HOG-Schäßburg / Siebenbürgen



Grüße an die Nachkommen

Uralte, alte und neue Urkunden liegen im Türmkopf des Bergschultürmchens

Von Hannelore Baier

Seit einigen Tagen hat das Türmchen des Bergschulgebäudes wieder einen Knopf aufsitzen. Das Türmchen selbst ist noch eingerüstet, aber die Arbeiten gehen dem Ende zu. In die neue Turmknopfkugel wurden zu den in der alten Kugel vorgefundenen Urkunden weitere Zeugnisse der Schul- und Baugeschichte dieser Lehranstalt gelegt.
Die Turmknopfkugel war im Frühjahr 1991 vom morsch gewordenen Holzzapfen, auf den sie auf das Bergschultürmchen gesetzt war, herab gefallen (siehe dazu "Neuer Weg" vom 30. August sowie 6. und 13. September 1991). Der Riß im Metall gab drei Blechzylinder frei. Darin lag ein beim Abschluß der Umbauarbeiten des Schulgebäudes 1901 in den Knopf gelegter "Gottes Gruß den späten Enkeln!" in Form von sechs Schriftstücken und drei Drucken. Zwei der Urkunden - in lateinischer Sprache abgefaßt ? stammten aus dem Jahr 1792 und waren von den Bauleuten im Ur-Turmknopf des Schulgebäudes gefunden worden. Bei den "neueren" Schriften aus der Zeit der Jahrhundertwende handelt es sich um eine Baugeschichte des Schulgebäudes und ein zeitgeschichtliches Bild Schäßburgs von Dr. Richard Schuller, den Bericht des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde über Bau und Namengebung des "Bischof Teutsch"-Gymnasiums, den Bericht der Baumeister Leonhardt über Durchführung des Umbaus (die bisher genannten Urkunden wurden 1901 abgefaßt) sowie den Bericht des Stadtpfarrers Johann Teutsch an Bischof Georg Daniel Teutsch über den "Zustand" der Schäßburger Kirchengemeinde, anläßlich der angekündigten Generalkirchenvisitation vom 20. Mai 1883. Außerdem enthielten die Blechzylinder als Drucke den "Bericht des Stadtmagistrats über die Verwaltung und den Haushalt der königl. freien Stadt Schäßburg pro 1900" sowie Nr. 7 der "Schäßburger Zeitung" (vom 10. Februar 1901) und Nr. 1177 (vom 14. Juli 1901) des "Großkokler Boten".
Von den vorgefundenen handschriftlichen Urkunden wurden nun allerdings nur Fotokopien in den neuen Turmknopf eingelegt (die Drucke waren so brüchig, daß ein Kopieren nicht möglich ist), und zwar in zwei Kunststoffzylindern. Die zum Teil beschädigten Originale sind dem "Siebenbürgen-Institut" auf Schloß Horneck in Gundelsheim/Deutschland zwecks Restaurierung und Konservierung übergeben worden. Geschah das auch aufgrund der Befürchtung, daß die Grußworte in Schäßburg/Rumänien keine deutsch-sächsischen Nachkommen mehr erreichen werden?
Neu hinzugelegt wurde eine acht Seiten lange Geschichte der Bergschule von 1901 bis 1994, die Walter Lingner (Düsseldorf) und Hermann Baier (Schäßburg) verfaßten, eine Liste der Schuldirektoren von 1850 bis 1995, zwei Spenderlisten: eine der Spender, die die Bergschule allgemein unterstützten und eine weitere mit den Spendern für die Renovierungsarbeiten des Bergschultürmchens, wobei es sich bei letzteren fast ausschließlich um in Deutschland lebende ehemalige Bergschüler handelt.
Spenden haben die Wiederherstellungsarbeiten des Türmchens und der Knopfkugel erst ermöglicht. Die Arbeiten wurden von der Firma "SIBAUCONST" GmbH, von Baumeister Horst Zikeli geleitet, durchgeführt. Den neuen Turmknopf stellte die Firma "PRODTINSERV - SRL" von Gheroghe Cezar in Schäßburg her, die auch die dachspenglerischen Arbeiten durchführte. Das erfahren die Nachkommen aus dem "Gottes Gruß den Findern!" betitelten und im Mai 1995 datierten kurzen Bericht über Auffinden der alten Urkunden, Renovierung des Türmchens und Einlegen weiterer Dokumente, den der derzeitige Schuldirektor, Hermann Baier, zeichnet. Auch wurden Fotokopien der (eingangs zitierten) Artikelserie aus dem "Neuen Weg" beigefügt.
Alle neuen Urkunden sind in deutscher Sprache verfaßt. Im "... Gruß und Mahnwort unseren Geschäftsnachfolgern (so Gott will noch immer sächsischen)..." hatten die Brüder Leonhardt festgehalten, "... daß dieser Bau nicht nur durch und durch deutsch-sächsischer Bildung dienen soll, sondern auch von sächsischen Werkleuten aufgeführt worden..." (Bericht der Brüder Leonhardt) war. Angesichts der Untergangsstimmung der um die Jahrhundertwende verfaßten Berichte mutet es fast wie ein Wunder an, daß Ausbesserungsarbeiten an dieser Schule 90 Jahre später immer noch von einem deutsch-sächsischen Baumeister geleitet wurden. Das "Bischof-Teutsch-Gymnasium" heißt nun "Joseph Haltrich"-Lyzeum und vom "... alten sächsischen Geist tiefer Frömmigkeit, leuchtender Treue, nie wankender Gewissenhaftigkeit und ausdauernden Fleißes zu ziehen u. zu pflegen unserm Gemeinwesen, unserm Volke und unserm Vaterland zu ewigem Ruhme!" ist - in dem von den Vorfahren gemeinten Sinn ? nicht viel übrig geblieben. Aber in deutscher Sprache, von deutschsprachigen Lehrern und ein wenig im Geist der Bergschultradition werden wohl noch einige Generationen unterrichtet werden.
"Nun, ihr Nachkommen! Ausgebessert und neu gedeckt, bewahrt dieses eure Erbe, das ihr von den Vorgängern erhalten habt, das mit ungeheurem Aufwand beschafft worden ist, und euren Nachkommen dienen soll, und segnet unsere Asche!" heißt es zum Schluß der Urkunde von 1792, als die Grundmauern des heute stehenden Gebäudes am Schulberg gelegt worden sind. Was könnte man sich mehr wünschen?


 

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Letztes Update: 2004-07-16 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg