HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Nachruf für Gertrud Olah-Schuller

Wie wir schon der Siebenbürgischen Zeitung entnehmen konnten, verstarb am 28. November 1995 in der alten Heimat die von den Schäßburger Bürgern und Bürgerinnen so geschätzte Floristin Gertrud Olah-Schuller – in ihrem großen Bekanntenkreis unter „Olah Gerti“ wohlbekannt.
Geboren im Jahre 1923 wuchs sie in gutbürgerlichen Verhältnissen im Elternhaus in der Gartengasse von Schäßburg auf; der Vater unterhielt zu der Zeit im Haltrichschen Hause an der Ostzeile des Marktplatzes eine Eisenhandlung, war aber auch als Lehrer an der Schäßburger Gremialhandelsschule tätig. Nach der mittleren Reifeprüfung wurde Gerti in der elterlichen Eisenhandlung tätig, weilte eine Zeitlang auch in Hermannstadt zur Vervollkommnung der Kenntnisse auf dem Gebiet des Eisenhandels. Die einschneidenden Änderungen nach dem Zweiten Weltkrieg veranlaßten sie aber, diesen Beruf aufzugeben.
Der schöne und große Garten rings um das schmucke Wohnhäuschen hat Gerti dann in ihrer weiteren Lebensentwicklung entscheidend beeinflußt, indem sie die Gegebenheiten des Gartens nutzte, um sich hauptberuflich als Floristin zu entwickeln. In einer Hermannstädter Blumenbinderei eignete sie sich Grundkenntnisse in der Anfertigung von Blumengebinden an, nutzte in späteren Jahren auch Aufenthalte in Deutschland, um ihre diesbezüglichen Kenntnisse zu vervollkommnen.
Wie viele unzählige Bürger und Bürgerinnen haben in all den Jahren nicht einen Blumenstrauß oder Kranz bei Gerti bestellt. Als große Naturfreundin und Kennerin der Pflanzenwelt rings um Schäßburg bereitete es ihr bei Ausflügen immer eine Freude, uns mit den verschiedensten Blumen bekannt zu machen, denen wir begegneten, wußte z. B. auch, daß die gelbe Trollblume auf Schäßburger Hattert nur auf den eingeschlossenen Wiesen beim Lukasgraben im Bagendorf blühte, wohin sie uns an Hand der SKV-Karte von Schäßburg und Umgebung führte; wußte auch für ihre beruflichen Interessen, wo einiges zu holen war, wie auch die Tannenzapfen für die vielen kleinen Kränze, welche sie gegen Weihnachten für den Winterschmuck der Gräber mit ihren Helferinnen band. Jahrzehntelang hat sie für den sonntäglichen Gottesdienst und die kirchlichen hohen Feste den Altar der Kloster- oder Bergkirche mit Blumen aus ihrem Garten geschmückt. Ab den 70er Jahren entwickelte sie auch als Presbyterin der evang. Kirchengemeinde Schäßburg eine rege Tätigkeit.
Verheiratet mit Georg Schuller, der leider allzu früh verstarb, verbrachte sie, wenn auch nicht viele, so doch schöne Ehejahre. Gerti war sehr gesellig, hatte ihre regelmäßigen Frauenkränzchen mit den Schul- und Jugendfreundinnen oder mit Frauen ihrer Nachbarschaft. In der Faschingszeit hielt sie Faschings-Tanzunterhaltungen in ihrer Wohnung ab.
Als gute Seele war sie auch bekannt, unterhielt mit Verwandten in Kronstadt, Reps und Hermannstadt wie auch später in Österreich und Deutschland gute Verbindungen und nahm alleingebliebene Verwandte in ihre Wohnung auf.
Die Auswanderungswelle, durch welche sie auch alle ihre näheren Bekannten verlor, hat sie nie recht verstehen wollen, sie hing zu sehr an ihrem Garten, ihrem Haus, ihrer Stadt und ihrer Heimat, sie hat mit der Überlegung einer Aussiedlung auch gerungen, blieb aber schließlich der altgewohnten Umgebung, wenn auch unter stark veränderten Verhältnissen, treu. Obwohl Gerti noch im August 1995, gelegentlich des Schäßburger Treffens, den Ausflug auf die Breite begeistert mitmachte, hatte sie in den letzten Jahren doch einige Weh-Wehchen, welche ihr zu schaffen gaben und denen sie schließlich im November 1995 in einer Klausenburger Klinik erlag.
Alle, die sie gekannt haben, werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.
J. Hg.

 

 

 

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Letztes Update: 2003-03-06 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg