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Ursula Bedners
Erwachen
Aus des Schlafes Fernen wiederkehren,
vom Rande in die Mitte Wirklichkeit,
aufgehoben und nun freigegeben,
plötzlich ist die Grenze wieder da.
Besaß ich noch das vage Hingestreute,
das Bild, vielleicht das Wort, ein Lied?
Der flache Wimpernschlag, der leise Atem,
das Heben einer Hand ist schon zu viel.
Unendlich aufgerollt der Anfang,
wohin? - das Ende, faß ich's doch?
Unmerklich ist mir Bild und Klang
entrückt und aufgeflogen -
ein Vogel in den halben Morgen.
Ursula Bedners
SN 06
Abend
Die Welt verhangen mit Nebel,
ein Hals gebogen.
Ins Ungefähre
bginnender Dämmerung.
Zitternder Tropfen am Strauch,
wann befreit
vom Fall
zu erdiger Schwere?
Auf grüner Insel
landet die Fähre:
Lampe und
atmendes Buch.
Ursula Bedners
SN 06
Brot meiner Tage
Das Weizenmehl
meiner Stunden rinnt,
verrinnt -
und halt ich auch die Augen darunter,
den Mund,
es rinnt über mich hinaus,
die Straße ist schon voll damit.
Wenn ich's auch hielte,
es wäre vom Staub der Straße
nicht mehr zu trennen.
Ich weine
den salzigen Strom
mitten durch die Straße,
die irgendwo endet,
und backe mein Brot aus Steinen,
bald bin ich schwer davon,
bald bin ich kalt davon,
meinen Hunger stillen
die schwarzen Vögel der Nacht.
Süßes Weizenmehl,
Brot meiner Tage,
nie werde ich satt davon.

Letztes Update:
2004-07-16
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