HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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Der Bildhauer Raimund Haas![]() Raimund Haas Er ist einer der ,Stillen' im Lande. Sein zum Schauen berufener, wacher Blick umfaßt das vor ihm Liegende in nie erlahmender schöpferischer Freude, und unter dem kraftvollen, lebendigen Spiel seiner formenden Hände gestalten sich spröde wie weiche Materialien zu Werken seiner Kunst, die teils in Lebensgröße, wuchtig und ernst, teils miniaturisch klein und lieblich, immer den Stempel seiner edlen, warmen Menschlichkeit tragen. Begonnen hatte alles in Schäßburg, wo er am 20. Dezember 1917 als dritter von vier Söhnen des Dr. med. Otto Haas und seiner Frau Anna Margarethe, geb. Terplan, zur Welt kam. Zu der Zeit wirkten mehrere deutsche Ärzte am Spital in der Albertsraße und wohnten mit ihren Familien in den dortigen Ärztehäusern. Chefarzt war Dr. Julius Oberth, der Vater von Hermann Oberth. - Später entzog man ihnen die Operationsbefugnis, und so verließ zwischen 1924 bis 28 einer nach dem andern das Spital. Sie machten sich - unter großen Opfern - selbständig.
Raimund Haas verlebte seine frühe Kindheit im Spitalsbereich, wo es für die Ärzte eine Pferdekutsche gab und wo auch mancher Zulieferwagen vorfuhr. Seine große Faszination waren die Pferde. Der kleine Kerl kroch - getrieben von seinem Beobachtungsdrang - furchtlos unter die Tiere, um sie aus dieser Perspektive zu erforschen. Seine erschrockene Mutter zog ihn manches Mal hervor und erzählte, daß er zu seinem dabeistehenden Spielgefährten mit Bedauern gesagt habe: "'S ist nicht viel Wert, 's ist nur ein Vater."
Als er - vierjährig - eine schwere Scharlach-Diphterie-Erkrankung überlebte, blieb eine starke Schwerhörigkeit zurück, die seine Schul- und Studienjahre, sein ganzes künftiges Leben belastete. Früh zeigte sich sein gestalterisches Talent. Ein freundlicher Glasermeister schenkte dem ihm fasziniert zuschauenden Knaben einen Klumpen Kitt, und von da an ging's los. Er knetete und formte unentwegt, erhielt von den Eltern sein erstes Plastelin und bildete Tierfiguren nach Brehms Tierleben. Später, in seiner Gymnasiastenzeit, entstanden viele Tonbüsten, und 1934 erhielt er auf der Mediascher Schülerolympiade den Preis für Modellieren. Privaten Mal- und Zeichenunterricht nahm er auch beim Kunstmaler Gustav Binder (Bräd). Gerne saß er am Holzmarkt vor der Lingnerischen Mühle und zeichnete die dort rastenden Pferde und Rinder. 1937 verließ er seine geliebte Vaterstadt Schäßburg und lebte fortan in München. Drei Jahre lang besuchte er die dortige Fachschule für Bildhauer, dann folgte 1940 das Studium an der Hochschule der Bildenden Künste bei Prof. Henselmann. Infolge der Kriegswirren währte dieses Studium - mit Unterbrechungen - bis 1950. Von da an lebte und wirkte er als freischaffender Künstler. Das war im Nachkriegsdeutschland ein Hungerbrot. Dennoch war er nie bereit, einträgliche Angebote zu lukrativer Semikunst anzunehmen. Lieber lebte er arm, aber frei für sein Schaffen.
Im Münchener Merkur vom 6. November 1971 war - anläßlich einer Ausstellung der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst - zu lesen: "Unter den Plastiken fällt die 'Bronze-Madonna mit Kind' von Raimund Haas durch rührende Schlichtheit und romanische Anklänge auf."
1952 gestaltete er - durch Vermittlung von Dr. Hans Wühr - für das Süd-Ost-Deutsche Kulturwerk München die bronzene Adam-Müller-Guttenbrunn-Medaille. Sie wird seit 1952 als Auszeichnung für besondere Verdienste um die Verbreitung deutscher Kulturwerte aus dem osteuropäischen Raum verliehen. 1995 erhielt sie der Schriftsteller und Publizist Hans Bergel. Ihre Rückseite symbolisiert die Einwanderung als auch Rückwanderung unserer Banater Schwaben. Die erste - mir bekannte - Hermann-Oberth-Büste entstand 1959, als Raimund Haas zu der Familie Oberth nach Feucht gerufen wurde, um dort eine Büste von ihm anzufertigen. Der Professor saß schreibend in seiner Studierstube - und Raimund Haas, sein stiller Beobachter, modellierte die Büste. Erst als er seine Augen betrachten wollte, nahm Hermann Oberth die Brille ab. Raimund lächelte bei dieser Erinnerung. Hermann Oberth habe -als Ausgleich zu dieser eingehenden 'Beschau' -spaßeshalber mit den Ohren gewackelt. - Heute steht der Bronzeabguß (ein Drittel Lebensgröße) im Raumfahrtmuseum in Feucht bei Nürnberg, ein weiterer im Museum in Gundelsheim, während die von Raimund Haas 1968/69 danach gearbeitete Bronzebüste - etwas über Lebensgröße - sich im Hermann-Oberth-Kulturhaus in Drabenderhöhe befindet. Die wunderbare Frau an seiner Seite, sein guter Geist, ist die bildende Künstlerin Gisela Fichtner, geb. 1925 bei Chemnitz, die ebenfalls in Holz, Bronze, Keramik und Stein arbeitet.
Seit 1960 schaffen die beiden in ihrer gemeinsamen Münchener Bildhauerwerkstätte in der Salzburger Str. l. Manchmal gestalten und führen sie ein Werk auch gemeinschaftlich aus: so die 2.50 m hohe Arbeit in Fichtenholz St. Willibald, ein Auftragswerk für eine katholische Nachbargemeinde. Die Hochrelief-Figur des hl. Willibald schuf Raimund Haas, das Flachrelief mit Szenen aus dem Leben des Heiligen ist Gisela Fichtners Werk. Wie beides sich harmonisch ergänzt und hebt, so auch ihr menschliches Miteinander. Die hohe Gottesgabe der Kunst ist der große, innere Reichtum ihres äußerlich bescheidenen Lebens. Die Mußestunden verbringen sie in Gottes freier Natur, wo jeder Suchende mit immer neuer Kraft und Freude, mit Bewunderung für die Schöpfung erfüllt wird. Möge Gott sie auch weiterhin gnädig behüten. Grete Terplan-Trimborn (Odenthal)
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