HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Was läuft von Wien aus für Siebenbürgen?

Es ist für mich als Österreicherin und als Nicht-Siebenbürgerin eine große Freude und Genugtuung, heute im Rahmen der HOG-Tagung in Heilbronn mit wenigen Worten über die Hilfe berichen zu dürfen, die von der ÖSTERREICHISCHEN LANDSMANNSCHAFT im Rahmen ihres ARBEITSKREISES SIEBENBÜRGEN für Siebenbürgen getan wird.

Die LANDSMANNSCHAFT DER SIEBENBÜRGER SACHSEN in Deutschland und Österreich ist natürlich in erster Linie prädestiniert, ihren Landsleuten, die es vorziehen, aus welchen Gründen auch immer, in Rumänien zu bleiben, unter die Arme zu greifen. Und wie ich der siebenbürgischen Zeitung entnehme und aus Freundeskreisen weiß, geschieht sehr, sehr viel.

Für viele von Ihnen ist es aber neu, daß auch Österreicher, die keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu Siebenbürgen haben, sich sehr engagieren, und zwar viele Tausende und das seit vielen Jahren.

Ab Anfang der 80er Jahre fuhre viele Buss die etwa 800 Kilometer von Wien nach Hennannstadt, Kronstadt, Schäßburg und in alle siebenbürgischen Dörfer, waren sie noch so klein, und brachten Bekleidung, Lebensmittel, Medikamente, Bücher usw in die evangelischen Pfarrgemeinden zur Verteilung. Hier waren es vor allem die Pfarrersfrauen, die die gerechte Verteilung übernahmen.
Daß solche Expeditionen Schikanen unterworfen und oft nicht ungefährlich waren, muß nicht ausdrücklich erwähnt werden.Manche unserer Reiseleiter erhielten Einreiseverbot, beobachtet und verfolgt wurden wir ständig.

Nach der Wende konnte die Hilfe in großem Stil einsetzen. Es gelang, viele Millionen Schilling von der österreichischen Bundesregierung für Großprojekte zu erwirken. So wurden und werden Kleinbetriebe und Arztpraxen eingerichtet, Werkstätten mit Maschinen und Spitäler mit den nötigen Utensilien versorgt. Bei der Gründung von Genossenschaften konnten unsere Juristen helfen und Saatgut und Düngemittel wurden dorthin angeliefert. Seit vielen Jahren fährt wöchentlich ein Lastwagen von Wien aus mit freiwilligen Fahrern nach Siebenbürgen.

Waren es in der kommunistischen Zeit Landsleute, denen wir in erster Linie halfen, so erfordert die staatliche Förderung ein
Umdenken und eine gleichwertige Bewertung auch rumänischer und ungarischer Ansuchen. Das ist wichtig, um Neid und Mißgunst von vornherein auszuschalten. Es sollen alle profitieren, denn letztendlich fällt das Gute doch auf die Sachsen mit ihren westlichen Kontakten zurück.
Ähnlich verhält es sich mit der Unterstützung des deutschen Schulunterrichts. Man kann heute nicht mehr sagen, nur Sachsenkinder sollen in die deutsche Abteilung gehen; es gibt fast keine Sachsenkinder mehr! Die Rumänen aber sind sehr an der Ausbildung ihrer Kinder in einer Weltsprache interessiert. Mag sein, daß für die meisten wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend sind. Sie leben aber in einem von deutscher Kultur geprägten Gebiet, viele wissen oder spüren zumindest das auch und nehmen schon deshalb das Angebot an, ihren Kindern dieses Kulturgut mittels der Sprache zu vermitteln.

Es ist meine feste Überzeugung, daß das zu Recht geschieht. Das Samenkorn, das man hier säht, wird in vielen Fällen aufgehen. Und wenn wir alle nicht mehr sind -und auch der Sachsen in Siebenbürgen werden immer weniger -werden diese Rumänen unsere Kulturdenkmäler ehren und -hoffentlich -erhalten. Kirchenkelche, Archive, Bilder kann man mitnehmen und hier im Museum ausstellen. Unsere prachtvollen Kirchenburgen aber
bleiben und sollen, wenigstens in den nächsten Jahrhunderten, nicht zu "griechischen Ruinen" werden. Das Verständnis dafür aber ist nur da, wenn es von Anfang an gepflegt wird. Sonst haben wir keine Chance.

Dieser Gedanke mag Ihnen, die mit Wehmut auf die alte, verlorne Heimat schauen, noch fremd sein. Aber ich nehme doch an, daß auch Sie wollen, daß Ihre Enkel dereinst noch schauen sollen, was diese Heimat so wertvoll machte. Menschen und Völker vergehen -das lehrt die Geschichte. Aber ihre Kultur bleibt, und dafür sollten wir uns einsetzen. Es ist auch zu unserem Nutzen. nehmen Sie bitte diese offenen Worte einer Nicht-SiebenbürgeIn nicht übel.

Glauben und vertrauen Sie mir, ich habe viel "übrig" für dieses lhr Land; ich liebe es wie mein eigenes und nicht nur deshalb, weil ich mit einem Schäßburger verheiratet war. Und deshalb möchte ich weiterhin einen Weg der Verständigung gehen. Die Vergangenheit kann man leider nie mehr heraufbeschwören, aber man soll versuchen, für die Zukunft soviel zu tun, als in unseren Kräften steht. Dann bleibt unseren Enkeln ein Siebenürgen erhalten, das wohl stark verändert ist, aber viele vertraute Züge trägt.

Gertraud Schuller



 

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Letztes Update: 2004-05-12 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg