Schäßburger Treffen in Schäßburg 1995
Die Schäßburger sächsische Gemeinschaft
nach der Wende 1989
Der Sturz der Ceausescu-Diktatur im Dezember 1989 hatte auch für
die sächsische Gemeinschaft in Schäßburg schwerwiegende
Folgen. Die Öffnung der Grenzen zu Beginn des Jahres 1990 brachte
es mit sich, daß sehr viele Schäßburger Sachsen nach
Deutschland auswanderten. Wenn zu Neujahr 1990 in Schäßburg
2400 Sachsen lebten, so waren es ein Jahr später nur noch 1120. Heute
gibt es hier etwas über 600 sächsische Seelen. Das brachte mit
sich, daß manches verloren ging und daß man daran gehen mußte,
neue Formen und Strukturen zu finden, um zu überleben.
Mit der Bevölkerungszahl sank auch die Schülerzahl in den deutschen
Abteilungen unserer Schulen sehr stark. Auf fast allen umliegenden Dörfern
gingen schon 1990 die deutschen Abteilungen der Schulen ein. So verloren
wir viele unserer Kulturformationen, vor allem die Blaskapellen.
Auch auf sozialem Gebiet traten bedeutende Veränderungen ein. Es
blieben viele alte, kranke und bedürftige Menschen, die niemanden
mehr hatten, der für sie sorgen könnte.
Schon einige Tage nach der Hinrichtung des Diktatorenehepaares fand in
Schäßburg die Gründung des Demokratischen Forums der Deutschen
in Rumänien statt, das der Regierung die Loyalität der deutschen
Bevölkerung zum Ausdruck brachte. Bald danach wurde auch das Demokratische
Forum für Schäßburg gegründet, das vor allem die
politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Belange der sächsischen
Bevölkerung wahrnimmt (Vertretung bei den Behörden, Grundrückgabe,
Rechte der ehemaligen Russlanddeportierten und Kriegsveteranen, Begegnungszentren,
kulturelle Tätigkeiten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
usw.).
Infolge der massiven Auswanderung wurde unsere evangelische Kirche zu
einer Diasporakirche, die sich nun auch um die Bergung der Kultur- und
Archivgüter und vor allem um die vielen alten und bedürftigen
Menschen, die hier zurückgeblieben sind, kümmern mußte.
Es wurden Alten- und Pflegeheime und -nester errichtet, das "Essen
auf Rädern" organisiert, Seniorentreffen veranstaltet usw.
Die geringe Schüleranzahl in Schäßburg und in den umliegenden
Dörfern zwang uns, schon im Herbst 1990 in der Stadt zwei Abteilungen
mit deutscher Unterrichtssprache aufzulösen und alle Kinder, die
den Unterricht in deutscher Sprache erteilt bekommen, auf der Burg in
drei Gebäuden unterzubringen. Von den Dörfern bringen wir diese
Kinder entweder mit Schulbussen täglich nach Schäßburg
oder im Internat unter.
Schäßburg hat in dieser Zeit sehr viel Hilfe und Unterstützung
aus dem Ausland bekommen. Schon gleich nach der Wende boten mehrere Städte
aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz Schäßburg Partnerschaften
an. Zu engeren Bindungen kam es mit Neu-Isenburg, Blois und Baden (Schweiz).
Diese drei Städte unterstützen auch jetzt unsere Stadt auf verschiedenen
Gebieten.
Die sächsische Bevölkerung ist auch viel aus dem Ausland unterstützt
worden. So wurde z. B. die Restauration des evangelischen Pfarrhauses
von der Diakonie aus Bremen, die der Bergkirche von der Messerschmitt-Stiftung
aus München finanziert. Die Aula der Bergschule konnte mit Hilfe
von Spenden ehemaliger Schüler und Lehrer restauriert werden. Forum,
Pfarramt und Schule erhielten Verkehrsmittel, Kopiergeräte, Computer
und andere Apparatur. Die Räume der Klassen eins bis acht der Bergschule
wurden mit Möbeln aus Deutschland und Österreich ausgestattet.
Es wurden zahlreiche Hilfsgüter direkt unter die Bevölkerung
ausgeteilt. Zahlreiche Spenden laufen ein für "Essen auf Rädern",
Armenhilfe und Friedhofspflege.
Einige unserer früheren Institutionen, die im Leben der Schäßburger
eine bedeutende Rolle spielten, sind uns erhalten geblieben. So gibt es
hier, um nur zwei von ihnen zu erwähnen, noch immer die Nachbarschaften,
allerdings nur vier an der Zahl, die auch weiter ihre soziale Rolle erfüllen.
Der Schäßburger Kammerchor ist auch am Leben geblieben, bekommt
kräftigen Zulauf seitens einiger rumänischen Sängerinnen
und Sänger und konnte seit 1990 zwei Konzertfahrten nach Ungarn,
Österreich und Deutschland unternehmen. Dank des Kammerchors besuchen
zahlreiche ausländische Formationen, zu denen sich dann freundschaftliche
Beziehungen herausbilden, unsere Stadt. Auch die Bergschule unterhält
zu mehreren Schulen des Auslandes gute Beziehungen, die sich besonders
in einem regen Schüleraustausch konkretisieren.
Wir sind uns bewußt, daß dieser Kurzbericht kaum das Wichtigste,
das sich nach der Wende in Schäßburg zugetragen hat, erfassen
konnte.
Raummangel zwingt uns hier abzuschließen.
Hermann Baier (Schäßburg)
Das erste Treffen der Schäßburger in Schäßburg
Endlich ist es soweit! Die erste Begegnung der Schäßburger
kann nun in Schäßburg stattfinden und zwar in der Zeitspanne
18. bis 20. August d. J.
Die Idee dazu entstand schon am 28. Januar, als die Generalversammlung
der Mitglieder des Demokratischen Forums der Deutschen aus Schäßburg
abgehalten wurde. Diese Sitzung war einberufen worden, um neue Vorstandsmitglieder
und einen neuen Vorsitzenden für das Lokalforum zu wählen.
Herr Christian Elges, der abdankende Vorsitzende, schlug vor, im August
das erste Schäßburger Treffen zu organisieren. Im vorigen Jahr
war er in Heilbronn anwesend und meinte dort in seiner Ansprache, daß
es passend wäre, das nächste Treffen der gebürtigen und
Wahlschäßburger in der alten Heimat zu veranstalten und nicht
in Deutschland in Heilbronn, wie es schon mittlerweile zur Tradition geworden
war.
Zu dem Schäßburger Heimattreffen in Heilbronn waren von der
H.O.G. Schäßburg außer Herrn Elges als Forumsvorsitzenden
noch Vertreter der Bergschule, des Bergschulvereins und des Presbyteriums
der Evangelischen Kirche A.B. eingeladen worden.
Mir als Forumsvorsitzenden ist es anfangs nicht leicht gefallen, mich
mit dem neuen Amt vertraut zu machen, nicht zuletzt der vielen und vielseitigen
Aufgaben wegen, aber mit Hilfe meiner Kollegen aus dem Vorstandsvorsitz
und vor allem dank meinem Amtsvorgänger, konnte ich mich ziemlich
schnell anpassen.
Schon seit Anfang meiner Amtszeit begannen wir uns Gedanken über
das Treffen im August zu machen und Herr Elges entwarf dann auch schon
das Programm. Dieses wurde anschließend in allen Einzelheiten durchgesprochen
und Herrn Ing. Walter Lingner, stellvertretender Vorsitzender der H.O.G.
Schäßburg, zugeleitet, der dann auch unser Verbindungsmann
blieb.
Herr Lingner beauftragte Herrn Josef Fritsch, Fachberater bei der H.O.G.
Schäßburg, mit uns einige Kleinigkeiten am Programm des Treffens
zu ändern.
Gleichzeitig setzte man sich mit Herrn Andreas Christiani, dem Kurator
der Schäßburger evangelischen Kirche, in Verbindung. Da diese
aber zur Zeit keinen Stadtpfarrer hat, mußte Herr Christiani fast
im Alleingang alle Probleme lösen, die auf ihn zukamen bezüglich
der Anbringung einer Gedenkplatte für die Kriegs- und Rußlandopfer
in der Klosterkirche.
Die H.O.G. Schäßburg mit ihrem Vorsitzenden Heinz Brandsch,
Stellvertreter Walter Lingner und Roland Zebli, Kassenwart Helwig Schumann,
Fachreferenten Josef Fritsch, Erika Leonhardt und Günter Czernetzky,
Schriftführer Helmut Müller, und viele andere ehemalige Schäßburger
haben allen Landsleuten Einladungen zugeschickt. Sie lösten auch
finanzielle Probleme und kümmerten sich um die Veröffentlichung
unseres Vorhabens in den "Schäßburger Nachrichten".
Die Vorbereitungen in Schäßburg liefen über das Organisationskomitee
im Deutschen Forum, Herrn Direktor Baier von der Bergschule, Herrn Andreas
Chrisitani von der evangelischen Kirche. Eine große Hilfe waren
auch die Nachbarväter, die mit jedem einzelnen sprachen.
Im Juni, zu Pfingsten, als ich zum alljährlichen Sachsentreffen in
Dinkelsbühl eingeladen war, zusammen mit der Jugendtanzgruppe unseres
Forums, unter Leitung der Lehrerin i. R. Anneliese Gross, und des Haltrich-Absolventen,
Eduard Gaina, nahm ich an einer Sitzung des Ausschusses der H.O.G. Schäßburg
teil, wo noch ein paar Einzelheiten bezüglich des Treffens im August
geklärt wurden.
Mit Hilfe unserer Werbekampagne gelang es uns, 95 Teilnehmer aus Deutschland
und 184 aus Schäßburg einzuschreiben und wir hoffen noch auf
weitere Anmeldungen.
Die Teilnehmer aus Deutschland werden mit den eigenen PKWs und mit einem
Schinker-Reisebus anfahren und je nach Wunsch im "Stern" oder
bei Privatpersonen untergebracht werden.
Ehrengäste sind der Herr Bürgermeister Ing. Constantin Stefanescu
und der stellvertretende Bürgermeister, Herr Dr. Ovidiu Capatina,
der gleichzeitig Vorsitzender des Bergschulvereins ist.
Wir hoffen auf ein gutes Gelingen unseres ersten Schäßburger
Treffens und daß es Anklang findet bei allen unseren Landsleuten,
wobei ich fest überzeugt bin, daß beim Wiedersehen viele Freudentränen
fließen werden. Man wird Erinnerungen, mehr oder weniger freudige,
auffrischen, man wird viel diskutieren.
Wir versichern den ehemaligen Schäßburgern, daß sie in
ihrer alten Heimat immer herzlich willkommen sind und wir, die Noch-Schäßburger,
werden uns bemühen, unsere Traditionen nach unseren Möglichkeiten
fortzuführen und das zu bewahren, was unsere Vorfahren in fast einem
Jahrtausend geschaffen haben.
Reinhold-Dieter Aescht (Schäßburg)
Bewegende Begegnung an heimischer Stätte
Als Christian Elges im August vergangenen Jahres in seiner Begrüßungsansprache
anläßlich des Schäßburger Treffens in der Heilbronner
"Harmonie" ankündigte, daß das nächste Treffen
in der Kokelstadt stattfinden werde, wurde diese Ansage von einigen Anwesenden
im Saal nicht ganz ernst genommen. Offensichtlich traute man es unseren
Landsleuten, vor allem aber dem Demokratischen Forum der Deutschen in
Schäßburg, dessen Vorsitzender damals Christian Elges war,
nicht zu, ein solches Unterfangen in die Tat umsetzen zu können.
Die Skeptiker mußten sich nun eines Besseren belehren lassen, denn
vom 19. bis 22. August d. J. fand tatsächlich das erste Treffen der
Schäßburger in der alten Heimat statt.
Gekommen waren sie von nah und fern, wobei schon mal vorneweg gesagt werden
kann, daß es ein gut organisiertes und ein gelungenes Treffen war.
Mitveranstalter aus der Ferne war die HOG Schäßburg e.V. aus
Deutschland, die den Auftrag hatte, die Schäßburger aus dem
"Einzugsgebiet" der HOG für das Treffen zu gewinnen. Der
Aufwand hatte sich da wie dort gelohnt, denn am Samstag nachmittag, als
man sich im großen Saal des Hotels "Stern" zusammenfand,
war das Lokal bis auf den letzten Platz von über 110 Schäßburgern
besetzt, die aus Deutschland und Österreich angereist waren, sowie
weiteren 220 "Einheimischen".

Noch am Morgen des gleichen Tages hatte beim Stadtrat ein Empfang stattgefunden.
Der Festsaal in der alten "Präfektur" auf der Burg war
sehr gut besetzt, als der Bürgermeister von Schäßburg,
Dipl.-Ing. Constantin Stefanescu, die anwesenden Gäste aufs herzlichste
begrüßte und allen Teilnehmern zum ersten Treffen in der alten
Heimat ein gutes Gelingen wünschte.
Reinhold Aescht, der neue Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen
in Schäßburg, begrüßte ebenfalls die Gäste
und dankte all denjenigen, die es durch ihren Einsatz erst möglich
gemacht hatten, daß das Treffen in der Kokelstadt stattfinden konnte.
Dipl.-Ing. Roland Zebli, stellvertretender Vorsitzender der HOG Schäßburg,
sprach mit den Worten von Bundespräsident Roman Herzog: "Heimat
kann man nicht im Koffer mitnehmen" wohl das aus, was viele Anwesende
im Saal empfanden ? Heimat, die eigentliche Heimat, ist und bleibt Schäßburg.
Da paßte es auch gut dazu, daß Dipl.-Ing. Walter Lingner,
stellvertretender Vorsitzender der HOG Schäßburg, dem Bürgermeister
der Stadt, sowie dem Vizebürgermeister, Dr. Ovidiu Capatina, und
dem Stadtrat je ein Exemplar des Buches "Schäßburg, Bild
einer siebenbürgischen Stadt" als kleines Geschenk überreichte.


Danach fand in der Aula der Bergschule ein Podiumsgespräch statt.
Absicht dieser Zusammenkunft war es, Wege und Möglichkeiten des gemeinsamen
Wirkens in der Zukunft zwischen den institutionalisierten Vertretungen
der Schäßburger in der alten sowie in der neuen Heimat auszuloten.
Nachdem Prof. Hermann Baier, Direktor der Bergschule, die Anwesenden begrüßt
hatte und nach einer Minute des Gedenkens an den kürzlich verstorbenen
einstigen Bergschullehrer, Prof. Egon Machat, ergriffen die Vertreter
der verschiedenen Körperschaften, Institutionen und Vereine das Wort.
Prof. Heinz Brandsch, Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Schäßburg
in Deutschland, sah in diesem Treffen der Schäßburger einen
Brückenschlag zwischen der alten und der neuen Heimat, der es unter
den neuen Gegebenheiten in Siebenbürgen doch möglich machen
sollte, alte Bindungen wieder aufzufrischen und neue Beziehungen entstehen
zu lassen. Reinhold Aescht, Vorsitzender des Demokratischen Forun der
Deutschen in Schäßburg, gewährte einen Einblick in d Tätigkeiten
des Forums, die vor allem auf kultureller und sozialer, aber auch auf
politischer Ebene stattfinden. Von Anreas Christiani, Kirchenkurator,
erfuhren wir unter anderem, wie die stark geschrumpfte Glaubensgemeinde
in Schäßburg vom Diakonischen Werk aus Bremen personell, materiell
und finanziell unterstützt wird. "Essen auf Rädern"
ist zum Be spiel eine solche Leistung.
Dr. Christoph Machat, Vorsitzender des Siebenbürgisch-Sächsischen
Kulturrats in Deutschland und Ehrenbürger der Stadt Schäßburg,
sprach über das Engagement der Messerschmitt-Stiftung, mit deren
Mittel zur Zeit die Bergkirche in Schäßburg saniert wird, und
daß die Stiftung das "Haus mit dem Hirschgeweih" auf dem
Burgplatz für die Schaffung einer Zweigniederlassung erwerben möchte,
und zwar für ein Kulturzentrum von internationalem Zuschnitt. Nicht
zu überhören war der Aufruf des Redners an seine Landsleute,
mit Spenden zum Gelingen der Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten
auch an andren schutzwürdigen Bauwerken auf der Burg beizutragen.
Pfarrer i. R., Konrad Georg aus Gummersbach, stellte sich als Seelsorger
von Schäßburg vor, ein Ehrenamt, das er einige Wochen lang
ausüben will.
Dr. Ovidiu Capatina, Vizebürgermeister und Vorsitzender des "Bergschulvereins"
in Schäßburg, sowie Günther Czernetzk Vorsitzender des
deutschen Pendants, des "Schäßburger Bergschulvereins"
in Deutschland, berichteten über die gute Zusammenarbeit der beiden
Schwestervereine. Ein Ergebnis dieser Tätigkeit ist unter anderem
die Erneuerung des Türmchendaches samt Kugel auf dem Schulgebäude.
Bergschuldirektor Prof. Hermann Baier sprach über die deutsche Schule
in Schäßburg, die zur Zeit in drei Gebäuden auf der Burg
untergebracht ist. Sie wird von Schülern aus dem Einzugsgebiet der
Stadt und darüber hinaus, besucht, aus welchem Grund einige Kinder
und Jugendliche aus den umliegenden Ortschaften mit dem Bus zur Schule
gebracht werden, während andere im Internat, im Alberthaus, wohnen.
Worte des Lobes fand Prof. Hermann Baier für die gelungene Restaurierung
der Deckenbemalung in der Aula in der Bergschule.
Dipl.-Volkswirt Hugo Schneider aus Mediasch hatte seine Rechtsberatung
ebenfalls in die Aula verlegt. Er erläuterte einige Fragen von allgemeinem
Interesse, betreffend die rumänische Gesetzgebung zur Klärung
von Eigentumsfragen.
An den folgenden Diskussionen beteiligten sich Johannes Halmen, Diasporapfarrer
der ev. Kirche A. B. in Siebenbürgen, Lehrer Gernot Wagner aus Schwaikheim/Deutschland,
der Journalist Richard Ackner aus Neubrandenburg, Dipl.-Ing. Roland Zebli
aus Wiernsheim/Deutschland, der Regisseur Günther Czernetzky aus
Wien, Prof. Hermann Baier sowie Dipl.-Ing. Walter Lingner aus Düsseldorf,
der unter anderem auch bei diesem Anlaß ein kleines Geschenk in
Form einer eingerahmten Landkarte von Siebenbürgen aus dem Jahre
1640 dem Veranstalter des Treffens, dem Demokratischen Forum der Deutschen
in Schäßburg, überreichte. Eine zweite Karte wurde der
Begschule geschenkt.
Dann folgte die Zusammenkunft im "Stern". Begrüßt
wurden die Gäste im Saal vom Vorsitzenden des Forums Reinhold Aescht.
Das Tischgebet sprach Pfarrer i. R. Konrad Georg. Alte Bekannte trafen
sich wieder, nach 10, 30 oder gar 50 Jahren. Was hatte man sich da nicht
alles zu erzählen, mitzuteilen und zu diskutieren. Schnell verging
die Zeit, wobei der Auftritt der von Wiltrud Baier geleiteten "Burgspatzen",
eine Formation des Demokratischen Forums, bestehend aus Schülern
der deutschen Klassen zwei bis sieben, mit Liedern und Gedichtvorträgen,
einige in sächsischer Mundart, eine kleine aber willkommene Unterbrechung
darstellte. An die "Sarmale mit Palukes" wird noch manch einer
der ausländischen Gäste zurückdenken.
Der Sonntag danach wurde mit einem Festgottesdienst in der Klosterkirche
"eingeläutet", der von Pfarrer i. R. Konrad Georg, sekundiert
von Theologiestudent Daniel Zikeli, zelebriert wurde. Eingebaut in den
Gottesdienst war auch die Einweihung der Gedenktafel für die im 2.
Weltkrieg Gefallenen und die in der Deportation in Rußland verstorbenen
Schäßburger. Die Gedenktafel mit 224 im Krieg gefallenen oder
vermißten und 56 in der Deportation gestorbenen namentlich aufgezählten
Schäßburgern ist nach einem Entwurf des Künstlers Wilhelm
Fabini gestaltet worden. Die Steinmetzarbeiten hat Herr Helmut Polder
durchgeführt.
Die Ansprache anläßlich der Feierstunde wurde von Prof. Dr.
agr. habil. Heinz Brandsch gehalten. Umrahmt wurde das Geschehen mit Gedichten
von Prof. Heinz Brandsch, die von Stud. theol. Daniel Zikeli vorgetragen
wurden. Das Trompetenduo "Ich hatt' einen Kameraden" bliesen
Kuno Martini und Hermann Baier. Die Kranzniederlegung wurde von Schülern
in sächsischer Tracht vorgenommen. Feierlich schön auch die
Choräle der vereinten Schäßburger Chöre, des Kirchenchors
(Leitung: Theo Halmen) und des Kammerchors (Leitung: Hermann Baier).
Die Sangesfreude der Schäßburger wurde dann noch einmal unter
Beweis gestellt, als man sich anschließend im "Schänzchen"
unter dem Zinngießerturm zusammenfand. Dort konnten auch die Gäste
mit dem in sächsischer Tracht gekleideten Kammerchor mitsingen.
Und wieder stand die Musik im Mittelpunkt, als die Klosterkirche um 18.00
Uhr abermals ihre Pforten öffnete. Ein Orgelkonzert mit Werken von
Vivaldi, J. S. Bach, C. Franck und E Mendelssohn Bartholdy lud zum Verweilen
ein. An der Orgel spielte Theo Halmen.
Hochstimmung gab es auch am nächsten Tag, denn auf dem Programm stand
eine Wanderung auf die "Breite". Mit Kleinbussen wurden die
Ausflügler auf das Bergplateau gefahren, wo sie ein Wiedersehen mit
den Jahrhunderte alten Eichen erleben konnten. Das Mittagessen wurde auf
der "Hula" eingenommen. Am Nachmittag ging es auf der "Villa
Franka" weiter. Da waren es vor allem der "Gratar" und
der Riesling, die für gehobene Stimmung sorgten. Der Dienstag war
dem Bummeln oder Wandern, dem Besuch von Freunden und Bekannten, dem Filmen
oder Fotografieren vorbehalten.
Nicht unerwähnt bleiben soll die Keramik- und Fotoausstellung der
Brüder Wilhelm und Hermann Fabini in den Räumlichkeiten des
Forums, sowie die Übergabe daselbst von 70 Exemplaren des Buches
"Die Deportation der Schäßburger in die UdSSR" an
die Vertreter der Rußlanddeportierten, Fritz Balint, Margarete Tornea
und Brigitte Türk, ein Geschenk der "Schäßburger
Nachbarschaft" aus Heilbronn (Nachbarvater Fritz Breihofer) an die
noch lebenden einstigen Deportierten. Das Buch erhielten als kleines Geschenk
auch das Demokratische Forum der Deutschen in Schäßburg, der
"Bergschulverein", das Presbyterium der ev. Kirche A. B. zu
Schäßburg sowie die Leitung der Bergschule.
Als es dann am Morgen des 23. August hieß Abschied nehmen und zumindest
die Busfahrer die Heimreise antreten mußten, tat man das mit sehr
gemischten Gefühlen. Zu intensiv hat man diese vier Tage in Schäßburg
erlebt und ist vom Gesehenen und Erlebten aufgewühlt worden. Schnell
wurden noch ein paar Abschiedsfotos gemacht und Danksagungen an das Demokratische
Forum, das Presbyterium, die Bergschule und nicht zuletzt an den Stadtrat
von Schäßburg ausgesprochen.
Ein Dankeschön sei an dieser Stelle auch an die Adresse des Transportunternehmens
"Schinker Reisen" aus Gummersbach gerichtet, das die Busfahrt
der Gäste aus Deutschland zur vollen Zufriedenheit aller gestaltet
hat.
Helwig Schumann (Untergruppenbach)
Grußworte beim Empfang im Bürgermeisteramt von Roland Zebli
- Sehr geehrter Herr Bürgermeister Stefanescu!
- Sehr geehrter Herr Vizebürgermeister Dr. med. Ovidiu Capatina!
- Geehrte Stadträte!
- Liebe Schäßburger Bürger aller Nationalitäten und
Minderheiten!
- Läv Scheßbriger!
- Dragi Sighisoreni!
- Kedves Segshvari polgarok!


Als stellvertretender Vorsitzender des Vereins der Heimatortsgemeinschaft
Schäßburg (HOG) in der Bundesrepublik Deutschland darf ich
Sie alle grüßen, und danke im Namen des Vereins:
- Ihnen Herr Bürgermüster für den Empfang in der ehrwürdigen
Präfektur
- dem Demokratischen Forum der Deutschen in Schäßburg für
die Einladung und Organisation dieses Treffens
- der evangelischen Kirche für den würdigen und besinnlichen
Rahmen unseres Treffens
- und allen Schäßburger Bürgern für den freundlichen
Empfang.
Vielen Dank!
Nun darf ich mich kurz vorstellen: Dipl.-Ing. Roland Zebli, Sohn des Georg
Zebli und der Elfriede, geb. Keul (Baiergasse 49).
Meine Damen und Herren,
mit diesem Treffen hier bei Ihnen in Schäßburg wagen wir gemeinsam
ein Experiment zwischen Gefühl und Vernunft, Erinnerung und Wirklichkeit,
Vergangenheit und Zukunft mit dem Ziel einer Partnerschaft.
Diese gegensätzlichen Kategorien machen das Risiko bewußt,
aber ich glaube, wenn wir dies in kleinen Schritten beginnen, kann der
Versuch gelingen. Kleine Schritte sind notwendig, denn Partnerschaft kann
nur auf gegenseitigem Vertrauen und Verständnis aufgebaut werden
und Vertrauen kann man nicht verordnen, Vertrauen steht am Ende gemeinsamen
Handelns. Dazu gab es schon im letzten Jahr positive Erfahrungen mit dem
gemeinsamen Projekt der Ehrung von Prof. Herrmann Oberth, lassen Sie uns
so weitermachen.
Wenn dieses Experiment eine Chance haben soll, dann müssen wir diese
Partnerschaft mit Leben erfüllen und dazu bitten wir alle Anwesenden
und Würdenträger sich Gedanken zu machen und mitzuarbeiten.
In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, daß anschließend
in der Aula der Bergschule ein Podiumsgespräch stattfindet zum Thema:
Vorstellung der HOG Schäßburg e.V., des DFDR Schäßburg,
des Presbyteriums der ev. Kirche und des Bergschulvereins: Ausloten der
Möglichkeit gemeinsamen Wirkens in der Zukunft. Dazu laden wir auch
die Bürgermeister und Stadträte herzlich ein.
Ich möchte dieser Veranstaltung nicht vorgreifen, Sie sollten aber
wissen, daß wir als Heimatortgemeinschaft Schäßburg in
der BRD die Aufgabe als Vermittler zu Schäßburg wahrmehmen
wollen und konkret, wo immer es uns möglich ist, zu helfen bereit
sind, soweit es unsere bescheidenen Möglichkeiten erlauben. Ich glaube,
wir befinden uns mit unseren bescheidenen Aktivitäten im richtigen
Fahrwasser.
Wir, und sicher auch Sie, verfolgen mit großer Aufmerksamkeit die
internationalen, besonders die gemeinsamen, Bemühungen von Deutschland
und Frankreich, Rumänien den Weg in die Europäische Gemeinschaft
zu ermöglichen. Für ein friedliches Zusammenleben brauchen wir
in Europa, dazu gehört auch Rumänien, Siebenbürgen und
auch Schäßburg, keine nationalistischen Hitzköpfe, sondern
überzeugte Demokraten.
In diesem Sinne lassen Sie uns gemeinsam wirken, in gegenseitigem Respekt
und Freundschaft.
Meine Damen und Herren, wir sind hier in unsere alte Heimatstadt "de
jure" als Touristen und Gäste (ich hoffe, wir brauchen niemanden
daran zu erinnern) aus allen Gegenden der Bundesrepublik und Österreichs
angereist. Mit unterschiedlichen Erinnerungen und Erwartungen haben wir
diese Reise angetreten, da wir ja auch zu sehr unterschiedlichen Zeiten
und unter unterschiedlichen Bedingungen (Krieg, Familienzusammenführung,
Ausreise) Schäßburg verlassen haben. Ab spätestens beim
Steilautürmchen, wo die majestätische Silhouette unserer alten
Heimatstadt auftauchte, waren wir wieder "Schäßburger",
wenn Sie mir diesen Ausdruck gestatten.
Zum Abschluß erlaube ich mir an die Rede unseres Bundespräsidenten,
Roman Herzog, zu erinnern, der gesagt hat: "Heimat kann man nicht
im Koffer mitnehmen". Dies ist so, dem möchte ich nur ergänzend
zufügen: Wir haben unsere Heimat im Herzen und im Kopf mitgenommen,
und wenn es uns gelingt eine Synthese von Gefühl und Verstand (Vernunft)
herzustellen, so kann man unserer alten Heimat und ihren Menschen die
zurückgeblieben sind, nur das Beste wünschen. Dazu gehören
innerer Friede, Toleranz und Gerechtigkeit, nur diese Randbedingungen
ermöglichen ein friedliches Zusammenleben und schöpferische
Arbeit. Dies wünschen wir allen Schäßburgern.
Erlauben Sie mir hier an dieser Stelle unsere Anerkennung der Leistung
der in Schäßburg verbliebenen Landsleute zum Ausdruck zu bringen,
die sich bemühen sächsische bzw. deutsche Tradition und Kultur
aufrecht zu erhalten. Nicht Marktwirtschaft steht am Anfang von Demokratie,
sie ist nur ein ökonomisches Instrument. Am Anfang stehen Freiheit
(auch die des Andersdenkenden), Toleranz, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde,
und die muß man täglich erhalten und erkämpfen, auch in
der Demokratie.
Wir wünschen Ihnen allen, liebe Schäßburger, viel Erfolg
und Glück bei der gemeinsamen Erhaltung und Gestaltung unserer alten
ehrwürdigen Heimatstadt Schäßburg.
Die Schäßburger Breite heute und in der Erinnerung
Beim ersten Schäßburger Treffen in Schäßburg stand
am dritten Tag (21. August) ein Ausflug auf die Breite und die Villa Franka
auf dem Plan.
Man sammelte sich vor dem "Forum" auf der Burg und wurde auf
Teilstrecken oder auch den ganzen Weg bis auf die Skopationsbreite gefahren.
Lang, lang ist's her, seit man hier, in den "Ka" genannten Laubhütten
gefeiert, Holzfleisch gegessen und sich bei sportlichen Spielen vergnügt
hatte. Genau 56 Jahre vergingen seit 1939, dem letzten Skopationsfest.
Ich persönlich bin bis 1947 oft und später nur noch selten auf
der Breite gewesen. 1961 oder 1962 war ich zum letzten Mal dort. Danach
ist die Breite von der Schäßburger LPG in die landwirtschaftliche
Nutzung genommen worden. Prof. Eckard Hügel stellte bald fest, daß
der Enzian durch die Schafbeweidung verschwunden sei. 1972 habe ich in
einem Artikel zu Naturschutzthemen im "Neuen Weg" auf die Gefahr
der Stickstoffdüngung und des Siloanbaus für die spezifische
Flora hingewiesen. Leider wurde Michael Krestel, der damalige Pflanzenschutzamtsleiter
dafür kritisiert, der wirklich nichts dafür konnte und außerdem
mit uns befreundet war. ? So war es eben damals.

Beim Ausflug im Jahre 1995 bei herrlichem Wetter konnte ich mich leider
beim besten Willen nicht mehr erinnern, was früher im August auf
diesem Teil der Breite blühte. Viele Frauen pflückten Schafgarbe,
die ja ein hervorragendes Heilkraut ist. Es schien mir, als wären
weniger Eichen und als fehlten die dicksten, jedoch kann es auch ein Irrtum
sein. Man war glücklich, wieder hier zu sein. Jemand sagte, die Breite
sei längere Zeit militärisches Sperrgebiet gewesen. Auch jetzt
fuhren Soldaten dort herum, kümmerten sich aber nicht um uns und
wir nicht um sie.
Unsere kleine Schar von Ausflüglern (ehemalige und Noch-Schäßburger),
teilte sich in drei Gruppen. Die meisten wollten zur Himmelswiese (auch
Brechtische Wiese genannt), einige gingen zur Rudolfshöhe, die aber
zugewachsen ist, und die ganz Unternehmungslustigen zog es in den "Großen
Garten". Ich wäre auch gerne hingegangen, bezweifelte jedoch
ob ich das noch schaffen könnte. Meine Schwester Rosl, die ja noch
in Schäßburg lebt, ging hin, um bei den Schäfern "urda"
zu kaufen, womit sie uns dann einen köstlichen Kuchen gebacken hat.
Ich war in der Gruppe, die zur Himmelwiese ging. Die Aussicht war etwas
diesig, der Wald aber erschien mir unverändert, als wäre ich
nie weg gewesen. Als Höhepunkt sah ich den Genuß eines Sommereisapfels
an, den mir ein älterer Schäßburger anbot.
Nachdem man sich satt gesehen, viel geknipst und auch gelacht hatte, ging
es wieder zurück auf das Plateau der Breite. Am Fuß einer Eiche
huschte eine kleine Eidechse entlang. Seit wann hatte ich keine Eidechse
mehr gesehen?!
Nun wurden wir zur "Hula" gefahren, wo ein Mittagessen "à
la carte" angesagt war. Wir entdeckten "mici" auf der Speisekarte:
3, 4, 5 Stück wurden jeweils von unseren Tischnachbarn bestellt.
Nur ich bestellte aus Angst, sie könnten nicht gut sein, nur zwei.
Schade, sie waren erstklassig, aber was soll's. Rosl, mein Mann und ich
fuhren dann nicht mehr mit zur Villa Franka, weil Rosl uns ihren Baumgarten
zeigen wollte. Von den Falläpfeln machte Rosl Saft und gab uns davon
mit auf die Reise.
Noch ein Tag "zur freien Verfügung", den ich mit meinem
Mann in Hermannstadt und Umgebung, wo er früher gelebt hat, verbrachte
und die schöne Zeit war zu Ende.
Trotz dicker Beine von der Reise wollen wir wieder fahren, evtl. mit Töchtern
und Schwiegersöhnen. Das Treffen war sehr schön, zuweilen auch
schmerzlich, aber man muß auch den Schmerz zuweilen zulassen.
Hedwig Deppner, geb. Capesius
Unsere Reise via Schäßburg - vom Rücksitz aus betrachtet
Wenn Werner eine Reise macht, dann kann er was erzählen...
Als Letzter der Reisegesellschaft auf deutschem Boden wartete ich auf
der Raststation Hochfelln (Bayern), wo ich zusteigen sollte. Das Warten
auf den Bus nahm kein Ende, zu meiner Überraschung tauchte aber plötzlich
Helmut Honigberger mit einem Taxi aus München auf. Er hatte in München
den Bus verpaßt, weil ihm in München aus einem Schließfach
das Reisegepäck und der Paß gestohlen wurde. Mit Hilfe der
Polizei fand er sein Reisegepäck wieder und versuchte nun die letzte
Station mit dem Taxi zu erreichen.
Da der Bus nach längerem Warten immer noch nicht kam, fragte der
Taxifahrer lachend, ob er den Helmut nicht wieder nach München mitnehmen
solle, diesmal wäre die Fahrt sogar gratis. Doch endlich tauchte
der Bus auf. Es gab ein großes Hallo. Verständlich, daß
von der Drabenderhöhe bis zu meinem Zustieg die "aussichtsreichsten
Vorderplätze" ? da ohne Platzkarten ?schon besetzt waren. Hinten
aber wartete eine freie Querbank auf mich, trefflich geeignet, alle Reiseteilnehmer
im Auge zu behalten und mich gegebenenfalls sogar auszustrecken. Unmittelbar
vor mir hatten sich an den beiden Tischchen die HOG?Vorstandsmitglieder
eingerichtet, um Akten und Gedanken wälzen zu können. Was es
doch so alles zu bereden gab!
Bis zur österreichischen Grenze war es nur noch ein Katzensprung.
Wir freuten uns alle auf das Schäßburger Treffen, mit der Einweihung
der Gedenktafel für die Toten des 2. Weltkrieges und der Rußlanddeportierten
in der Klosterkirche. Nachdem wir Salzburg links liegen ließen,
fuhren wir Richtung Wien, welches wir um Mitternacht erreichten. Die erste
Pause in der Nähe des Praters muß für einige belebend
gewirkt haben, denn plötzlich entbrannte eine rege Diskussion über
Hans Bergel und den Sachsenbischof, über Gott und die Welt, welche
so manchen Schlafwilligen um die verdiente Ruhe brachte, da die meisten
schon fast 18 Stunden im Bus saßen. Am meisten mußte sich
unser lieber Günther Czernetzky zur Wehr setzen. Unser Vorsitzender,
Heinz Brandsch, sowie Stellvertreter Walter Lingner beteiligten sich dabei
mit einigen gekonnten Bemerkungen, die eigentlich der Pfeffer in de Tokana
waren. Nach Wien übermannte jedoch so manchen der Schlaf und so waren
wir plötzlich mitten in Ungarn hinter Budapest, auf einem Rastplatz
mit Czarda. Hier konnte man sich frisch machen, eine rauchen, einen Kaffee
trinken oder aber eine Gulaschsuppe nach ungarischer Art essen.
Nun, nachdem die meisten wach waren, konnte man sich selbst überzeugen,
warum die Ungarn zur Zeit des Eisernen Vorhangs als Gulaschsozialisten
beschimpft oder bewundert wurden. Die sauberen Felder und Anlagen, die
guten Straßen sprechen dafür, daß hier Menschen waren
und sind, die vernünftig und vorausschauend Landwirtschaft und Straßenbau
fördern. Der bescheidene Wohlstand beweist es, Ungarn steht Europa
näher als jedes andere Ostblockland.
Nun rollten wir unweigerlich auf die ungarisch-rumänische Grenze
zu. Gegen Mittag hatten wir auch diese Etappe geschafft, trotz Skepsis
und langen Autoschlagen. Ohne Schikanen, ja sogar höflich von den
rumänischen Zollbeamten und Grenzern behandelt. Erst nach der Grenze
kam der erste Stopp, weil ein türkischer Laster einfach so quer stand,
daß keiner vorbeikonnte. Einige im Bus meinten, die Moslems hätten
sich nach Mekka verneigt. "Oh du einiges Europa du!" Ohne Scherz,
man merkte jedoch, daß wir dem Orient merklich näher kamen.
Langsamer wurde das Fahren durch Banat und Südwest-Siebenbürgen,
holprig, staubiger und eine Menge "Stop and Goes" auf der Straße.
Ob Ihr es nun glaubt oder nicht, es tut sich einiges in Rumänien,
das den meisten Pkw-Fahrern nicht auffällt. Es wird wieder gearbeitet
an Straßen, auf dem Feld oder an den Häusern. Bescheidene Erfolge
sieht man auf Schritt und Tritt. Die Märkte sind wieder voll, genau
wie bei uns. Es gibt Tomaten, Paprika und Gurken, ja sogar Bohnenkraut,
Dill und der gute Käse fehlen nicht. Genug der Lobhudelei, noch sind
die alten Wunden überall sichtbar, Gebäude und verstaubte Fahrbahnen,
einzig die neuen rumänischen Kirchen stechen ins Auge, als wollten
sie sagen, hier sind wir die neuen Herren. Das Alte gilt nicht mehr.
Je später sich der Nachmittag neigte, umso gewisser wurde es uns
allen, daß wir nicht um 19.30 Uhr in Schäßburg sein werden.
Der Aufenthalt in Hermannstadt zog sich hin und als wir dann weiterfuhren,
erlebten wir Kopisch nach dem Ende der Kohleperiode (die stillgelegte
Rußfabrik). Langsam sieht es auch hier ein wenig grüner aus.
Im Vorbeifahren sahen wir in Mediasch das Haus unseres berühmten
Raketen-Oberth und seine Rakete davor, die dringend einen Anstrich bräuchte.
Es ging nun ein bißchen zügiger voran, eingeholt hatte uns
der Abend.
In Dunnesdorf brannten schon die Lichter in den Häusern und von der
Steilau sah man Altschäßburg nur noch schemenhaft. Aber die
Fahrt näherte sich dem Ende zu. Durch die "Cornesti" und
vorbei an der ehemaligen Lingnerischen Mühle, näherten wir uns
durch die Mühlgasse dem Hotel Stern. Der Menschenauflauf um 21.30
Uhr galt allein uns, dennoch fragten sich viele, ob das alle von unseren
Schäßburger Landsleuten übrig sind? Am Samstag und Sonntag
wurden wir eines besseren belehrt. Die Stadt gab sich Mühe, dank
unserem Forum und der Kirche, die Sachsen nicht einfach von der Bildfläche
verschwinden zu lassen. Leider steht es dem alten Stadtbild schlecht zu
Gesicht, wenn man da die vielen Rotbekittelten mit buntem Tuch und Quersack
sieht, die vielen Kneipen rund um den Hermann-Oberh-Platz und die vielen
braunen Gesichter und Hände, die vor nichts zurückschrecken,
um an die DM heranzukommen.
Der Neuanfang ist geschafft. Wir wünschen auch weiterhin unseren
früheren rumänischen Nachbarn und Bekannten ein gutes Gelingen,
Geduld, und die nötige Toleranz den anderen und dem Forum gegenüber.
Der Kirche wünschen wir ein Weiterbestehen, bis auch der letzte Sachse
geht, oder in der Heimaterde ruht.
Die Rückfahrt erfolgte auf der gleichen Route und den gleichen Plätzen.
Wer aber glaubte, der Vorstand habe auf der Hinfahrt bereits alle Klarheiten
beseitigt, irrte sich. Der Austausch von Informationen, Eindrücken
und Erfahrungen war nur ein Teil der Gespräche. Es dominierte die
Frage, wie man über einen gesonderten "Wirtschaftsförderverein"
(WFV) die vorhandenen positiven Ansätze in Schäßburg unterstützen
könne. Ein strittiges Problem! Wir werden sicher eines Tages erfahren,
zu welchen weittragenden Empfehlungen man gelangte.
Erster Stopp auf der Heimfahrt war der Hermannstädter Wochenmarkt.
Jeder deckte sich mit Früchten des Landes und heimatlichen Produkten
ein. Angenehm dann auch, daß es an der rumänischen Grenze zwischen
Reiseleitung, Grenzern und Zöllnern wieder ein so gutes Einvernehmen
gab ... wenn Sie wissen, was ich meine.
Bei nächtlicher Stunde wartete dann in einer Czarda unter Bäumen
noch ein treffliches Abendbrot ungarischer Art à la carte auf uns
und im Morgengrauen an der österreichischen Grenze ein Einkaufsstopp
an den endlosen Straßenverkaufsständen für ein letztes
Mitbringsel. Walter Lingner dankte dem Reiseunternehmen Schinker, der
selbst mit an Bord war, für die gelungene Fahrt nach Schäßburg
und überreichte ihm im Namen der Reisegesellschaft ein Großfoto
seiner Heimatgemeinde Wurmloch.
Uns übermittelte er den Gruß des Schäßburger Kurators,
A. Christiani, den er uns in Versform auf den Heimweg mitgegeben hatte:
"Schäßburg ? Sachsentreffen ? A. D. 1995"
Wenn Du jetzt in der Ferne bist,
Und deine Heimat schon vermißt,
Dann denke an die Jugendzeit,
Wo Du als Kind Dich hast gefreut.
In Schäßburg hast Du gespielt und gesungen,
Da haben die Glocken vom Berge geklungen,
Warst Du nicht glücklich und zufrieden,
In Deiner Heimat bei Deinen Lieben?
Hier war Deine Heimat, Dein Elternhaus,
Was trieb Dich in die Welt hinaus,
Wann wirst Du Schäßburg wiedersehen,
Sollen wieder Jahre vergehen?
Denke daran!
Hier stehen die Gräber Deiner Ahnen,
Welche Dich an die Heimat mahnen,
Deine Heimat ist das Schönste auf Erden,
Doch lasse sie nicht zur Fremde werden!
Andreas (Butzi) Christiani, Schäßburg
Deutscher Boden, du hast mich wieder! An mir bewahrheitete sich der Satz
"Die Letzten werden die Ersten sein" ... beim Aussteigen. Gute
Fahrt weiterhin auch den Ersten von der Drabenderhöhe, die jetzt
die Letzten sein werden. Über sie auch einen schönen Gruß
aus Schäßburg an unsere ältesten Landsleute im dortigen
Altenheim.
Diese Reise war für mich ein einmaliges Erlebnis mit Höhen und
Tiefen. Vielen Dank den Organisatoren, die keine Mühe gescheut haben,
diese Reise zu ermöglichen.
Ihr Werner Plontsch
Schäßburg heute und morgen
Tatsachen und Überlegungen im und zum Podiumsgespräch
Von Hannelore Baier
"Sollen wir weitermachen, erhalten, was zu erhalten ist, oder aufgeben
und zusperren?", fragte Prof. Hermann Baier als Moderator des Podiumsgesprächs
zum Thema "Schäßburg heute", das im Rahmen des Schäßburger
Treffens am Samstagvormittag in der Aula der Bergschule stattfand. Am
Podium saßen Prof. Dr. Heinz Brandsch, der Vorsitzende der HOG Schäßburg,
Dr. Christoph Machat, Vorsitzender des siebenbürgisch-sächsischen
Kulturrats in Deutschland und Ehrenbürger der Stadt Schäßburg,
und Günter Czernetzky, Vorsitzender des Bergschulvereins in Deutschland/Österreich,
als Vertreter der nicht mehr in Schäßburg lebenden, aber um
ihre Heimatstadt bemühten Schäßburger, sowie Reinhold
Aescht, Vorsitzender des DFDR Schäßburg, Andreas Christiani,
Kurator der evangelischen Kirchengemeinde, Dr. Ovidu Capatina, Vizebürgermeister
und Vorsitzender des Bergschulvereins in Schäßburg, Hermann
Baier, auch als Direktor der Bergschule.


Zum eigentlichen Gespräch über das Heute und Morgen kam es in
dieser offiziellen Runde nicht, vielmehr wurden die vom Podium aus gemachten
Statements durch Wortmeldungen aus dem Publikum ergänzt. Das Fazit
sowohl von Seiten der in der Stadt lebenden als auch der angereisten Schäßburger
jedoch war eindeutig. Wir dürfen nicht aufgeben bzw. es wird weitergehen.
In vielen Gesprächen im Laufe der vier Tage, die die aus Deutschland
und Österreich angereisten Schäßburger in ihrer Heimatstadt
verbrachten, sind unzählige Möglichkeiten des Weitermachens
bzw. Unterstützens und Miteinanders besprochen worden. Jedoch: Zu
Schäßburger Treffen waren nur jene der in Deutschland lebenden
Ex-Siebenbürger gekommen, die den Hiergebliebenen und Hierbleibern
sowie ihrem Tun und Wirken gegenüber positiv eingestellt sind, und
das ist eine Minderheit. Die Mehrzahl von ihnen fällt es allerdings
genau so schwer wie den meisten in Schäßburg 1ebenden Sachsen,
die heutige Situation, die Veränderungen und den Wandel ihrer Gemeinschaft
zu akzeptieren und anzunehmen, statt die Vergangenheit als Maßstab
zu benutzen.
Was bedeutet Schäßburg heute? Für die deutsch-sächsische
Gemeinschaft, daß es 614 evangelische und 25 anderskonfessionelle
Mitglieder gibt, wie Kurator Andreas Christiani berichtete. Heuer wurden
bislang drei Kinder getauft und vier konfirmiert, jedoch zwölf Personen
beerdigt.
Die acht getrauten Paare kamen aus Deutschland oder waren nicht mehr "nur
evangelisch". Bei den zweimal im Jahr zusammen mit dem Frauenkreis
des Forums veranstalteten Seniorentreffen beteiligen sich zwischen 60
und 80 über 70jährige. Die Beerdigungskosten werden etwa zur
Hälfte von der HOG Schäßburg getragen. Seit September
1994 hat Schäßburg keinen Stadtpfarrer mehr und dennoch findet
jeden Sonntag zur gewohnten Stunde der Gottesdienst statt. Es gibt den
von Theo Halmen geleiteten Kirchenchor. Mit Unterstützung des Diakonischen
Werkes Bremen ist ein Pflegenest eingerichtet worden und 25 bis 30 ältere
Leute bekommen das Essen von der Küche auf Rädern nach Hause
geliefert.
Schäßburg heute bedeutet sodann, daß die Bergschule die
einzige Schule in der Umgebung ist, in der noch in deutscher Sprache unterrichtet
wird. Die deutschen Klassen I?XII besuchen derzeit 439 Kinder, von denen
63 Prozent Rumänen und Ungarn sind, 29 Prozent noch einen deutschen
Elternteil haben und acht Prozent aus sächsischen Familien stammen,
berichtete Direktor Hermann Baier. Solange es gute Lehrer gibt, wird die
Schule weiter bestehen, fügte er jedoch hinzu. Ab Herbst werden dies
drei Gastlehrer aus Deutschland sein. Darüber hinaus ist es ? ebenfalls
dank Unterstützung aus Deutschland gelungen, dem Festsaal die Gestaltung
von 1948 fast vollständig wiederzugeben, das Bergschultürmchen
zu renovieren und den Turmknopf aufzusetzen und die Gesamtausstattung
zu erneuern. Der Bergschulverein in Deutschland wiederum hat sich verpflichtet,
die Einführung der Kanalisation voranzutreiben.
Zum Schäßburg von heute gehört sodann die Gegenwart der
Messerschmitt-Stiftung, die Dr. Christoph Machat dafür begeistert
hat, die Gesamtfinanzierung der Restaurationsarbeiten an der Bergkirche
und (hoffentlich) auch weiterer Projekte zu übernehmen. Er tat dies
als Denkmalschützer und Kunsthistoriker, sagte in seiner Funktion
des siebenbürgisch-sächsischen Kulturratsvorsitzenden jedoch
dazu: "Es geht um unser Erbe und wir sind verpflichtet, dafür
etwas zu tun."
Heute werden die in Deutschland lebenden Schäßburger umworben,
wofür nicht bloß der herzliche Empfang im Bürgermeisteramt
steht, sondern auch die Sonderausgabe der Lokalzeitung "Glasul cetatii"
zum Schäßburger Treffen. Das liegt wohl an den Schäßburgern,
die ihre Heimat im Herzen und im Kopf bewahren, doch auch für ihre
Gegenwart und Zukunft etwas übrig haben. Erfolgreich abgeschlossene
Zusammenarbeiten mit den derzeitigen Behörden, wie jene zur Aufstellung
der Hermann-Oberth-Büste und Einrichtung einer Oberth-Ausstellung
im Museum, machen Mut. Beide Bürgermeister sind Mitglieder des Schäßburger
Bergschulvereins, wobei der stellvertretende Bürgermeister, Dr. Ovidiu
Capatina gar dessen Vorsitzender ist. Lobby für die sächsische
Bevölkerung gibt es im Stadtrat auch durch Dr. Horlescu sowie Notar
Leon Pop.
Es liegt wohl am Eigenwertgefühl der Siebenbürger Sachsen, wenn
viele der in Deutschland Lebenden von der Eigendynamik des hiesigen Geschehens
und der Tatsache, daß es immer noch Leute gibt, die sich dafür
einsetzen, ein Gemeinschaftsleben aufrechtzuerhalten, überrascht
sind. Der Traditionskampf wiederum macht es - Ausgewanderten wie Hiesigen
- schwer, sich auf das Erhalten des Bewahrenswerten zu konzentrieren statt
dem Verlorenen nachzutrauern. Somit fällt es schwer anzunehmen, daß
frühere Ausnahmen heute zur Regel geworden sind, nämlich, daß
junge Leute unterschiedlicher Nationalität und Konfession heiraten,
was in Europa nicht anders ist. Fast unmöglich aber scheint es sich
eine Zukunft vorzustellen, wie sie Pfarrer Johannes Halmen angedeutet
hat (und die bei genauer Betrachtung eigentlich schon Gegenwart ist):
Daß Schäßburg außer Zentrumsforum und Zentrumsschule
auch "Zentrumsgemeinde" wird, die in den umliegenden Dörfern
lebenden Sachsen (und nicht nur) auch in einer "Zentrumskirche"
aufzunehmen und in der Gemeinschaft auch anderskonfessionelle und -nationale
Personen zu akzeptieren, ohne daß die ihre Lebensart aufgeben müssen.
Rückblick zum Treffen in Schäßburg
Über das Ereignis des Jahres 1995 - das Schäßburger Heimattreffen
in Schäßburg ? ist im rumänischen Fernsehen deutscher
Sprache und in der dortigen wie hiesigen Tagespresse mehrfach berichtet
worden. Beneidenswert die journalistische Fähigkeit, seine Eindrücke
der Redaktion noch am gleichen Abend (neudeutsch) "durchzufaxen".
Da diese Berichte aber nicht alle Landsleute erreichten, obliegt es uns,
den Reigen der Berichterstatter hier aus anderem Blickwinkel zu beschließen.
Wie einfach es doch (manchmal) ist, die Schäßburger zusammenzurufen!
Der Aufruf des damaligen Forumvorsitzenden, Ch. Elges, in Heilbronn (1994)
"Kutt ke Schesprich!" hatte Folgen ... auch für ihn. Von
seinen ersten Amtspflichten befreit, lastete ein Großteil der Organisationsarbeit
vor Ort auf seinen Schultern.
Erfreulich aber war es mitzuerleben, wie weltliche und kirchliche Institutionen
arbeitsteilig zusammenwirken können, wenn es ... der Schäßburger
würde sagen "äm de Wurscht gieht".
Im HOG-Vorstand war die inhaltliche und organisatorische Abstimmung eine
interne Angelegenheit, hier aber mußten Forum, Bürgermeisteramt,
Presbyterium und Bergschulverein, dann aber auch Künstler und Handwerker
zu einem ebensolchen "Unisono" zusammenfinden wie ? klanglich
und optisch ? die vereinten Chöre und selbst die Burgspatzen. Da
auch die landeskirchliche Ordnung beachtet und selbst inhaltliche Aussagen
abgestimmt wurden, war ?so Gott will ? ein Maximum an Gleichklang angesagt.
Zudem mußten drei gastronomische Einrichtungen (Stem, Hula Danesch,
Villa Franka) ihr heimatliches Angebot vorbereiten und geschmackvoll präsentieren.
Wenn im Vorbereitungszeitraum von einem Jahr die Post oft zu langsam war
und die Telefone schon heiß gelaufen waren, mußten gelegentlich
"Schinkers Reisen" die Rolle eines Postboten übernehmen.
Allen Unkenrufen zum Trotz waren sie gekommen, die Schäßburger
aus Deutschland und Österreich, zum ersten Treffen in Schäßburg.
113 "Ausländer" waren es, die die Türe zum Großen
Saal im Hotel "Stern" passierten, als es am Samstag, dem 19.
August, hieß: "Gemütliches Beisammensein", mit weiteren,
über 200 "Einheimischen". Das war schön! Es war super,
in einem "ausgebuchten" Saal mit frohen und mitteilungsbedürftigen
Menschen zusammensitzen zu können.
Bis es aber so weit war, hatten wir, die HOG Schäßburg e.V.
aus Deutschland, als Mitveranstalter aus der Ferne, noch einiges zu erledigen.
Da mußten die Einladungen zum Treffen abgefaßt und hinausgeschickt
werden, was nur erst geschehen konnte, nachdem uns das Demokratische Forum
der Deutschen in Schäßburg das Programm für das Treffen
mit etwas Verspätung zugestellt hatte. Dann ließ sich der Verlag,
der die Nr. 3 der "Schäßburger Nachrichten" sowie
die Anmeldekarten für das Treffen drucken sollte, mit der Herausgabe
der Zeitung eine Menge Zeit. Die Folge, die Ostergrüße auf
der letzten Seite der Zeitung erreichten die Leser erst nach den Feiertagen.
Zu allem Überfluß benötigte dann auch noch die Post, in
einigen Fällen, bis zu zehn Tagen, um das Blatt den Adressaten zuzustellen.
Dann aber kamen die Anmeldungen per Karte, für insgesamt 84 Personen.
Sechs von diesen meldeten sich kurzfristig wieder ab. Die meisten der
78 Verbliebenen fuhren mit dem eigenen Pkw hinunter. 30 Personen wählten
den Bus. Weitere 35 Schäßburger aus dem "Ausland"
begehrten vor Ort Einlaß in den "Stern". Das waren demnach
etwa 330 Schäßburger, die den altehrwürdigen "Goldenen
Stern" an diesem denkwürdigen Samstagabend bevölkerten.
Von den Gästen haben die meisten bei Freunden, Verwandten oder Bekannten,
einige wenige im Hotel Quartier bezogen.
Zum Auftakt unseres Treffens gab es einen Empfang beim Stadtoberhaupt,
Bürgermeister C. Stefanescu im repräsentativen Plenarsaal, der
"Präfektur", den viele von uns noch nie gesehen hatten,
obwohl er noch aus der Zeit unserer sächsischen Bürgermeister
stammt. Ein "Herzliches Willkommen" war durch eine Sondernummer
des "Glasul cetatii" zweisprachig vorbereitet und bestimmte
auch die Begrüßungsansprache. Es gehört zu seinen Pflichten,
aus solchem Anlaß auch Aufgaben und Probleme seiner Stadt darzustellen
und für die Unterstützung bei Wert erhaltenden Maßnahmen
zu werben. Wir fühlten uns angesprochen, da uns nicht weniger am
Herzen liegt.
In seiner Erwiderung in unübertrefflichem Rumänisch dankte der
stellv. HOG-Vorsitzende, R. Zebli, für den warmen Empfang und gab
der Hoffnung Ausdruck, daß es uns gemeinsam gelingen möge,
ein vereintes Europa zu gestalten, in dem auch Schäßburg einen
würdigen Platz findet. Als er seine Erwiderung jedoch in deutscher
Sprache wiederholen wollte, bekundeten die Zuhörer (bei überfülltem
Saal!), daß sie der rumänischen Sprache noch mächtig sind.
Wir lassen seine Rede dennoch in deutschem Wortlaut folgen. "Präsente"
hatten wir selbstverständlich auch mitgebracht.
Der anschließende Weg zur Bergschule war terminlich wohl zu knapp
bemessen, da mancher bundesdeutsche Schäßburger zu der Erkenntnis
kommen mußte, daß er das Bergesteigen nicht mehr gewohnt war.
Dennoch war die Aula zum "Podiumsgespräch des Bergschulvereins"
voll besetzt. Unter Vorsitz des Hausherrn, Direktor H. Baier, standen
nach Vorstellung zur Beantwortung von Anfragen zur Verfügung die
Herren Machat, Brandsch, Christiani, Czernetzky, Aescht, Dr. Capatina,
Schneider.
Der Vizebürgermeister und Vorsitzende des Bergschulvereins, Dr. med.
0. Capatina, hielt seine Ansprache in Deutsch, gleichsam als freundliche
Gegenleistung für unsere Bemühungen beim Bürgermeister.
Die Teilnehmer konnten sich vom Fortgang der Restaurierungsarbeiten in
der Aula und am Türmchen überzeugen, wurden aber auch mit den
noch erforderlichen Maßnahmen konfrontiert. Die Gerüste um
die Bergkirche wurden ebenfalls mit Befriedigung in Augenschein genommen.
Und schon wieder drängte das minutiöse Programm:
Im Stern wartete das Forum auf seinen "Part", unterstützt
durch den Küchenchef, der ungewohnte marktwirtschaftliche Verpflichtungen
eingegangen war. Unwissende fanden nach Rückfrage bestätigt,
daß im umfunktionierten Kinosaal für über 300 Personen
eingedeckt war, in dem uns einst als Schüler unser jüdischer
Mitbürger , Herr Blau (Hüllgasse), die Eintrittskarten "entwertete",
wenn wir auch einmal ins Kino gehen durften.
Begrüßt wurden alle Anwesenden dieses Mal durch den Forumvorsitzenden
R. Aescht. Hier war auch der Zeitpunkt für das Auftreten der "Burgspatzen"
unter Leitung von "Wulle-Tante" gekommen. Lieder und Gedichte
in Deutsch und Sächsisch ... die Tränendrüsen wurden strapaziert.
Der stellv. HOG-Vorsitzende, W. Lingner, überreichte ein gemeinsames
Maskottchen und versprach, die persönlichen "Mitbringsel"
durch Wulle-Tante selbst einpacken zu lassen. Aus der Situation heraus
verzichtete er auf seine geplante Rede. Klug, aber doch eigentlich schade,
es gab aber wirklich viel zu erzählen und tanzen wollte man auch.
Sonntag. Kirchgang war angesagt. In Hermannstadt war Hochwürden persönlich
konsultiert worden, unser "Gast-Stadtpfarrer" aus Gummersbach,
Pfarrer i. R. K. Georg, hatte sich beraten lassen und konnte somit auch
uns bei unserem Vorhaben trefflich zur Seite stehen.
Der Gottesdienst verlief in überfüllter Klosterkirche nach alter
Väter Sitte, was uns unschwer wieder vereinte. Dann aber war der
Augenblick gekommen, die von Wilhelm Fabini entworfene Gedenktafel der
Gefallenen und in der Deportation Verstorbenen zu enthüllen. 280
Namen waren vom Steinmetz Helmut Polder in Stein gehauen worden. Die Enthüllung
oblag dem Kirchenkurator A. Christiani, dazu erklang vom Berg da droben
die Glocke unserer Bergkirche. Die Ansprache war dem HOG-Vorsitzenden,
Heinz Brandsch, vorbehalten. Unterstützt wurde er vom Theologiestudenten
D. Zikeli, der zwei Gedichte von Heinz Brandsch sen. aus dem ersten Weltkrieg
vortrug, womit gleichsam die Verbindung zwischen den Gedenktafeln beider
Weltkriege hergestellt wurde. Wie letztmalig 1947 auf dem Heldenfriedhof
erklang erneut das Trompetensolo "Ich hatt' einen Kameraden".
Unvergeßlich bleiben werden Kranzniederlegungen und Ehrenwache von
drei jungen Trachtenpaaren sowie das Defilee des festlich gekleideten
Chores, dem sich die ganze Gemeinde anschloß.
Für eine weltliche Fortsetzung des Gottesdienstes öffnete der
Herr Pfarrer die geheimnisvolle Tür zum "Schinzken", wo
sich Chor und Besucher zu fröhlichem Liedersingen zusammenfanden,
auch wenn es bei Mitsängern manchmal am Text haperte ... dann summte
man eben einfach mit.
Der Tag hatte mit dem Gottesdienst in der Klosterkirche begonnen und endete
an gleicher Stelle mit einer Chor- und Orgelvesper, gestaltet von Organist
Th. Halmen und Direktor H. Baier. Der beigefügte Programmzettel belegt
das hohe Niveau der immer noch sangesfreudigen Schäßburger.
Spätestens nach zwei Tagen eiserner Disziplin braucht ein Schäßburger
dann aber doch wieder seine Freiräume. Die immer noch einmalige Umgebung
bot dazu ausgedehnte Gelegenheit. Breite und Villa Franka standen auf
dem Programm. Aber schon beim Aufstieg zur Breite trennten sich die Wege,
jeder schien damit andere "Jugenderinnerungen" auffrischen zu
wollen. Und dann erst die Suche nach der Rudolfshöhe mit der Lönseiche,
oder die unterschiedliche Erinnerung über die Entfernung zum Großen
Garten. Ein Glück, daß man heutzutage Breite und Villa mit
dem Auto erreichen kann. So war wenigstens gesichert, daß wir zum
Mittagessen auf der Hula bzw. zu Kaffee und Abendbrot auf der Villa von
Kraftfahrern wieder eingesammelt wurden.
Drei Tage Schäßburg gingen zu Ende, am nächsten Morgen
galt es, tränenreichen Abschied zu nehmen.
Da bei den Veranstaltern des Treffens unseres Wissens keine Beschwerden
eingegangen sind, meinen wir, war die Veranstaltung in Schäßburg
gleich beim ersten Mal einfach Spitze! Ein nochmaliges Dankeschön
auch an dieser Stelle den Organisatoren, deren Helfern, den Gastgebern
? und der Stadt.
Wir sind das nächste Mal voraussichtlich bei der Einweihung der renovierten
Bergkirche wieder dabei!
Der HOG-Vorstand

Letztes Update:
2004-07-16
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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