HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

 

Im Vorfeld der Siebten Schäßburger Heimattage 1994

Wenn man sich der Vorbereitung der Siebten Heimattage widmet, wird man unweigerlich daran erinnert, daß die Zahl "Sieben" bei vielen Völkern dieser Erde eine fast schon religiös-mystische Bedeutung hat. Beispiele gibt es viele bei Hebräern, Ägyptern, Griechen, Indern, Malayen, Tataren u. a. Alle werden sich daran erinnern, daß die Woche, in der Gott -einschließlich Ruhetag -einst die Welt erschuf, schon damals aus sieben Tagen bestand; oder aber auch an Pharao's Traum, wonach auf sieben fette Jahre sieben magere folgten. Weniger bekannt ist jedoch, daß bei den Tataren, die einst unsere Heimat heimsuchten, sieben Kudais, hinter einem Vorhang sitzend, die Gestorbenen und Geborenen in ein großes Buch eintrugen.
Auch unser HOG-Ältestenrat besteht aus sieben Mitgliedern! Reiner Zufall? Jedenfalls ist es auch seine Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, daß im Buche der Geschichte der Menschen unerer Stadt alles seine Richtigkeit habe.

Ein Blick zurück:
Von den sechs vorausgegangenen Heimattagen fanden vier (1978, 1979, 1981 und 1984) in Drabenderhöhe statt, zwei (1988 und 1992) in Heilbronn. Die Chronisten wissen von steigenden Besucherzahlen zu berichten (80 -183 -300 400-1200-1100), was den Initiatoren nachträglich bescheinigt, daß sie einem wachsenden Bedürfnis Rechnung trugen. Die ersten drei Heimattage waren durch die Organisationsleistung und die Persönlichkeit von Eduard Dürr geprägt.

Vom ersten Treffen ist nur überliefert, daß Eduard Dürr die Festrede hielt und Hans Markus die 80 Teilnehmer mit seinem Gesang erfreute. Ob dies oder die "Tokane bäs unt Knä" die Anwesenden mehr begeisterte, ist nicht überliefert, wohl aber, daß man sich schon für das nächste J ahr verabredete.

Das zweite Treffen war dann schon "programmatischer". Es war Mai. Was lag da näher, als an das Skopationsfest zu erinnern. Die Festrede hielt Eduard Dürr und schlug bei seinem "Ausflug in die bewegte Vergangenheit unserer Heimatstadt" einen großen Bogen von der Wietenbergkultur bis zurGegenwart. Dazu gehörte dann eben auch die Hilfe für die Zurückgebliebenen und die Betreuung der Neuankömmlinge, wofür sich Eduard Dürr und Julius Jobi, dann aber auch Dr. Hans Balthes, Mimi Reinhardt, Josef Breihofer, Ernst Graf und Emil Tausch zur Verfügung stellten. In einem Diavortrag erinnerte Walter Lingner an die Überschwemmungen und zeigte auch Bilder von den Umbauarbeiten in Schäßburg. Die Grüße der Landsmannschaft überbrachte Robert Gassner. Den Dank an die Adresse der Organisatoren Eduard Dürr und Ernst Graef, an Sissi Mätz (Frank) und ihren fleißigen Helferinnen in der Kirche, sowie an Hans Kellner brachte Dr. Hans Balthes zum Ausdruck.

Die Festrede von Eduard Dürr zum dritten Schäßburger Treffen .war der Erinnerung gewidmet, ebenso die Grußadresse des Landesvorsitzenden NW Robert Gassner. Dr. Gust Wonnerth überbrachte in sächsischer Mundart die Grüße des Vorsitzenden der Landsmannschaft Dr. Wilhelm Bruckner. Nach der Kaffeepause folgte ein umfangreiches Programm: Walter Lingner begeisterte durch einen stimmungsvollen Diavortrag, Dr. Roland Melzer durch einen Vortrag über 50 Schäßburger Persönlichkeiten. Nach der obligaten "Tokana mit Saurem" brachte Prof. Egon Machat seine "Humoristischen Erzählungen aus Schäßburg" und Prof. Hans Weber Anekdoten über Prof. Karl Roth ("Fisi") zu Gehör.
Ernst Czeh zeigte Zauberkunststücke und Hans Markus erfreute besonders die Frauenherzen mit seinem Gesang. Fürwahr ein volles, abwechslungsreiches Programm. Zum Tanz spielte die Ein-Mann-Kapelle Otmar Zeides.

Aus Anlaß der vierten Heimattage auf der Drabenderhöhe hielt Dr. Hans Balthes die Festrede, die der Erinnerung an unsere Heimatstadt, dann aber auch der Geschichte unseres Volkes gewidmet war. Auch sprach er der Landsmannschaft Dank für die Familienzusammenführung aus. Dieses Heimattreffen war zusätzlich durch eine von Kurt Leonhardt, Friedrich Müller und Ernst Graef organisierte und von Heike Hügel vorgestellte Bilderausstellung geprägt. Walter Lingner bot einen hervorragend stimmungsvollen Diavortrag zur baugeschichtlichen Entwicklung der Stadt in den letzten vier Jahrhunderten. So wurde auch über die Baugeschichte, aber auch über die Ahnenforschung (Ernst Graef), diskutiert und dabei die Erstellung eines umfassenden Schäßburg-Buches angeregt. Aus seinem Repertoire sang Hans Markus fröhliche Lieder, aus seinem Buch las Karl Gustav Reich humoristische Gedichte.

lm Jahre 1985 deutete sich ein Generationswechsel und eine neue Zielsetzung an. In der "SZ" ( 15. 11. 1985) erschien die Einladung zu einer Adventfeier (30. II. 1985), um bei dieser Gelegenheit über die Gründung einer Nachbarschaft "zu plaudern". Die Einladung trägt die Unterschrift von Helmut Müller. Das Treffen fand statt, wurde von einem Diavortrag von W alter Lingner "Schäßburg gestern und heute" untermalt und führte zur Gründung der Schäßburger Nachbarschaft. Zum Nachbarschaftsvater wurde Fritz Breihofer gewählt, dem Vorstand gehörten außerdem Kurt Bartmus, Helmut Müller, Jinni Schuster und Gerhild Feder an. Damit war auch ein Gremium vorhanden, das sich der Organisation der Heimattreffen 1988 und 1991 verpflichtet fühlte.

Am 13./14. Mai 1988 traf man sich erstmalig in der Festhalle Heilbronn, begrüßt vom Nachbarschaftsvater Fritz Breihofer. dann aber auch vom OB Dr. M. Weinmann, dem Landesvater unserer Landsmannschaft Richard Löw und Vertretern von Kirche und Diakorne, Pfarrer Elsner und Diakon Siemiatkowski.
Die Festrede hielt Walter Roth, er skizzierte in hervorragender Weise unsere Geburtsstadt und die Eigenart ihrer Menschen. Unter der Leitung von Uwe Horvath trugen ehemalige Schäßburger Chormitglieder einige Volksweisen vor. Zwei Diavorträge von Walter Lingner (Skopationsfest in SchäßJurg) und Dr. Christoph Machat (Kulturhistorische Denkmäer in Schäßburg) erweiterten das Programmangebot. Daneben gab es auch eine Ausstellung zu besichtigen:
Walter Lingner/Kurt Leonhardt "Alt-Schäßburg" und Isa Leonhardt mit einem Bücherstand ehrwürdiger Werke und Errinnerungsstücke. Getanzt wurde bis zur Polizeistunde.

Der Sonntag war dem gemeinsamen Kirchgang Vorbehalten. Pfarrer Elsner und Diakon Siemiatkowski hatten den Gottesdienst liebenswürdigerweise vorbereitet, die Predigt hielt Pfarrer Günther Lutsch, Schäßburg. Der Rest des Tages war der Stadtbesichtung und dem geselligen Ausklang gewidmet. Begeistert und mit Dank erfüllt für das sehr gelungene Treffen verabschiedeten sich 1200 Schäßburger mit "Aufwiedersehen zum nächsten Mal".

Und weil es so schön war, traf man sich am 31. August/ 1. September 1991 wieder in Heilbronn an gleicher Stelle über 1000 Schäßburger. Inzwischen bekannte Gesichter begrüßten erfreut die angereisten Gäste: Nachbarschaftsvater Fritz Breihofer, OB Dr. M. Weinmann, Richard Löw, wie auch Kirche und Diakonie, vertreten durch Pfarrer Saar und Diakon Siemiatkowski. Die Begrüßung galt besonders den 50 "per Bus" aus der alten Heimat angereisten Schäßburgern.
Die Festrede hielt Hans Pomarius, mit der geschulten Rhetorik des erfolgreichen Schauspielers und mit deutlichen eigenen Worten über den schmerzlichen Verlust der alten Heimat. Für die Umrahmung sorgte wieder Uwe Horvath.lm Kleinen Saal sprach Dr. Michael Kroner über den Exodus der Siebenbürger Sachsen. Zu Aussprachen über die Zukunft der Bergschule luden Günter Czernetzky und Egon Machat ein. Im Foyer der Harmonie fand eine Ausstellung "Schäßburg Stadt der Handwerker, Stadt der Zünfte" statt, der Wort und Welt Verlag präsentierte eine vielzahl siebenbürgischer Bücher und Adolf Kroner stellte seine wunderschönen Aquarelle vor.
Der Gottesdienst am folgenden Sonntag war von Pfarrer Saar und Diakon Siemiatkowski gestaltet, die Predigt hielt Pfarrer P. Madler. Und wieder traf man sich anschließend in der Harmonie -nomen est omen -um die Wiedersehensfreude harmonisch ausklingen zu lassen.
Und damit man für die Daheimgebliebenen auch ein "MitbringseI" erwerben konnte, hatten die Veranstalter beide Male Bild und Textbandhefte über Schäßburg (Heft I und II) zum Kauf vorbereitet.

Am 15. Mai 1993 kam es zur Gründung unserer Heimatortsgemeinschaft Schäßburg in Bad-Mergentheim. von den aus dem ganzen Bundesgebiet geladenen Gästen trafen sich 32 und berieten die Zielrichtung der Gemeinschaft der Schäßburger für die Zukunft. Als eine der Aufgaben stellte man sich die Organisation der nächsten Schäßburger Heimattage.
In dieser Weise der Tradition und der "heiligen Sieben" verptlichtet, wartet auch diesmal auf jeden Besucher der Siebten Heimattage in Heilbronn ein reichbebildertes Heimatbuch und diese aktuelle Sondernummer der "Schäßburger Nachrichten".

Heinz Brandsch

 


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