HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

„Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen...“

Josef Breihofer:
Nähmaschinen als „Hilfe zur Selbsthilfe“

Als mir auf meinen „Rundbrief an unsere Senioren“ als erster Josef Breihofer einiges aus seinem Leben in Wort und Bild zur freien Gestaltung überantwortete, wurde ich an dieses oft gesungene Kirchenlied erinnert. Die altbekannte Lebensweisheit „Handwerk hat einen goldenen Boden“ bekam plötzlich eine mehrfache Bedeutung: Gold im Herzen, den Händen und der Kehle eines sangesfreudigen Schäßburger Handwerkers, der trotz früher beruflicher Wanderschaft, Krieg, Gefangenschaft und Neubeginn in der neuen Heimat, die alte auch in den schweren Nachkriegsjahren nie vergaß.

Jahrgang 1910, erlernte er nach dem Besuch der Bürgerschule in einer dreijährigen Lehrzeit beim Mechaniker und Büchsenmacher Josef Jemelka das Mechanikerhandwerk. Bald erkannte er, daß zu seinem erfolgreichen beruflichen Fortkommen auch die Elektrotechnik gehört. 1930/32 war er im Schäßburger E-Werk tätig, dann führte ihn sein Weg über Mediasch (Fa. Fritz Schembra), Seiburg (Reps) und Kronstadt (Fa. Antosch und Sigmund) nach Bukarest (Fa. Gütermann).

Fast schon enthusiastisch erinnert er sich an die Umzüge der Bakkalaureaten und Seminaristinnen und an die Böllerschüsse, die sein Onkel bei solchen jährlichen Anlässen abfeuern mußte. Dann aber auch an die Überschwemmung 1932.

Diese Erinnerung motivierte ihn aus Anlaß der Überschwemmungen 1970 und 1975. Er begann darüber nachzudenken, wie er persönlich helfen könne. Ein neues Elternhaus stand auf der Drabenderhöhe, drei Kinder waren auf das Leben vorzubereiten. Geld war knapp, und dennoch wußte er mit seinem von Gott gegebenen Pfund zu wuchern. In seinen Händen wurde die Nähmaschine die „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Mit Unterstützung des DRK-Kreisverbandes Gummersbach, des Männergesangsvereins Drabenderhöhe, der Regionalzeitungen und dem WDR Köln startete er eine Sammelaktion von alten Nähmaschinen, die er fein säuberlich reparierte. Von Firmen (Gütermann/Gutach, Schmetz/Herzogenrath) erhielt er Nähnadeln und Nähseide.
Sein ehemaliger Betrieb (P. G. Müller) und Betriebe anderer Sangesbrüder stellten Fahrzeuge zur Verfügung. Zwei Transporte nach Siebenbürgen waren der Erfolg. Seine Aktivitäten sprachen sich herum und so waren in späteren Jahren Spätaussiedler, die Arbeiterwohlfahrt und Behindertenwerkstätten die Empfänger seiner Bemühungen. Auf diese Weise wurden von ihm in den Jahren 1970 bis 1987 etwa 650 Nähmaschinen ihrer neuen Bestimmung zugeführt!

Wie es denn dazu kam?
Goldene Hände gehören sicher dazu. Dann aber im Herzen das Wissen, was Armut bedeutet. Nicht zuletzt aber wohl auch eine sangesfreudige Seele. Josef Breihofer konnte sich nicht festlegen, in wieviel Männerchören er in seinem Leben gesungen hat. Was im Schäßburger Männerchor begann, fand im Männergesangsverein Drabenderhöhe seinen krönenden Abschluß, dem auch im Jahre 1986 aus Anlaß eines Bundesleistungssingens der Titel „Meisterchor“ zuerkannt wurde. Dazwischen sang er auch in Kronstadt, im Regiment und selbst in der Gefangenschaft.
Uns aber bestätigt sich die Erkenntnis:
„Wo man singt, da laß dich ruhig nieder,
böse Menschen haben keine Lieder!“

Heinz Brandsch

(Aus „Schäßburger Nachrichten“, Folge 2, August 1994)
Anmerkung des Webmasters: Josef Breihofer ist am 4. März 1996 in Sprenge verstorben.




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