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„Ich und der Herr Direktor haben beschlossen...“Lebensbild des Schuldieners Josef Konst
In einer kinderreichen Weberfamilie wurde Josef Konst am 13. Juli 1869 in Schäßburg geboren. Er ging in seiner Heimatstadt sieben Jahre in die Volksschule; schon als Kind konnte er schön zeichnen und hat gerne genäht. Ein Kürschner hat seine Fertigkeiten entdeckt und ihn in die Lehre genommen. Das Kürschnerhandwerk hat er als Hauptberuf nur kurze Zeit ausgeübt, blieb ihm jedoch ein Leben lang treu, in den Schulferien und in der Rente hat er sich seinem ursprünglichen Beruf gewidmet und unter anderem Jacken für Frauen und Mädchen, Kirchenröcke aus Pelz, Gürtel für Trachten, aber auch Kissenbezüge und Handschuhe gefertigt. Bei welchem Meister er das Kürschnerhandwerk erlernt hat und warum er es aufgegeben hat, war (bisher) leider nicht zu ermitteln, letzteres vielleicht, weil er mit diesem Beruf keine Familie ernähren konnte. Im Juni 1897 hatte er Josefine Katharina Siegmund geheiratet; sie lebten bis zu ihrem Tod 40 Jahre zusammen und hatten sechs Kinder. Ein gutes Jahr nach der Eheschließung tritt Josef Konst das Amt des Schuldieners an der Schäßburger Bergschule an, welches er vier Jahrzehnte innehaben sollte. Er hat diesen Dienst in vorbildlicher Gewissenhaftigkeit ausgeführt und darin volle Befriedigung gefunden. Er lebte mit der Schule und mit ihren Schülern. Kurt Leonhardt, ein ehemaliger Schüler, erinnert sich: „Auch heute (1991, uk) noch stelle ich immer wieder fest, daß alle Veteranen dieser einmaligen Lehranstalt aus der Zeit ihres Urgroßvaters, die beeindruckende Persönlichkeit ihres einstigen Schuldieners nicht vergessen haben und ihn im Gespräch gleich mit dem jeweiligen Direktor der Anstalt erwähnen ... Josef Konst gehörte, nicht nur in unserer Erinnerung, sozusagen dem Lehrkörper der Bergschule, wie etwa der Turnlehrer oder Musiklehrer. Josef Konst war ein kleiner, aber äußerst energischer Mann, stadtbekannt und von der großen Schar der Schüler (acht Klassen) respektiert und geachtet. Er war ein idealer Schuldiener mit viel Humor und Verständnis für die Sorgen und auch den Übermut der jungen Menschen. Zu den Pflichten des Schuldieners gehörten damals die Reinigung der Schulklassen und der weitläufigen Umgebung der Schule, das Läuten der Schulglocke bei Beginn und Ende der Zwischenpausen, die vielen Botengänge für die Direktion der Schule und das Professoren-Kollegium, um nur einige Pflichten aufzuzählen. Ich kann mir gut vorstellen, daß Herr Konst, oft auch täglich dreimal, die 173 Stufen der gedeckten Schülertreppe rauf und runter gehen mußte. In der kalten Jahreszeit bedeutete die Beheizung des Schulgebäudes eine große Arbeitsleistung für den Schuldiener. Vor der Einführung des Erdgases in Schäßburg befanden sich in allen Räumen des Gymnasiums gußeiserne Öfen für Holzheizung. Die Beheizung erfolgte aus den Korridoren des Gebäudes, in welchen neben jeder Heiztüre eine große Kiste mit gespaltenem Brennholz stand. Den täglich notwendigen Transport des Heizmaterials schaffte Ihr Urgroßvater mit Hilfe eines Tagelöhners. Zum Nachfeuern der Öfen mit Holzscheiten wurden ich und mein Bruder Fritz schon als Untergymnasiast von Ihrem Urgroßvater angelernt, es war dies für uns Jungen ein großer Vertrauensbeweis und ein großer Spaß. Josef Konst hatte übrigens den ersten bescheidenen Verkaufsstand für Weißgebäck im Treppenhaus der Schule eingerichtet. Hier verkaufte, meistens seine Frau, in den Zwischenpausen Kipfel, Semmel und Brezen an die Schüler. Um es kurz zu sagen, Konst war das Totum factum der Bergschule, zeit seines Lebens.“ Egon Machat schildert Josef Konst und seine Tätigkeit folgendermaßen: „In seiner immer freundlichen, ruhigen, von schalkhaftem Lächeln begleiteten Art zu sprechen, hat er sich unsere Sympathie wie von selbst erobert. Jeder hatte ihn gern, zumal er als wichtiger Faktor im Schulleben erkannt und anerkannt wurde. ...er machte mit einer Mappe unter dem linken Arm die Post- und Botendienste der Direktion gab uns mit vorgehaltener Hand gute Ratschläge in unserem Verhalten den Professoren gegenüber, wie wir überhaupt den Eindruck hatten, daß er in allen Sachen und Problemen auf unserer Sei stand. . Unvergeßlich blieb uns allen der Schulabschluss, wenn unser Gyala für jeden Absolventen vor dem Gymnasium einen Böllerschuß losfeuerte, der weit über die Kokelberge hinaus tönte. Am Abend des gleichen Tages, wenn sich die Abiturienten nach dem Fackelumzug auf dem Marktplatz, Arm in Arm mit den Mädchen, im Kreis aufstellten und ‘Nun ade, du kleine Gasse‘ sangen, so beleuchtete Gyala das Gymnasium ‘bengalisch‘ (d. h. in wechselnden Farben) und winkte mit einem großen weißen Tuch als Zeichen des Abschieds.“ „Gyala“ war der Spitzname, der Josef Konst über Jahrzehn hinweg begleitete. Angeblich von „gyalu“, der ungarischen Bezeichnung für „Hobel“ hergeleitet, soll er auf den feinen Schliff dieses Menschen hinweisen. Legenden ranken sich auch um den Ausspruch „Ech und der Herr Direktor, mir hun beschlossen,...“ Manche behaupten, diese Formulierung aus dem Munde von Josef Konst gehört zu haben, andere ziehen dies in Zweifel. Wiederum andere erzählen, daß Josef Konst sich geärgert, ja sogar aufgeregt hat, wenn auf diesen Spruch die Rede kam, da er ihn nie verwendet hat. Ob wahr oder nicht wahr, der Ausspruch machte als geflügeltes Wort die Runde. Ebenso wie folgende Anekdote: Bei einem Besuch des rumänischen Königs Karl II. sagte Gyala, der den König in die Bergkirche führte: „Ihre Frau Mutter ist auch schon da gewesen.“ Seine treuherzige Art, mit dem König zu reden, hat aber keine üblen Folgen gehabt. Die Erinnerungen von Richard Albert ergänzen das Bild: „Ich
kann mich nicht erinnern, daß unsere Klasse – die gewiß
keine der frömmsten war – ihm jemals einen bösen Streich
gespielt oder ihm etwa frech und unverschämt begegnet wäre,
und so war es auch bei den übrigen Klassen des Gymnasiums. Er war
also gewissermaßen auch eine Respektsperson, was absolut nicht selbstverständlich
war, wenn ich an die schlimmen Streiche denke, die wir manchem Lehrer
gegenüber wagten. ... In meiner Gymnasialzeit (1920/21 bis 1927/28,
uk) mag Josef Konst etwa in den fünfziger Jahren gestanden haben,
ein rüstiger Mann von eher kleinem Wuchs mit einem leicht angegrauten
blonden Schnurrbart. Er hatte Sinn für Humor, war sich dabei aber
der Wichtigkeit seines Amtes bewußt, wenn es z.B. in den Pausen
(‘Viertelstunden‘ genannt) nötig war, zwei Kampfhähne
zu trennen oder sonstigen Übermut zu zügeln. Der Autor dieses Berichts und Urenkel des Schuldieners ist sehr daran
interessiert, mehr über das Leben von Josef Konst zu erfahren. Er
ist daher sehr dankbar für Erinnerungen an Leben und Wirken, Fotos
und Unterlagen, die Sie bitte an folgende Anschrift schicken wollen: Uwe
Konst, Fritz-Kohl-Straße 13, 55122 Mainz. Die umgehende Rücksendung
wird, sofern gewünscht, zugesichert. Gerne würde er beispielsweise
erfaihren, ob es noch von Josef Konst hergestellte Kürschnerarbeiten
gibt (entweder im Original oder auf Fotografien). Unbestätigten Informationen
zufolge soll es eine Büste von Josef Konst geben. Wer weiß
Näheres dazu oder hat ein Foto dieser Büste? Wer war bei seiner
Beerdigung anwesend und kann etwas darüber berichten?
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