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"Nachgelesen" in der Festrede des HOG - Vorsitzenden
Prof. Dr. Heinz Brandsch
"Erinnert Euch und fügt zum Sein dasWerden!" - Generation
im Zwiespalt
Diese Aufforderung wählte sich der HOG Vorsitzende zum Thema seiner
"Antrittsfestrede" und begründete sein Anliegen gleich
eingangs selbst. Sie bot ihm die Möglichkeit, seine "Gedanken
zur Zeit" daran orientiert dreigeteilt vorzutragen: Betrachtungen
zur Geschichte unseres Volkes in Vergangenleit!, Gegenwart!, Zukunft?,
dann aber gleichlautend auch personifiziert an die Adresse der Väter,
Söhne, Enkel.
In Vorahnung der Brisanz solcher Fragestellungen fügt er vorsorglich
einen ergänzenden Untertitel gleich selbst hinzu: Generation im Zwiespalt,
da die neugegründete HOG vor der Afgabe steht, über Möglichkeiten
und Grenzen (Sinn und Unsinn?) ihres Tuns und HandeIns nachzudenken und
für alle Schäßburger auch künftig verbindende Aufgaben
zu finden. Der Redner bekennt sich uneingeschränkt zur Gattung "Homo
Schaessburgensis capitolio durus", bezeichnet sich selbst als "Deutscher
Gastarbeiter im (Ost )Deutschen Mutterland" und sieht sich nach dessen
Wiedervereinigung mit einer Meinungsvielfalt konfrontiert, die seiner
Erinnerung nach größer zu sein scheint, als Schäßburg
je sächsische Seelen zählte. Dem versuchte er entgegenzuwirken,
indem er seine Gedanken, wo immer es sich anbot, mit einem in seiner Erinnerung
haften gebliebenen Zitat aus seiner Bergschulzeit verknüpft. . .
immer begleitet von der bangen Frage, ob dessen einst einigende Wirkung
auch den heutigen gesamtdeutschen Anfechtungen noch standhält.
Erinnert Euch. ..
Fragen an unsere Geschichte. Diesen ersten Teil seiner Ausführungen
kleidet der Redner zunächst in nachstehende (Gretchen )Fragen:
-Wie wollen/dürfen wir mit der Geschichte unseres Volke umgehen?
Das Leben und Wirken von 30 Generationen seit unsere Einwanderung steht
auf dem Prüfstand!
-Welche Ideale/Voraussetzungen/Erfahrungen bringt der einzelne von uns
mit ein?
-Wie sichern wir, daß unsere HOG nicht der Ort wird, wo "die
Sünden der Väter" biblischem Verständnis nach bis
ins siebte und achte Glied aufgerechnet und verfolgt wer den?
-Welche Möglichkeiten haben wir, um "dereinst" vor unseren
Vätern, aber auch vor unseren Nachfahren als "ehrenwert gelebt
und gestorben" dazustehen?
Unter allen seinen Antworten muß wohl eine als "condito sine
qua non" hervorgehoben werden:
"Wir alle wissen um die politischen Streitigkeiten und Irrtümer
unserer Väter! Trotz solcher Kontroversen wäre ich Ihnen dankbar,
wenn Sie dem HOG-Vorstand helfen würden solche Streitigkeiten "außen
vor" zu lassen. Wir müssen uns als deren Kinder gegenseitig
vorbehaltlos in die Augen seher können, falls wir noch etwas bewirken
wollen. Für diesen Teil unserer Geschichte gibt es für uns nichts
zu "bewältigen", wohl aber korrekt darzustellen. "Nestbeschmutzer"
in den eigenen Reihen zu wissen wäre ebenso gefährlich wie ein
uneingeschränktes "germanissimi germanorum".
Gleichsam als Begründung belegt er dies mit zwei alternativen Zitaten
zur Vergangenheit:
"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Zukunfl nicht planen",
aber
"Wer zuviel von der Vergangenheit weiß, bekommt Zukunftsangst",
und er aktualisiert das Thema durch einen Ausspruch K. Adenauers, wonach
im Rückblick betrachtet die Geschichte stets nur eine Summation von
Fehlentscheidungen war.
Auch bei der Wertung handelnder Personen sei Zurückhaltung geboten:
"Die V ergangenheit eines Menschen ist der Mensch selbst". (0.
Wilde)
"Die V ergangenheit hat andern gehört, wir besitzen die Gegenwart."
(0. Goldsmith)
Und wer lieber in der Erinnerung an unsere Bergschule lebt, möge
sich an den Deutschunterricht bei Prof. G. Schotsch ennnern:
"Mein Freund, die Zeiten der Vergangenheit sind uns ein Buch mit
sieben Siegeln." (Goethe, Faust I)
. . . und fügt zum Sein. . .
Was aber ist unser "gegenwärtiges Sein"?
Man gewinnt den Eindruck, daß sich der Autor bei der Bewältigung
"der Tragödie zweitem Teil" (um bei Goethe zu bleiben)
einer größeren Problemfülle gegenüber sah. Auf der
Suche nach einer ersten Orientierungshilfe für die Wiedereingliederung
neigt er zu der Empfehlung, die Geschichte des Mutterlandes, der künftigen
Heimat unserer Kinder, weniger idealisiert zu betrachten als von der Bergschule
her gewohnt. Dankbarkeit sei angezeigt, unkritische Dankbarkeit aber sei
immer schon Heuchelei gewesen und berge Gefahren für die Zukunft.
Wer glaubt, seine Kinder mit Halbwahrheiten abspeisen zu können oder
gar zu belügen, habe sie schon verloren und braucht sich über
die Zukunft unserer HOG keine Gedanken mehr zu machen.
Wir erleben ein Wiedererwachen nationalstaatlichen Denkens und dessen
umgehende staatliche Anerkennung der um uns entstehenden kleinsten Nationalstaaten,
die ihnen selbst bei nachweislichen "ethnischen Säuberungsaktionen"
nicht verweigert wird, während man dem eigenen Volke eine multikulturelle
Gesellschaft empfiehlt. Auch sonst beobachtet man den allgemeinen Verfall
sittlicher Wertvorstellungen. Dabei sollten wir den kategorischen Imperativeines
E. Kant ( interpretiert von Prof. H. Markus) noch alle im "Langzeitgedächtnis"
behalten haben:
"Handle (stets) so, daß die Maxime deines Willens jederzeit
zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."
Und von J. J. Rousseau (Bakk.-Thema 1947) wissen wir:
"Die Jugend ist die Zeit, Weisheit zu lernen, das Alter die Zeit,
sie auszuüben."
Es scheint angezeigt, sich mit der Geschichte des eigenen und des "deutschen
V olkes" eingehender zu beschäftigen und sich mit den Thesen
"Volk = Produkt der Natur" und "Nation = Produkt der Geschichte"
intensiver auseinanderzusetzen, selbst wenn sich im Ergebnis der Satz
bewahrheiten sollte, daß wir selbst und unsere Nachbarn uns nur
ertragen können, wenn wir als Deutsche föderativ organisiert
bleiben.
...das Werden
Einen hoffnungsfrohen Ausklang zu finden, fällt dem Referenten sichtbar
schwerer. Der Wechsel in der Melodienführung von Dur zu Moll ist
selbst bei einem "durus schaessburgensis" unüberhörbar.
Wovon sprechen wir aber, wenn wir "das Werden" prognostizieren?
-Wohl zunächst verängstigt von dem Zukunftsbild unserer Vergangenheit
und Heimatstadt Schäßburg;
-zunehmend weniger von uns selbst. ..es winkt bereits derSarg, den sich
mancher in der alten Heimat nicht mehrleisten kann;
-dafür zunehmend hoffnungsvoller von der Integration unserer Nachfahren.
"Unsere Zeit kommt nach unserer Zeit,
indem wir uns dem historischen Urteil stellen"
bei allem, was wir in der Gegenwart noch voranbringen möchten, können
und werden.
Einigkeit besteht im Anliegen, unseren in der Heimat verbliebenen Landsleuten
auch fürderhin jede erdenkliche Hilfe zukommen zu lassen, das Kulturerbe
unserer Vorfahren zu pflegen, nach Möglichkeit zu erhalten und die
Kontakte mit dieser Zielsetzung auch hierzulande zu fördern. Was
aber folgt danach?
Den Ausklang lassen wir besser wörtlich folgen:
"Es erschreckt im Traum die Vision", dereinst, ". . . wenn
tief im Tal erloschen sind. . ." (M. Albert), auf der Bergkirche
ein von einer deutschen Stiftung vergoldetes orthodoxes oder katholisches
Kreuz im kalten Mondlicht der Weihnachtsnacht leuchten zu sehen, wenn
zudem eine Tafel verkündet, daß sie auf den Mauern einer dakischen
(sprich rumänischen) Siedlung von rumänischen Bauern erbaut
wurde.
Tröstlicher dann schon die Vision, daran zu glauben, daß dereinst
touristische Pilgerscharen unsere alte Heimat besuchen und sie mit gleicher
Ehrfurcht besichtigen wie wir heute die Akropolis zu Athen.
Auch wenn mir bei solcher Betrachtung die Maßstäbe etwas kindlich
verschoben zu sein scheinen, die vorhin genannte Tafel wird den gleichen
Wortlaut haben. Nie "cetate såseascå", bisher immer
schon nur "c. taraneascå", und künftig nur noch "c.romåneascå".
Daran werden wir nichts ändern können, und auch die UNESCO wird
keinen Einspruch erheben. Wenn wir dennoch in der alten Heimat noch etwas
bewahren wollen: ohne die Hilfe des "Romån ardelean" wird
der Acker nicht zu bestellen sein.
Statt von Athen zu träumen, möchte ich zur Ehrenrettung unserer
Vorfahren am Eingang zu unserem Bergfriedhof dann schon lieber den Satz
lesen, wie ich ihn ebenfalls von der Bergschule her noch in Erinnerung
habe:
"Wanderer, kommst du nach Sparta,
künde, du hast uns liegen gesehen,
wie das Gesetz es befahl."
Die Befürchtungen des Referenten sind kaum zu widerlegen, da ihnen
Erfahrungswerte der Vergangenheit zugrunde liegen.
Es sollte aber unser Bewußtsein stärken durch unser Noch-Dasein
und -Wirken mindestens dem Sachverhalt der Vergangenheit, nach Grundsätzen
abendländischer Kultur, zur Wahrheitsdarstellung zu verhelfen, wenn
auch neue vergoldete Kreuze, die wir nicht verhindern können, die
Leistung unserer Vorfahren schmücken, dem Wanderer aber nach Recht
und Gesetz die Wahrheit verkünden.
Walter Lingner

Letztes Update: 2004-05-12
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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