HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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Schäßburg vor 200 JahrenAus "Geographie des Großfürstentums Siebenbürgen von Lucas Joseph Marienburg 1813Schäßburger StuhlSedes Schaesburgensis § 266
Die Grenzen dieses Stuhles, welcher nach einer politischen Rangordnung
die zweyte Stelle unter den sächsischen Kreisen einnimmt, sind einige
Theile des Oberaldenser Comitates, der Udvarhelyer Stuhl, der Kockelburger
Comitat, der Mediascher Stuhl, der Großschenker Stuhl und Repser
Stuhl. Es enthält 6 ¾ Quadratmeilen, oder nach neuern Bestimmungen
8 Quadratmeilen, worauf im Jahre 1791, in den Kontributionslisten sich
4262 Hausväter, 812 Witwen, und 2493 Impossesionati fanden. Nach
der neuesten Ausgabe enthält der Stuhl: 19.500 Seelen, nemlich: 13.636
Sachsen und Deutsche, 4190 Walachen, 1545 Zigeuner, 138 Ungarn und einige
Armenier und Griechen. Der Boden ist etwas höher als der von Hermannstadt,
und zwar bergigt, aber ohne Hochgebirge, und fruchtbar. Die Luft ist mild. § 267 Die ersten Beamten dieses Stuhles sind: ein Bürgermeister und Stuhlsrichter,
dann neun Senatoren, von welchen einer Stadthann, einer königlicher
Steuereinnehmer, drey Stuhlsinspectoren, einer Notar, zwey Zunftinspectoren,
einer Zuchthausinspector ist. § 268 1. Dunesdorf, Villa Dyonisii, Dános, Deánosch, ein sächsisches Dorf, von 150 Sachsen und 579 Walachen bewohnt, 1 ½ Stunde von Schäßburg. 2. Groß-Alesch, Alesia major, Nagy-Szölös, Szeleusch máre, ein sächsisches Dorf, 2 Stunden von Schäßburg, mit 742 sächsischen und 152 walachischen Einwohnern. 3. Halwelágen, Holdvilág, Huldgelág, ein sächsisches Dorf mit 612 Sachsen und 82 walachischen Einwohnern, liegt dicht an der Kockel und ist eine halbe Stunde von Elisabethstadt und 2 ¼ Stunden von Schäßburg entfernt. 4. Laßlen, Szász-Szent-László, Lászlie, ein sächsisches Dorf mit 663 Sachsen und 200 Walachen. 5. Pruden, Broud oder Prod. § 269 6. Schäßburg, Schaesburgum oder Castrum Schaes, Segesvár, Schigischoare, eine königlich freye sächsische Stadt (nach einigen Angaben 44° 20´ Länge von Ferro und 47° 28´ Breite), auf den meisten Seiten mit Bergen umgeben, so daß nur nordöstlich im Kockelthale hinauf eine erweiterte Aussicht sich eröffnet, am großen Kockelfluße, hatte (1802) 806 Häuser in der Stadt und etwa 400 Häuser und Hütten in den Vorstädten, also sammt den Vorstädten etwa 6000 Einwohner. Ein Theil der Stadt, die sogenannte obere Stadt, liegt auf einem, 38 Klafter hohen Berge und hat etwa anderthalbhundert Häuser. Sie wird auch die Burg genannt, und hat zwey Thore und drey Pforten; es ist indeß auch die Ringmauer der Burg selbst, besoders auf der Bergspitze, zerstört, und fast eben so die noch übrigen 11 Thürme, auch die zwey Schanzen oder Bastionen, die es bisher manchem Angriffe trotzen ließen. Der zwölfte Thurm ist zum Zuchthause, der dreyzehnte zum Stadtthurm umgeschaffen und der vierzehnte ganz abgetragen worden. Die große Unbequemlichkeit auf ermüdend langen Treppen, das Verkehr mit den Einwohnern der untern Stadt und dem flachen Lande zu unterhalten, machte, daß sie schon 1513 verlassen wurde und zu veröden begann; allein König Vladislaus, auf Vorstellung seines Schatzmeisters, Nicolaus Gerend, befahl, sie wieder zu besetzen, und erließ allen, die sich hinaufziehen würden, auf sieben Jahre die Steuer. Es mußte also die Hälfte des Magistrats und die Kaufleute, wie auch einige Zünfte in der Obern Stadt wohnen. Jetzt geht man von dieser Einschränkung völlig ab, ohne deswegen eine Entvölkerung zu befürchten. In dieser obern Stadt steht die Kirche des heiligen Nicolaus auf dem Gipfel des Berges, woher die ganze Gegend übersehen werden kann. Sie wurde 1429 gegründet und 1483 ausgefertigt. Bey ihrer Gründung wurde sie mit dem sächsischen unterthänigen Dorfe Volkány im Oberalbenser Comitat 1 ¾ Stunde von Schäßburg dotirt. Eine andere Kirche, ebenfalls in der obern Stadt, ist die Klosterkirche, 1482 gegründet und 1515 vollendet. Sie hat 144 Schuhe Länge und 62 Schuh Breite, und ist die Kathedralkirche. Dicht an derselben ist das Rathaus, einst ein Dominikaner Kloster. Gleichfalls auf dem Gipfel des Berges steht das 1790 neu erbaute Gymnasialgebäude der Evangelischen und oberhalb der Sacristey der Bergkirche ist die seit 1684 bestehende und kaum 2000 Bände enthaltende Schulbibliothek. Das Gymnasium hat einen Rector, Conrector, zwey Collaboratoren, welche die jüngern Schüler unterrichten, des bessern Gehaltes wegen jedoch ältere Lehrer sind, dann zwey Lectoren und einem außerordentlichen Lector, welche den Gymnasiasten Vorlesungen halten. Schulen für die weibliche Jugend sind gleichfalls eingerichtet. Die untere Stadt, welche in einem in Form eines liegenden S um den Burgberg sich wendenden Thale liegt, war auch einst mit einer Mauer umgeben und weitläufiger als jetzt, aber besonders in dem letzten innern Kriege, der Kurutzenkrieg (1704 bis 1711) genannt, wurde dieselbe zerstört. In der untern Stadt ist die Spitalskirche des heiligen Anton, etwa 1415 erbaut. Auch ist hier die, 1723 den Franziskanern eingeräumte Kirche mit einer Franziskanerresidenz. Eine noch unausgebaute Kapelle der R. Katholischen liegt am Spital. In der Vorstadt jenseits des Kockelflusses ist die Kirchhofskirche zum heiligen Geiste, wahrscheinlich für das einst hier gestandene Spital (Siechhaus) erbaut. In der westlichen Vorstadt (Kornescht) haben die griechischen Religionsverwandten eine neue Kirche. Außer den Sachsen, welche die Pluralität ausmachen, sind die Einwohner Schäßburgs: Deutsche, Ungarn, Griechen, Armenier und in den Vorstädten Walachen und Zigeuner, oder wie sie auch seit Josephs Zeiten heißen, Neubauern. Die Einwohner sind in Zünfte getheilte Handwerker, treiben aber daneben auch Land- und Weinbau. Die Baumwollspinnerey beschäftigt einen großen Theil des weiblichen Geschlechtes. Leinweber waren 1809, 96 Meister. Der Handel ist unbedeutend, doch hat Schäßburg drey Jahrmärkte. Eine Burg mit drey Thürmen, in deren Thor ein aufgerichteter Löwe mit einem Schwerte in den Klauen steht, ist das Stadtwappen. Nicht weit vor Schäßburg auf der Landstraße ist die Styla, eine Säule um das Jahr 1460 bis 69 errichtet. Dann ¼ Stunde von Schäßburg die Ruinen der Burg Sandau. § 270 1. Arkeden, Szász-Erkek, Argitta, mit 622 Sachsen und 110 Walachen
in der Nähe des Berges und Waldes Hargitta, ein sächsisches
Dorf. 2. Bodendorf, Szász-Buda, Bundorfu, 5 Stunden von Schäßburg,
ein sächsischer Ort mit 516 Sachsen und 98 Walachen. 3. Denndorf,
Szász-Dallya, Daija, ein sächsisches Dorf, 3 Stunden von Schäßburg
mit 572 Sachsen und 212 Walachen. 4. Henndorf, Hegen, Heidorf, ein sächsisches
Dorf, 3 ½ Stunde von Schäßburg mit 577 Sachsen und 281
Walachen. 5. Keyßd, Kisdinum, Szász-Keszd, Kuszdu, ein sächsischer
Marktflecken, 3 Stunden von Schäßburg, welcher sammt Walachen
und Zigeuner 411 Familien stark ist. Im Jahre 1809 hatte er 1139 Sachsen
und 270 Walachen. Einst war er so bedeutend, daß Kaiser Siegmund
denselben eine Stadt nennt. Auch noch hat er einen Königsrichter,
Richter und sechs Beysitzer. Er hält zwey Jahrmärkte, und hat
ein altes Bergschloß auf einem Hügel außerhalb des Marktfleckens.
6. Mehburg oder Mädburg (Magdeburg), Bene, Bájá, ein
sächsisches Dorf, 5 ½ Stunde von Schäßburg, mit
459 Sachsen und 122 Walachen. Der Boden, worauf dieser Ort liegt, ist
nach des seligen Hrn. Rektor, Binders, barometrischen Messungen 38 Toisen
höher als Hermannstadt, und zwar von der obern Stadt bey der evangelischen
Stadtkirche Hermannstadts gerechnet. Ich kann nicht umhin, einige merkwürdige
Notizen desselben, die er mir mittheilte, hier beyzubringen. Raupen, schrieb
er, kommen in den Mehburger Gärten nicht auf. Es liegt ihnen zu hoch.
Auch die Wälder werden nur höchst selten von Raupen oder Käfern
verletzt, welches in den nur etwas tiefern Keißder Wäldern
schon geschieht. (Aus der Ausgabe 7. der Schäßburger Nachrichten zusamengestellt von Gerd Schlesak)
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