HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
Die Übungsschule des SeminarsDen künftigen Dorfschulen der Seminaristinnen nachgebildet Die Übungsschule, der "Anhang" der Lehrerinnenbildungsanstalt in Schäßburg, war für das Praktikum der jungen Seminaristinnen unentbehrlich. Wenn auch nur als kleine Schwester der großen Grundschulen der Stadt betrachtet und gelegentlich spöttisch "Pankrizia" (von bankrott) genannt, durfte diese Anstalt von sich behaupten, junge Volksschullehrerinnen und Schüler zahlreicher Jahrgänge mit gediegenem Wissen in die Vielfältigkeit des Lebens entlassen zu haben. Garant dafür war das solide Professorenkollegium, seit 1922 unter Leitung von Dir. Dr. Heinz Brandsch sowie der stellv. Dir. Hildegard Höchsmann und nicht zuletzt Klassenlehrerinnen der Übungsschule: Selma Gottschling, Frieda Ongyert, Erna Roth-Phleps, Gerta Bartmes-Tobie, die Jahrzehnte hindurch die vier bzw. drei Klassen in zwei Räumlichkeiten zu betreuen hatten. Eine Besonderheit war zudem die Zusammensetzung der Klassen, Mädels und Jungen saßen nämlich in derselben Schulbank. Das Problem des Unterrichts der verschiedenen Altersgruppen in einem Klassenzimmer wurde durch den stündlichen "Dialog" mit jeweils einer Klasse und der "stillen Beschäftigung" der restlichen Klassen gelöst. Dieser alternative Unterricht war durch die geringe Schülerzahl je Klasse erst möglich, umso leichter und intensiver aber war die Form, den Kindern den Unterrichtsstoff zu vermitteln. Die Übungsschule war somit den künftigen Dorfschulen unserer Seminaristinnen "nachgebildet". Zur "reibungslosen" Bewältigung dieser täglichen Aufgabe standen der Klassenlehrerin Seminaristinnen bei, die dadurch gleichzeitig die Möglichkeit hatten, sich dem Verhaltensstudium der Kinder zu widmen. Ein fester Bestandteil in ihrer Ausbildung waren die so genannten "Probe- und Musterstunden". Die Probestunde hatte die zukünftige Lehrerin - unter strenger Aufsicht des ganzen Professorenkollegiums - zu leiten. Die Kinder der für die Musterstunde bestimmten Klasse wurden beispielgebend durch die Klassenlehrerin unterrichtet. Es assistierten der Lehrkörper und die Seminaristinnen der zwei letzten Klassen. Das Verhältnis zwischen den Schülern und den zukünftigen Lehrerinnen - auch mit "Fräulein" angesprochen - war ein denkbar herzliches. Auch die übliche Morgenandacht wurde montags gemeinsam mit den Lehrkräften, Seminaristinnen und Übungsschülern abgehalten. Ebenso die Weihnachts- und Schlußfeiern, zu denen die Eltern eingeladen wurden. Zur Weihnachtsfeier gehörte auch das von den Kindern dargebotene Krippenspiel. Die Schlußfeier war natürlich ein Festtag, mit Liederdarbietungen, Schauturnen, Gedichtvorträgen und Handarbeitsausstellung der Schüler. Nach Abschluß des siebenjährigen Unterrichts wurde uns durch die "Absolvire-Prüfung" und erworbenem Zeugnis, die Fähigkeit bestätigt, einen Beruf zu erlernen. Somit begann schon für 14jährige der Weg ins wahre Leben, der uns - mit dem von der Übungsschule ausgestatteten Rüstzeug - bis hin zum Rentenalter führte. 1945 mußte die Lehrerinnenbildungsanstalt mit Übungsschule ihre 41jährige Tätigkeit - erzwungen durch Kriegswirren und Deportation - einstellen. Dieser Schäßburger Bildungsort - berühmt im ganzen Lande und über die Grenzen hinaus - sollte unwiderbringlich unserem Volke verloren sein.
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