HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Berichte aus Schäßburg

Gegenwärtiges zum Stadtgeschehen


Schäßburg, sieben Jahre nach der großen Wende, schaut aus wie ein Kind, dem etwas versprochen, das Versprechen aber nicht eingehalten wurde. Visuell wird das Stadtbild von den vielen kleinen Geschäften und "Buden", die dem kaufschwachen Bürger zweifelhafte Waren anschmieren wollen, beherrscht.
Die 1992 durchgeführte Volkszählung ergab folgendes: insgesamt 35.939 Einwohner, davon in Marienburg 868.

26.290 Rumänen
7.057 Ungarn
1.416 Deutsche
1.048 Zigeuner (es lag jedem frei, sich zu einer oder zu einer anderen Nationalität zu bekennen)
128 Andere


Blick auf den freien Platzt mit Neubau Warenhaus "SIGMA", April 1996 Foto: Martin Zinz

 


Aussicht vom Bergschultürmchen ins Kokeltal, August 1996 Foto: Martin Zinz

 

Was die städtebauliche Entwicklung betrifft, hatte man sich etliches vorgenommen, leider aber ist nichts Nennenswertes gemacht worden, weil das Geld knapp ist. Das Geld kommt noch immer wie vormals von Bukarest über den Judet, so daß eine finanzielle Autonomie nicht vorhanden ist. Von dem wenigen Geld kann man bestenfalls die Straße flicken. Für die nächsten Jahre hat man sich vorgenommen, folgende Investitionen durchzuführen: Erweiterung der städtischen Abwasserreinigungsanlage, Erstellen einer Mülldeponie, die das Grundwasser nicht mehr belasten soll, Verbessern der Trinkwasserqualität durch neue Technologien in der Trinkwasseraufbereitung, Erstellen von einigen hundert Wohnungen für die sozial Benachteiligten. Drei Prozent der aktiven Bevölkerung sind arbeitslos. Zur Zeit werden 642 Arbeitslose registriert, und an 70 Familien wird Sozialhilfe gezahlt.
Die Gesundheitsbetreuung erfolgt unverändert, ist auf alle Fälle trostloser, weil der Geldmangel hier am ehesten zu spüren ist. Daß es zur Zeit sehr schlecht mit der Wirtschaft der Stadt steht, ist wohl aus der Arbeitslosenzahl nicht ersichtlich, weil die oben genannten Ziffern nicht der Realität entsprechen. Die Betriebe, die der Textilbranche angehören, sind am stärksten betroffen. Wie auch auf Landesebene wird die Privatisierung mit halbem Herzen angegangen, sowohl bezogen auf Industrie, Handel wie auch im Gewerbe. Für viele war das Erstarken der Kleinbetriebe die Hoffnung, in relativ kurzer Zeit eine Besserung einzuleiten, aber die ungemäße Steuerpolitik hat diesen Aufschwung unterbunden. Erfreulich, daß in der Tourismusbranche sich etwas tut: Es wurden drei kleine Hotels fertiggestellt, so daß die Besucher unserer Stadt auch hier übernachten.


Schäßburg zwischen Siechhofwald, Tannenwald, Burgberg und Himmelswiese, September 1996.
Foto: Martin Zinz

Das Angebot im Bereich Kultur ist praktisch nicht vorhanden, was die Trostlosigkeit der jetzigen Lage noch einmal unterstreicht. Man denkt daran, bei besonderen Anlässen (Nationalfeiertage etc.) vor die Kolonne einen Wagen vorzuschicken, ausgestattet mit einem Plattenspieler, aus dem dann Marschmusik erklingen soll, weil man inzwischen vergessen hat, daß es auch einmal eine Blaskapelle in Schäßburg gab.

Was die Rückgabe von Privateigentum betrifft, wird laut Gesetz Nr. 112/94 den ehemaligen Eigentümern eine Wohnung zurückgegeben. Für die anderen, wenn es mehrere waren, bekommt man eine Entschädigung. Dieses Gesetz bevorteilt die Mieter zum Schaden der ehemaligen Eigentümer.

Was die Rückgabe von Besitz der Gruppen oder Konfessionen (Kirche) betrifft, ist ein Gesetz nötig.
Die 1996 stattgefundenen Wahlen haben folgende Zusammensetzung der Legislative:
Die 21 gewählten Ratsherren gehören folgenden Parteien an: Rumänienpartei (5), Ungarnpartei (3), Demokratische Konvention (3), Sozial-demokratischer Bund (3), Sozialistische Partei (1), jetzige Regierungspartei (1), Liberale (1), Großrumänische Partei (1), Unabhängige (3).
Der Bürgermeister, Dipl.-Ing. Stefanescu Constantin, als Vorsitzender der Exekutive kommt von der Rumänienpartei.
Was die Zielsetzungen betrifft sind die Exekutive und auch die Legislative sehr zurückhaltend, weil man den Ausgang der Generalwahlen abwartet.
Obwohl das Forum im lokalen Parlament nicht vertreten ist, dank einer unangemessenen Wahlpropaganda, möchte ich mich persönlich dafür einsetzen, dass endlich in den Türmen und an der Wehrmauer etwas zu deren Erhalt getan wird.

Adolf Hügel

 

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Letztes Update: 2004-07-16 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg