Professor Egon Machat zum Gedenken

Fordernd leuchten auch heute noch die Inschriften an den Außenwänden
der beiden Gebäude der Bergschule von Schäßburg. SCOLA
SEMINARIUM REIPULICAE (Die Schule eine Pflanzstätte des Gemeinwesens)
lesen wir an der Wand des Nebengebäudes und PATRIAE FlLIIS VIRTUTI
PALLADIQUE SESE VOVENTIBUS SACRUM (Den Söhnen des Vaterlandes, die
sieh der Tugend und Wissenschaft weihen, geheiligt) an der Wand des Hauptgebäudes.
Viele Generationen von Schülern und Lehrern dieser Schule sind
der Aufforderung der Inschriften gefolgt und haben diese Lehranstalt durch
ihre Leistungen als Lernende, später als Arbeiter für das Gemeinwesen
und Gemeinwohl unseres Völkchens gewürdigt.
Zu den Männern, die den Ruf dieser Schule gefördert haben, gehört
auch der in diesem Jahr leider verstorbene Professor Egon Machat.
Egon Macht wurde 1914 in Hermannstadt geboren. In Schäßburg
besuchte er das Gymnasium (die Bergschule), wo er als Schüler und
Mitglied des Coetus (Schülerorganisation) verschiedene Ämter
bekleidete. Außerschulisch verzeichnete er Erfolge als Theaterspieler,
besonders in der Rolle des „Götz von Berlichingen", aber
auch als Handballspieler und B-Baßbläser der Schülerblasmusik.
Nach dem Studium der Germanistik, Romanistik und Kunstgeschichte in Czernowitz,
und nach mehrjährigem Militärdienst, kam Macht als Professor
an die Bergschule, an der er 35 Jahre lang als Deutschlehrer wirkte.
Nach der Schulreform von 1948, als die Bergschule in eine Pädagogische
Schule (Lehrerbildungsanstalt) umgewandelt wurde, steigerten sich auch
die Aufgaben Prof. Machats. Drei Jahre lang war er stellvertretender Direktor.
Hierbei waren sowohl seine fachlichen als auch organisatorischen Fähigkeilen
gefragt. Mit der Verstaatlichung der Schule mußte alles umgestellt
werden. In allen Klassen kamen Schüler aus dem ganzen Land. Da es
das Schülerinternat nicht mehr gab, mußten die Schüler
und neuhinzugekommenen Lehrer irgendwie in Schäßburg untergebracht
werden. Zur Lösung all der Probleme hat Prof. Macht tatkräftig
mitgeholfen. Durch seine Gewissenhaftigkeit im Beruf trug er wesentlich
zur guten Ausbildung der zukünftigen Grundschullehrer bei und erwarb
sich gleichzeitig deren Anerkennung und Hochachtung.
1956 wurde die Bergschule wieder in ein real-humanistisches Gymnasium
umgewandelt. Für Deutsch als Muttersprache mußten sowohl Programme
als auch die Lehrbücher von erfahrenen Fachlehrern erarbeitet werden.
Als geschätzter Deutschlehrer war Prof. Macht Mitverfasser von zwei
Lehrbüchern für das Obergymnasium.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren alle deutschsprachigen Kulturinstitutionen
und Vereine aufgelöst bzw., verboten worden. Da nun die zukünftigen
Lehrer auch als Leiter von dörflichen Kullerinformationen vorbereitet
werden mußten, nutzte Prof. Macht die Gelegenheit und inszenierte
mit den Schülern eine Reihe deutscher Theaterstücke. Diese wurden
in Schäßburg, aber auch in anderen Ortschaften, sogar im Banat
und in Bukarest vor einem dankbaren Publikum aufgeführt. Das Märchenspiel
„Aschenputtel" z.B. wurde zwanzigmal gespielt.
In den sechziger Jahren leitete Prof. Macht eine Amateur-Theatergruppe
des Schäßburger Kulturhauses. Um der politischen Übersättigung
der Bevölkerung verdeckt entgegenzuwirken, inszenierte er humorvolle
sächsische Mundartstücke wie „Et git äm de Fronjder"
(Es handelt sich um Heirat), mit dem in Schäßburg und auf Tournee
50 Vorstellungen geboten wurden.
Als Schäßburger hatte Prof. Macht auch ein offenes Ohr für
den ausgeprägten ortsgebundenen Humor. Nach zwanzigjähriger
Sammlertätigkeit veröffentlichte er im J. B, Bläschke-
Verlag 1981 seine „Humoristische Erzählungen, aus Schäßburg
in Siebenbürgen".
Auch nach seiner Pensionierung (1974) und Ausreise in die Bundesrepublik
Deutschland (1977) stellte sich Prof. Macht in den Dienst seiner Landsleute.
In Geretsried leitete er eine Theatergruppe und war gleichzeitig Kulturreferent
der Landesgruppe Bayern der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen.
Nach der Gründung des Bergschulvereins war Prof. Macht sein erster
Vorsitzender.
Wir alle, seine ehemaligen Schüler, seine Kollegen und Mitarbeiter.
aber auch .jene, die er im gesellschaftlichen Leben begleitet hat. sind
Professor Egon Macht zu Dank verpflichtet. Diesen Dank wollen wir dadurch
zum Ausdruck bringen, indem wir dem Gemeinwohl unseres Völkchens,
dem Wohle Schäßburgs und dem unserer lieben Bergschule weiterhin
dienen.
Gustav Schneider

Letztes Update:
2005-05-15
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