HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


In Memorian

Albert Hann

13. Januar 1914 - 20. Mai 1997

Hunderte von Menschen, Freunde und Bekannte wohnten am 23. Mai d.J. der Trauerfeier am Friehof von Bad Dürkheim bei, um von unserem unvergeßlichen Landsmann Albert Hann Abschied zu nehmen.
Fern von seinem alten Heimatstädtchen Schäßburg, das er bis zur letzten Stunde im Herzen trug, hatte er sich durch sein beispielhaftes Wirken in der neuen Heimat als Verwaltungsdirektor mehrerer Krankenhäuser der Inneren Mission abermals ein hohes Ansehen erworben.


Albert Hann.
Archivfoto

In der Trauerpredigt würdigte Dekan Rudi Weber den erfahrungsreichen Lebensweg und die hervorragende Persönlichkeit von Albert Hann mit tiefer Verehrung: "Er wurde mit seiner klaren aber stets hilfreichen Art vielen zum Segen. Er war bodenständig, konnte Menschen motivieren, hörte zu, führte Menschen, die ihm anvertraut waren, legte sich aber stets eine strenge Disziplin auf. Freundschaft war ihm lebenswichtig. Er stellte alles in den Hintergrund, wenn es um Menschen ging. Ein treuer, helfender, gescheiter und liebenswerter Mensch. Ich bin froh, ihm begegnet zu sein."

Die Ausrichtung seines Denkens und Handelns prägte sich bei Albert Hann schon von Kindheit an im Elternhaus und während seiner Schulzeit am Bischof-Teutsch-Gymnasium, wo neben einer erlesenen geistigen Bildung der Sinn für Ordnung, Disziplin, Pflichtbewußtsein und Gemeinschaftsgeist gepflegt wurden.

Als Student der Rechtswissenschaften an der Klausenburger Universität setzte er sich im "Bund Deutscher Akademiker in Rumänien" für den gleichberechtigten Zugang deutscher Studenten an die Hochschulen Rumäniens ein.
Nach Beendigung seines Militärdienstes ließ er sich als Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt nieder. Erst 26jährig wurde er zum Bürgermeister-Stellvertreter ernannt. Während des Krieges war er als Reserveoffizier an der Front und wurde mit dem höchsten rumänischen Militärorden (Mihai Viteazul) ausgezeichnet. Schwer verwundet kehrte er heim und versah seinen Dienst weiter, bis er nach dem Frontwechsel als ehemaliger Würdenträger verhaftet wurde. Der Internierung im Konzentrationslager Tärgu Jiu folgte die Verschleppung nach Rußland, wo er fünf Jahre lang im Kohlenbergwerk gearbeitet hat. Trotz größter Not verstand er es, seine Kameraden aufzumuntern, ihre Hoffnung auf Befreiung zu stärken und ihnen durch Rat und Tat beizustehen. Nach seiner ersehnten Heimkehr wurde er erneut verhaftet und mußte abermals fünf Jahre lang Demütigungen, körperliche und seelische Qualen in rumänischen Gefängnissen erdulden. Würdig, aufrecht und ungebrochen hat er dem Schicksal die Stirn geboten, bis er endlich ohne Prozeß und ohne Urteilsspruch wieder freikam. Es war die bitterste Erfahrung seines Lebens.

Anschließend an die leidvolle Haft arbeitete Albert Hann als Angestellter einer Ziegelfabrik, da ihm die Ausübung seines Berufes als Rechtsanwalt verwehrt wurde. Endlich kam die Erlösung. 1962 ging für ihn, wie für seine Gattin, die all den Schmerz und den jahrelangen Kummer standhaft mitgetragen hatte, wie für die zwei heranwachsenden Söhne, die Sonne wieder auf, als ihnen die Ausreise nach Deutschland gestattet wurde. Wieder in Freiheit, wurden bei Albert Hann seine schöpferischen Kräfte freigesetzt und er konnte sich uneingeschränkt und ungetrübt dem Glück der Familie und seinen neuen beruflichen Aufgaben mit Freude und Begeisterung widmen.

Anläßlich seiner feierlichen Verabschiedung aus dem Dienst im Jahre 1979 würdigte Oberkirchenrat i.R. Hussong Albert Hann mit den Worten: Fürsorge für andere Menschen habe im Dienst an erster Stelle gestanden. Chefarzt Dr. Eberhard Möller hob bei derselben Gelegenheit hervor: "Albert Hann war die Seele unsereres Krankenhauses." Unter großem Beifall überreichte ihm damals der Bürgermeister Georg Kalbfuß die Ehrenmedaille der Stadt und bekundete, die Bevölkerung und die Verwaltung seien Direktor Hann zu großem Dank verpflichtet.

Beeindruckt von der überwältigenden Erhabenheit, die Albert Hann zeitlebens ausgestrahlt hat, klingen uns die Worte nach: "Man spürt, daß er einer der großen, tapferen Sachsen war.


Albert Hann (Mine) mit Siebenbürger-Sachsen und
Sathmar-Schwaben in der Deportation in Rußland.
Archivfoto

Er hat uns Edelmut, Treuherzigkeit und Wahrhaftigkeit vorgelebt." Es ist ein rühmendes Zeugnis für diesen Menschen, dem alle, die ihn kannten, ein ehrenvolles Andenken bewahren werden. Und als bei seinem Abschied das Trompetensolo vom Friedhof erklang, widerhallte es in allen Herzen: ICH HATT' EINEN KAMERADEN, EINEN BESSERN FINDST DU NICHT!

Kornel Kwieczinsky


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