HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
Zum Geleit.Zwischen Hoffnung und Glauben "Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? " Matth 11,3 Advent hat viele Fragen! Advent ist eine Zeit, die nach vorne offen ist. Etwas soll geschehen, etwas Neues soll kommen! Diese Bewegung in eine reiche Erfüllung hinein vollzieht sich jedoch nicht automatisch, sie verlangt innere Anteilnahme und konzentrierte Beteiligung. Die Erwartung und Sehnsucht des Advents ist kein schwärmerisches Gefühl, Advent ist ein Weg zu einem klaren, bestimmten Ziel. Auf diesem Wege haben auch Fragen ihre Berechtigung. Advent selbst stellt Fragen, Advent selbst hat Fragen, sogar kritische Fragen. Früher einmal war Weihnacht der Inbegriff höchsten Glücks, aber heute? Was kann ich heute noch mit Weihnachten anfangen? Eigentlich bin ich doch dieser Kinderwelt entwachsen. Nüchtern und realistisch sind die heutigen Weihnachtserzählungen und Krippenspiele. Wir können wohl nicht mehr so unbefangen und gelöst Weihnachten feiern wie Generationen vor uns. Es ist uns verwehrt, den Glanz aus vergangenen Zeiten zu übernehmen. Wir müssen an die Sache näher heran, an die wirkliche Begebenheit. Wir stellen uns den kritischen Fragen unseres Glaubens in unserer eigenen Welt ... dazu ist Advent da. Advent hat selbst in sich diese Bedrängnis, diese Unsicherheit, deren schärfste Form der Zweifel ist. Wie gewaltig ist doch die Vorstellung, auf die wir zugehen: Gott kommt zum Menschen in einem Menschen! Ist Weihnacht eine Geschichte, in der Gott in die Menschenschicksale eingreift, durch diesen Jesus von Nazareth und dessen Geburt, auch in mein Dasein? Der Zweifel hat unterschiedliche Gestalt. Er ist ein Anreger, ein Motor. Ohne kritischen Zweifel wäre das Denken längst erlahmt und auch der Glaube gestorben. Begegnen wir Gott, oder begegnen wir nur noch uns selbst? Der Zweifel hat unterschiedliche Gestalt. Er ist ein Anreger, ein Motor. Ohne kritischen Zweifel wäre das Denken längst erlahmt und auch der Glaube gestorben. Der Zweifel ist immer auch ein Impuls, ein Anstoß, die Wahrheit neu zu gewinnen. Aber der Zweifel kann auch ätzend und zerstörend wirken, er ist Lebenselixier und Gift zugleich. Aber ... er darf nie das letzte Wort haben. Er ist nur eine Durchgangssituation. Daß der Zweifel zu einem Umdenken auch in der Schäßburger Kirchengemeinde wird, erhoffen wir sehnlichst. Die Schäßburger Kirchengemeinde lebt seit zwei Jahren in einer permanenten Hoffnung. Ihre Existenz ist eine Existenz zwischen Hoffnung und Glauben. Die Wiederbesetzung der Stadtpfarrstelle ist in der gegenwärtigen Situation der Landeskirche ein schwieriges Problem. Die unzähligen Einsätze verschiedener Pfarrer aus dem Mediascher und Schäßburger Kirchenbezirk, sowie die Einsätze von Theologiestudenten können den Schäßburgern das Gefühl der "Kirche als Heimat", der Geborgenheit und Zusammengehörigkeit schwer wiedergeben. Auch die wunderbare Hilfe, die Schäßburg zuteil wurde, durch die Einsätze der beiden Pastoren Jürgen Reuß (Lübeck) und Konrad Georg (Gummersbach) empfanden sie nur als einen Tropfen auf den heißen Stein. Das Fehlen eines "Seelsorgers", eines "Wegweisers" stürzt die Schäßburger fast in Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit. Die verschiedensten Probleme, die auf lokaler Ebene entstehen, sind eine Folge eben dieser Situation. An dieser Situation und in diesem Zustand, eine verwaiste Gemeinde zu sein, leidet Schäßburg. Das Sinnbild einer lebendigen und einheitlichen Gemeinde ist und bleibt der jeweilige "Hirte". In diesem dramatischen, in der Geschichte der Kirchengemeinde noch nie dagewesenen Zustand, ist die Kirchengemeinde der Verzweiflung nahe. Es gilt, in diesem Zustand neue Wege zu gehen, neue Ansätze zu suchen, Zweifel und die Hoffnungslosigkeit wegzuräumen. Es gibt einen Zweifel, der einen umwirft. Von diesem spricht unser biblischer Text. Johannes der Täufer ist von Zweifel beherrscht. Er weiß nicht, ob Jesus aus Nazareth der Christus ist oder nicht, ob sein Lebenswerk zu Ende geht oder nicht? Seine Frage: "Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?" ist die Frage eines Beteiligten. Und die Antwort, die Jesus gibt, ist so gehalten, daß sie Mut machen soll zum Glauben, nicht aus einer Vertröstung heraus oder aus unsicheren Versprechungen. Johannes soll die Wahrheit mit offenen Augen aufnehmen. Es geschieht doch etwas. Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Tote stehen auf usw. Das, was der Prophet angesagt hat, ist angebrochen: eine Zeit großer Barmherzigkeit und bewegender Liebe für den Menschen. Sieh dich um, bedenke was geschieht, und ärgere dich nicht! Dies ist eine Botschaft auch für die Schäßburger Kirchengemeinde. Die Zeit, in der wir leben, ist eine Zeit großer Umbrüche. Es ist eine Zeit ständiger Auflösung. Die uns vertrauten Ordnungen, die uns von der "Wiege bis zur Bahre" begleitet haben, gibt es nicht mehr. Wir führen, um in einem Wort Verena Kast's zu sprechen, eine "Existenz im Abschied". Suchen wir in dieser Zeit doch nicht die Schuldigen an unserer Situation, suchen wir vielmehr Möglichkeiten den Weg weiterzuführen. Ich nenne zwei Möglichkeiten:
Dies ergibt eine neue, eine schwierige Situation. Unsere Kirchenleitung
spricht viel von der "Öffnung unserer Kirche nach außen",
Darin erkennt sie eine Chance zum Weiterleben unserer evangelischen Kirche. Diese Öffnung ist berechtigt sowohl seitens der biblischen Botschaft als auch von der gegenwärtigen Lage in Europa. Das Neue Testament lehrt uns, daß die Frohbotschaft von Jesus Christus allen Menschen gilt. Dies heißt es zu verkünden, auch wenn man dabei "den Menschen aufs Maul sieht" (Martin Luther) und die Verkündigungssprache in gegebenen Falle im Sinne der Ökumene ergänzen muß! Die gegenwärtige Politik der EU ist eine Politik der Einheit, des
Sich-Zusammenfindens der Völker. Rumänien ist bemüht, diesen
Weg zu gehen, d. h. wir sind bemüht aufeinander zu achten, miteinander
zu reden und untereinander Möglichkeiten des Zusammenlebens zu suchen,
indem wir uns "abseilen" von den historischen und konfessionellen
Vorurteilen die heute noch in Siebenbürgen vorherrschen. 4. Siebenbürgen, grüne Wiege / einer bunten Völkerschar! / Mit dem Klima aller Zonen, /mit dem Kranz von Nationen / um des Vaterlands Altar. 5. Siebenbürgen, grüner Tempel, /mit der Berge hohem Chor! / Wo der Andacht Huldigungen /steigen in so vielen Zungen / zu dem einen Gott empor Diese Einstellung sollen und müssen wir neu lernen. Sicher, es fällt uns schwer, aber nur so garantiert es uns ein friedliches Zusammenleben. Jesus Christus hat Wege zueinander geöffnet. In ihm sind wir alle gleich. Der Glaube an ihn durchbricht alle nationalen, sprachlichen und konfessionellen Grenzen. Denn, "also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Joh. 3 16). Die Schäßburger sind in ihrer Not nicht allein. Sie wissen sich getragen von dem der gesagt hat: "Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.". Mit dankbaren Herzen wissen sie sich auch getragen und gestützt von der evangelischen Kirchenleitung. Das Bischofsamt versucht die Stadtpfarrstelle zu besetzen. Ein grünes Licht wurde dabei gegeben und eine Möglichkeit der Wiederbesetzung vor Ostern 1997 gegeben. Wir hoffen! Die Zeit des Advents ist eine Zeit der stillen Revision, der sachlichen
Bestandsaufnahme. Die Zeit des Advents ist eine Zeit des Wartens, des
Umdenkens und der Hoffnung. Advent hat viele Fragen und bewegt uns auf
die eine große Antwort Gottes hin. Advent geht über in die
alte Geschichte, die jetzt in ewig neuen Werten bekennt: "Es begab
sich aber zu der Zeit ..." cand. Theol. Daniel Zikeli (Schäßburg)
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