusammenstehen, um in einer Zeit der wachsenden Aussiedlerablehnung, unsere Imagepflege selber zu betreiben und sie nicht ausschließlich übel wollenden Medien und Politikern oder gar dem negativen Erscheinungsbild der Nichtdeutschen Rumäniens überlassen.

Dieses ist natürlich nur möglich, wenn jede Siebenbürger Sächsin und jeder Siebenbürger Sachse bereit ist, sein finanzielles Opfer (Mitgliedschaft) und kleines persönliches Freizeitopfer (Freizeit, nicht Arbeitszeit, wie so gerne argumentiert wird) zu erbringen.
Die Einsicht und die Bereitschaft zur Unterstützung und Mitarbeit der Landsleute, eine sinnvolle und gedeihliche Zusammenarbeit der "HOG" und "LM" werden letztendlich ausschlaggebend sein, ob wir uns hier nochmals zusammenfinden oder uns in kleinen Grüppchen auseinanderdividieren und dadurch, zu unserem aller Bedauern, vorzeitig verschwinden. Eine Gemeinschaft kann nur so gut oder schlecht sein, wie die Summe der aktiven Mitglieder und ihre Leistungen.
Die vieldiskutierte Frage: Was ist wichtiger, Landsmannschaft oder Heimatortsgemeinschaft, kann und muss nur dahin beantwortet werden: Nicht entweder - oder, sondern sowohl als auch: Landsmannschaft und Heimatortsgemeinschaft!

Liebe Schäßburgerinnen und Schäßburger! Sie werden sich fragen, wieso so ernste Worte anlässlich eines fröhlichen Schäßburger Treffens?
Wann und wo wäre sonst wohl die Gelegenheit günstiger? Und nun mal ehrlich und Hand aufs Herz! Wir alle lieben unser armes, altes, geschundenes Schäßburg. Erinnerungen halten die Verbindung aufrecht - wir würden auch helfen, doch wissen wir nicht wie. Die Meinungen sind geteilt.
Andererseits sind wir auch stolz auf die hier vollbrachten Leistungen, bejahen wirkungsvolle "Public Relations" und Imagepflege.
Lassen wir Herz und Verstand sprechen:
- Mit dem Herzen für Schäßburg, die Schäßburger und ihre Probleme.
- Mit dem Verstand für die hiesige Gemeinschaft in den neuen Wohnorten und für die vielen Aufgaben vor Ort.

Dieses gilt sowohl den Alteingesessenen als auch den Neuzugezogenen, Jungen und Alten, Akademikern und Arbeitern. Helfen wir doch den Amtswalterinnen und Amtswaltern mit Rat und Tat, um Optimales zu erreichen und Irrtümern vorzubeugen. Der Sache kann es nur dienlich sein.

Euer Richard Löw,
stellv. Bundesvorsitzender und
Landesvorsitzender Baden-Württemberg

(Aus "Schäßburger Nachrichten", Folge 2, August 1994)



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Letztes Update: 13. Oktober 2002 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg