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Der Schäßburger Hutmacher und Sportpionier
Konrad Schneider
Vor fünfzehn Jahren war in der Siebenbürger Zeitung
zu lesen, daß dieser rüstige Alte Herr mit achtzig
Jahren - nach erbrachten Leistungen in fünf Disziplinen - das goldene
Sportabzeichen des DSB verliehen bekam. Und zehn Jahre später berichteten
wir unter der Überschrift Kopfsprung eines Urgroßvaters,
daß Konrad Schneider in Bielstein seinen neunzigsten Geburtstag
gefeiert hat.
Erfreut und beeindruckt können wir heute weiter vermelden, daß
der lebensfrohe Schneider Kon am 26. November1994 fünfundneunzig
Jahre alt geworden ist. Wiederum empfing man gut 100 Gratulanten im Gemeindehaus
Drabenderhöhe, brachte ein Ständchen des Kirchenchores, eine
Aufwartung der Wiehler Turner, mit Geschenken, Gedichten und anderen Ehrungen
aus dem Kreis der Freunde.
Es verdient freilich der Hochbetagte nicht nur als vielseitiger Sportsmann
(Turner, Leichtathlet, Schwimmer, Gründer und Kapitän der STV-Fußballmannschaft,
später Schiedsrichter) eine angemessene Würdigung, sondern auch
nicht minder die berufliche Lebensleistung des bekannten und beliebten
Schäßburger Bürgers in der Baiergasse. Über vier
Generationen väter- und mütterlicherseits ist die Familie Keller/Schneider
dem Hutmachergewerbe treu geblieben. In der letzten Phase hatten sich
die Brüder Martin (Tin) und Konrad Schneider vor allem
auf das Herstellen von Damenhüten verlegt, weil die Damen so
viele Hüte haben müssen wie Schuhe, möglichst im
englischen Stil. Es entstanden Filialbetriebe auch über Schäß-burg
hinaus, die Firmennamen Hut-Schneider und Pompa-dour
waren ebenso in Hermannstadt bekannt. Nach der Enteignung des Schäßburger
Hutgeschäftes wurde Konrad zum Leiter des entsprechenden Staatsbetriebes
ernannt.
Etwas zu spät, wie er meint, siedelte er 1977 mit seiner Frau Hilde,
geb. Petri, die vor zehn Jahren verstarb, aus. Im Haus des Schwiegersohnes
Dr. Hans Balthes und der Tochter Roswitha in Bielstein lebt Vater Konrad
seither nicht nur idyllisch, sondern auch sehr gesund: konsequent mit
Morgengymnastik und viel Schwimmen! Er bleibt lebhaft interessiert am
Welt- und Sportgeschehen, stets heimat- und familienverbunden.
In einem schwungvoll handgeschriebenen Dreiseitenbrief äußert
er drei Wünsche, deren Erfüllung er erhofft: als treuer Familienvater
nennt er zuerst die erwartete Geburt eines weiteren Urenkels (inzwischen
eingetroffen: Paul-Alexander), dann die Übergabe der Arztpraxis des
Schwiegersohnes Hans an den Enkel Hans-Konrad, schließlich die selbstgerechte
Aufgabe schwimmsportlicher Art: Als Abschluß einen schönen,
angehechteten Kopfsprung vom Dreimetertrampolin!
Hans Wolfram Theil
(Aus Schäßburger Nachrichten, Folge 3, März
1995)
Anmerkung des Webmasters: Konrad Schneider ist am 10.10.1996 verstorben.

Letztes Update:
13. Oktober 2002
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