HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Ansprache von Dr. med. Cåpåtinå Ovidiu

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe
Schäßburger Freunde!

Zunächst möchte ich dem Bergschulverein und ganz besonders Herrn Czernetzky für die Einladung zu dieser Veranstaltng danken. Gleichzeitig möchte ich Ihnen allen meinen Dank für die Geduld und das Wohlwollen, das Sie mir entgegenbringen, aussprechen.
Von vornherein möchte ich Sie über meine Absicht aufklären die überwiegend moralischer und geistiger Natur und weniger materieller Art ist, wenngleich dies auch ein wichtiger und dennoch in diesem Rahmen nebensächlicher Aspekt ist.
Natürlich überwältigen mich beim Wiedersehen mit so vielenFreunden und Bekannten die Gefühle, auch wenn das gnadenlose Schicksal uns räumlich, jedoch, hoffe ich, nicht geistig getrennt hat.

Viele von Ihnen hegen eine gewisse Abneigung der alten Heimat Ihrer Väter gegenüber, aufgrund der Ihnen widerfahrenen Ungerechtigkeiten, Demütigungen und des Leids, das Ihnen durch ein barbarisches Regime zugefügt worden ist.
Wir haben gemeinsam grausame Zeiten durchgestanden, die Millionen von Leben und Schicksale gekostet haben. Traurig ist, daß Wiedergutmachungsmaßnahmen auf sich warten lassen, doch glaube ich, daß wir als gute Christen vergeben müssen, auch wenn wir nicht vergessen können.

Ich habe nun das Alter erreicht, in dem Erinnerungen manchmal wichtiger sind als die Wirklichkeit. Welch wunderbare Erinnerungen verbinden mich mit vielen von den hier Anwesenden, und welch tiefes Bedauern kommt aufbei der Erinnerung an diejenigen, die nicht mehr unter uns weilen.
Ich haoe nicht die Absicht, eIne Vorlesung in siebenbürgischer und Schäßburger Geschichte, die Sie genau so gut kennen, zu halten. Was ich beabsichtige ist, Ihnen in aller Offenheit meine feste Überzeugung zu übermitteln, die sich im Laufe einer multinationalen und multikulturellen Schäßburger Gemeinschaft gebildet hat.

Es ist mit Sicherheit erwiesen, daß die Anwesenheit der Sachsen in Siebenbürgen für die rumänische Bevölkerung auf kultureller und wirtschaftlicher Ebene einen großen Vorteil mit sich gebracht hat. Davon zeugen die Auslegung d cr Siedlungen in Siebenbürgen, die überlegene Verwaltung,die Intensive Bewirtschaftung sowie die geistige und zivilisatorische Entwicklung. Wer von denen, die den Zweiten Weltkrieg in Schäßburg erlebt haben, erinnert sich nicht an die zahlreichen deutsch-rumänischsprachigen Schulen, an die Lagerfeuer, die am Ende jeden Schuljahres auf der Villa Franka kundtaten, daß alle Schulabgänger des Bischof Teutsch-Gymnasiums ihre Abiturprüfung bestanden hatten, an die Blasmusikkapelle unter der Leitung von Buzi Baltes, an das Symphonieorchester unter Professor Paul Schuller. Wer könnte die Konditoreien Martini und Habermann, die Kaufhäuser Misselbacher, Hessheimer und Petrovits, die Lingner-Mühle, die Bäckereien Hubatsch, Zielinski und Zultner oder die Erzeugnisse der Löw-, Adleff-, West und Zimmermann-Fabriken vergessen. Und wer könnte die Maifeste auf der Breite, den berühmten Herbstjahrmarkt inmitten der Stadt, die Handball-, Eishockey und Fußballmannschaften, innerhalb derer unzertrennliche und tiefe Freundschaften zwischen Rumänen, Sachsen und Ungarn entstanden, vergessen!

Es ist schwierig, all die wunderbaren Ereignisse vergangener Zeiten hier und jetzt zu erwähen, die leider fast nicht mehr stattfinden.
Und deswegen bin ich nun hier, um Sie zu bitten, Schäßburg nicht aus Ihrer Erinnerung zu verbannen.
Es wäre eine unverzeihliche Sünde, die Burg, die deutsche Tradition und Kultur aussterben zu lassen. Könnten Sie sich Schäßburg ohne die 700 Jahre währende deutsche Kultur und Tradition vorstellen? Was wäre diese Stadt ohne all dies?

Ich bin der festen Überzeugung, daß, solange die B urg und der Bergfriedhof bestehen, auch die deutsche Kultur und Tradition Bestand haben müssen, auch wenn die Anzahl der sächsischen Einwohner immer mehr abnimmt. Meines Erachtens ist aus diesem Grund die Rolle der Bergschule für die Zukunft von allerhöchster Bedeutung. Sie muß wieder das werden, was sie einmal war: eine elitäre, maßgebende Schule.
Sicherlich ist es keine leichte Aufgabe. Es gibt Schwierigkeien finanzieller, moralischer und gesetzlicher Natur. Aber aus der Geschichte wissen wir, daß nichts auf der Welt ewig währt md daß die Hoffnung das wertvollste Gut der Menschen ist.Denn derjenige, der standhaft hofft, wird am Ende auch sein Ziel erreichen.

Beseelt von diesen Idealen lassen Sie uns zu den altbewährten Gefühlen von Freundschaft und gegenseitigem Respekt zurückfinden, um Schäden, die nicht wiedergutzumachen sind, abzuwenden!



 

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Letztes Update: 2004-05-12 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg