HOG-Schäßburg / Siebenbürgen



Die Schriftstellerin Elisabeth Hering

Im Buch "Fahndungen. 22 Autoren über sich selbst" (Union Verlag, Berlin 1975) kennzeichnet Elisabeth Hering in einem autobiographischen Kapitel "Ein Schriftsteller findet sein Thema" dieses Thema ihrer literarischen Arbeit so: "Es läuft quer durch die Menschheilsgeschichte. Es findet sich in Märchen, Sagen, Legenden und Mythen aller Völker". Und in der Tat, in ihren zahlreichen seit 1951 erschienenen Romanen, Erzählungen, Geschichten und Märchen spiegelt sich eine erstaunliche Vielfalt historischer, kulturgeschichtlicher Stätten, Epochen und Ereignisse. Ihre Darstellung beruht immer auf genauer Recherche von Tatsachen und die Interpretation erfolgt in christlich-humanistischer Sicht. Trotz dieser räumlich-zeitlich weitausgreifenden, vielleicht exotisch anmutenden Thematik (Griechenland zur Zeit des Perikles, Ägypten um 1400 v.u.Z., Deutschland im 15. und 17. Jahrhundert, Korea, Indien, Andalusien im 9. Jahrhundert während des arabischen Kalifats u.a.) hat Elisabeth Hering ihre alte Heimat nicht vergessen, und in ihrem Werk finden sich immer wieder Bezüge zu Siebenbürgen, Rumänien, Ungarn. Denn sie ist gebürtige Siebenbürgerin und entstammt einer angesehenen, an sozialen und kulturellen Traditionen reichen Familie aus Schäßburg.

Am 17. Januar 1909 in Klausenburg in der Familie des Rechtsanwalts Leicht geboren, besucht Elisabeth Leicht ab 1916 die Schule in Schäßburg. Ihre Urgroßmutter Therese Bacon ( 1824 bis 1911) war die bekannte siebenbürgische Frauenrechtlerin und Gründerin des Vereins für Frauenbildung in Schäßburg. Ihr Großvater Josef Bacon ( 1857 bis 1941 ), Stadtphysikus und Heimatforscher, war Begründer und Förderer des Museums "Alt-Schäßburg". Nach einer Buchhändlerlehre heiratet sie noch .jung den Pfarrer Hans Ackner und übersiedelt nach Hermannstadt. Durch kriegsbedingte Verhältnisse gelangt die Familie nach Deutschland. Dort findet sie nach mehrmaligem Umzug schließlich in Leipzig ihre endgültige Wohnstätte. Nach Trennung von Hans Ackner ( 1951) heiratet Elisabeth Ackner in zweiter Ehe Walter Hering ( 1952), mit dem sie in ihrer ersten Schaffensperiode auch einigemale gemeinsam veröffentlicht. Ab 1951 publiziert sie kulturgeschichtliche Erzählungen, Romane und Märchen. 1956 erhält Elisabeth Hering einen Preis im Jugendbuch-Wettbewerb des Ministeriums für Kultur für den kulturhistorischen Roman "Südseesaga" und wird 1963 Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR. Sie wird in das "Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller -Von den Anfängen bis zur Gegenwart", Bibliographisches Institut Leipzig, Ausgabe 1974, aufgenommen.

Im Rahmen dieses Beitrages sollen nur einige Titel aus der Werkauswahl zitiert werden, die Elisabeth Herings Beziehungen zu Siebenbürgern und den südosteuropäischen Kulturraum betreffen. Bereits 1952 erscheint das Buch "Der goldene Birnbaum und andere Märchen aus Rumänien" (zusammen mit Walter Hering) und 1959 "Sagen und Märchen von Donau und Rhein". "Schrieb Noah schon?" ( 1956) -später unter dem Titel "Rätsel der Schrift" (mehrere Auflagen im Prisma- Verlag, Leipzig) wird auch ins Rumänische übersetzt. Als Herausgeberin der dreibändigen "Kostbarkeiten aus dem deutschen Märchenschatz" (Altberliner Verlag, 1975) nimmt sie auch siebenbürgische Volksmärchen aus der Haltrichischen Sammlung auf. In der von Christa Unzer-Fischer schön illustrierten zweiten Auflage der einbändigen Ausgabe dieser Sammlung ( 1988) finden wir im Quellennachweis den Vermerk: "Das Märchen 'Der Rehbock mit den goldenen Hörnern' hat die Autorin, die in Siebenbürgen aufgewachsen ist, nach ihren Kindheitserinnerungen wiedererzählt". Der Band "Die Puten im Joch" (1980) enthält wiederum rumänische Schwänke, Legenden und Märchen, und die vorerst letzte Publikation ( 1988), "Die Schildbürger von Rat6t" erzählt ungarische Schildbürgerschwänke und Anekdoten. Im kulturgeschichtlichen Roman "Irrgarten des Lebens" (Prisma- Verlag, Leipzig, 1985) ist der Zipser Steinmetz Lorenz der Hauptheld, der in der Bauhütte des Meisters Janos an der Errichtung Budapester Kirchen beteiligt ist. Doch nicht nur in ihrem literarischen Werk, sondern auch persönlich hat Elisabeth Hering ihre siebenbürgischen Wurzeln nie vergessen und ihre Beziehungen, insbesondere zu Schäßburg, immer gepflegt. Sie hat, sobald nach dem Krieg Reisemöglichkeiten bestanden, Schäßburg besucht und war bemüht, eine vermittelnde Rolle in den Kulturbeziehungen zur DDR zu spielen. Wir konnten sie auch bei einem der Schäßburger Treffen als Gast in Heilbronn begrüßen. Sie gehört zu den Persönlichkeiten unserer Stadt und es müßte ihr in einer Neuauflage des "Lexikons der Siebenbürger Sachsen" ein angemessener Platz eingeräumt werden.

Walter Roth

 

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Letztes Update: 2004-10-21 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg