Schäßburger Handballer der Jahre 1946 bis 1950 trafen sich
in Dinkelsbühl
Es war in den Jahren 1946 bis 1950 als das rumänische Sportgeschehen,
in unserer alten Heimat, noch den Leistungen der Siebenbürger Sachsen
und Banater Schwaben bestimmt wurde, Als in der Leichtathletik Hans Wiesenmeyer
und Edith Traibal den Ton angaben, im Schwimmen Lisbeth Bock, Felix Heitz
und Magda Harasty die Wasserpisten beherrschten, im Turnen Fritz Orendi,
Helmut Orendi und Erhardt Sitzler weit über dem Können aller
anderen standen, im Skifahren Klaus Theil und Hans Bergel von sich reden
ließen, begannen auch die Handballer aus Hermannstadt, Schäßburg,
Mediasch, Kronstadt und Agnetheln sich zu regen und Handballvereine zu
gründen, deren Spieler über viele Jahre hinaus den rumänischen
Handball bestimmen sollten.
So faßte auch in Schäßburg der Sportgeist der früheren
STV wieder Fuß und es waren Rudi Eder, Hans Maurer und Butzi Schmidt,
denen es gelang mit Begeisterung und Schwung dem Schäßburger
Handball Auftrieb zu geben und eine leistungsstarke Mannschaft auf die
Beine zu stellen. Sie trug den stolzen Namen "Victoria" und
übernahm die Farben des Schäßburger Clamidaten Coetus
blau/weiß.
Wer kann sich nicht daran erinnern, als ein Handballspiel zwischen Hermannstadt
und Schäßburg oder Mediasch oder Kronstadt ein wahres Volksfest
bedeutete, zu dem sich jung und alt, groß und klein einer ganzen
Stadt einfand und mit heller Begeisterung, mit Herz und Seele seine Günstlinge
anfeuerte und wochenlang danach Gesprächstoff über Kiris (W.
Kirschner, Hermannstadt) wunderbaren Strafschuß, Lehnis (H. Lehni,
Schäßburg) großartige Torparade oder Schnucks (G. Gunesch,
Mediasch) wieselflinkes Angriffsspiel hatten.

So kam es dann, daß wir Schäßburger schon im Jahre 1946
das Endspiel der Landesmeisterschaft erreichten und in Schäßburg
unseren größten Rivalen "KARRES" Mediasch mit den
Spielern um Bruno Holzträger und Willi Lapka mit 2:1 schlugen.
Von den Wirren der damaligen Zeit auch betroffen, wurde unsere Teilnahme
an der Meisterschaft 1947 an einem Septembertag von der Staatssicherheitspolizei
jäh unterbrochen, als wir fertig zur Abfahrt nach Bukarest, zu einem
Meisterspiel, im Schäßburger Bahnhof auf den Zug warteten,
und einige unserer Besten ohne jede Begründung verhaftet und den
übrigen der Mannschaft die Abreise verweigert und nach Hause geschickt
wurden.
Der nächste Höhepunkt des Schäßburger Handballs blieb
aber trotzdem nicht aus, wir machten weiter und kamen 1948 ins Endspiel
mit der inzwischen wieder zur Hochburg siebenbürgischen Feldhandballs
geltenden "Arsenal" Hermannstadt. Beide Spiele fielen zu unseren
Gunsten aus, in Hermannstadt 3:2 und in Schäßburg 11:5, wobei
die großen Handballkanonen der Hermannstädter wie W. Kirschner,
M. Roth, H. Kremer, W. Schoger, um nur einige zu nennen, den .jungen Schäßburgern
H. Zultner, M. Balasz, W. Lingner, 0. Schuster, geführt von den routinierten
R. Eder, H. Lehni, W. Schmidt und den kampfstarken K. Adleff, H. Kamilli,
R. Löw und H. Theil das zweitemal den Titel eines Landesmeisters
überlassen mußten.
Im gleichen Jahr gelang es auch unserer Schäßburger Frauenhandball-Mannschaft,
mit den zu der Zeit bekannten Handballgrößen Martha Löw
(Sigmund), Liane Schmidt (Roth), Adele Nowak (Theil), den Meistertitel
zu erwerben, so daß Schäßburg die Hochburg des Handballs
in Rumänien wurde und es einige Jahre lang auch blieb. Diese, in
nur fünf Jahren, geschmiedete Gemeinschaft erinnert sich an die schöne,
aber auch schwere spannungsgeladene und intensiv erlebte Zeit, bei dem
seit 1983 im Zweijahres-Rhythmus in Dinkelsbühl von Otto und Erika
Schuster organisierten Treffen, in besonderer Weise.
Das Bootshaus, jedes Mal mit Plakaten aus der Handballzeit und mit Rudi
's (Eder) und Aka 's (Flechtenmacher) Blumen geschmückt, bot uns
nun schon das siebtemal, auch in diesem Jahr, einen Rahmen heimischer
Atmosphäre. Wenn inzwischen auch 49 Jahre vergangen sind, so muß
doch mit Erstaunen festgestellt werden wie jung doch 65/75.jährige,
ehemalige Sportler sein können, wenn sie sich "fast" wie
in der Blütezeit bei Tanz, Unterhaltung und Gesang bewegen.
Zwei Tage bester Laune in froher Runde lassen uns hoffen, daß wir
uns noch viele Jahre an die "schöne alte Zeit" in Schäßburg
erinnern können und alle freuen sich schon auf das nächste Treffen
im September 1997.

Walter Lingner

Letztes Update:
2004-10-23
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