HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Klassentreffen am
26. April '97 in Nürnberg
der drei deutschen siebenten Klassen
von 1950 in Schäßburg

Unser Absolventenjahrgang hat die Zeiten des Umbruchs in allen Phasen miterlebt. Im Herbst 1943 wurden wir eingeschult. Da nach dem 23. August 1944 die Mädchenschule mit russischen Kriegsverwundeten belegt war, mußten wir Mädchen das zweite Schuljahr in der Werkstatt des Tischlers Lang in der Hintergasse als Klassenraum nutzen.
Ab der dritten Klasse wurden Räumlichkeiten der ev. Kirchengemeinde auf dem Entenplätzchen vor dem Stadtpfarrhaus für die Mädchenklassen freigemacht. Von der "Prima" (der Fünften) an besuchten wir dann die Bergschule. Als Mädchen hatten wir die Aula als Klassenraum zugewiesen bekommen.

1948 kam es zur Schulreform; als Folge davon gab es dann zwei in Mädchen und Jungen getrennte und eine gemischte Schulklasse. Letztgenannte blieb auf dem Schulberg, die beiden anderen Klassen wurden in der Knabenschule untergebracht. Das Gebäude war notdürftig überholt worden, im Turnsaal jedoch gab es immer noch eine Anzahl von Stellen, wo die russischen Soldaten versucht hatten, den Linolbelag des Fußbodens abzureißen.
Dann begann auch ein Umbesetzen der Lehrerstellen: Herr Lehrer Kartmann sah plötzlich Mädchen vor sich sitzen, wo er doch meist Jungs unterrichtet hatte. Es gab keine neuen Schulbücher, auch gab es in der Schule keinen Religionsunterricht mehr. Russisch kam als neues Fach hinzu, das uns bis in die Hochschulsemester zehn Jahre lang begleitete. ln der Sechsten wurden wir zu Pionieren erklärt.
Uns unterrichteten bis 1950 Lehrerpersönlichkeiten wie: J. Siegmund, J. Hollitzer, R. Lang, Ch. Blaschek, S. Filf, S. Schuster, L. Kraus, K. Sadler, Kartmann, A. Rether, H. Fabritius, S. und 0. Roth, Th. Fabini, W. Hann, K. Roth, P. Schuller, G. Donath, H. Kraus, 0. Pastior, T. Zikeli, P. Pankraz, E. Ballmann, E. Irtel, E. Machat, E. Hügel, L. Lang, R. Lang, M. Heitz, M. Siegmund, E. Haivas, G. Petrowitsch . . . Von den Schülern unseres Absolventenjahres konnte Michael Kroner am gründlichsten über all dies berichten.
Es tat wohl, an diesem gut vorbereiteten Fest teilnehmen zu dürfen. An alles hatten unsere Freunde Anne und Hans Polder, Iris Lingner und Michael Kroner gedacht: rechtzeitig verschickten sie Einladungen, exakte Wegbeschreibungen, Quartiervorschläge, geräumiges und festlich gestaltetes Lokal und schließlich der gut durchdachte Ablauf. Da gab es Zeiten für das erste Wiedersehen aller mit allen und für das einander persönliche Wiedererkennen. Über alles eingangs Gesagte und über weit mehr hat uns Dr. Michael Kroner einen interessanten Vortrag gehalten, der zudem historische Zusammenhänge anzeigte. Sogar unsere Lehrer waren vertreten durch Frau Martha Löw-Siegmund. An dieser Stelle soll ein Dank ausgesprochen werden: Wir hatten in allen Klassen und in allen Fächern vorbildliche Lehrer! Aus dem Schatz ihrer Erfahrung und ihres Wissens heraus versetzten sie uns in die Lage, die unterschiedlichsten Berufswege einzuschlagen. Darüber hinaus gaben sie uns Erkenntnisse über das "Miteinander", über Gemeinsamkeit auf den Lebensweg, deren Wert wir erst später würdigen konnten. Martha Löw, nur wenige Jahre älter als wir, hat uns in diesen zwei Tagen begleitet und betreut. Sie rief uns klassenweise und dem Alphabet nach auf: Jeder sagte einiges iiber sein Leben. Geblieben sind Informationsmomente, verbunden mit dem inneren Bild der Schulfreundin oder des Klassenkameraden auf einer Skala von Worten wie: "Ich bin glücklich darüber, daß . . . ", "Ich bin zutrieden. . . " bis hin zu Aussagen über seelische, gesundheitliche oder soziale Nöte. Viel tapferes Durchhalten und Bewältigen war in den Berichten vertreten.
Es gab aus unseren Reihen auch Einlagen in verschiedenster Gestalt: Josef Hayn, den wir seit Kindertagen Hayno nennen, trug "Besinnlich Heiteres" über unser 60. Jahrgangs-Alter vor; Erhard Müller (Hardi) ließ uns anhand einer heiteren Skizze wie in einem Spiegel erkennen, welchen Verlegenheiten man beim programmierten Wiedersehen ausgesetzt sein könnte, wenn Humor und Verbundenheit außer acht gelassen werden; Anne Polder, auch "Anker" genannt, trug das heute kaum noch bekannte Erinnerungsgedicht über das Türmchen auf der Steilau vor; Iris Lingner hielt Abüge von frühen Klassenbildern für uns bereit. Schließlich konnten wir eine schillernde und geheimnisvolle Darbietung von Illusionismus, von Zauberkunststücken erleben, die Hans Polder zu unserer Freude vorführte. Damit verband er uns in seltsam-inniger Weise mit unseren Kindertagen, mit Herrn Rösslers Taschenspieler-Auftritten. Was Wunder, wenn mitsamt der Polonaise kaum Zeit zum Tanzen blieb! Alles war wichtig, jedes Gespräch zu zweit, in Gruppen und im Ganzen !
Der Gang durch Nürnbergs Altstadt unter der kundigen Führung von Dr. Michael Kroner, der diese Stadt kennt und liebt, war für uns wichtig: die gepflasterten, aufwärtsstrebenden Gassen, die alten Befestigungsanlagen, Brücken und steinerne Engel begrüßten uns wie tief vertraute Bilder unserer siebenbürgischen Heimatstadt Schäßburg. Ein gemeinsames Mittagsmahl beschloß das Treffen.
Habt unseren herzlichsten Dank Anne und Hans Polder, Iris Lingner, Martha Löw und Dr. Michael Kroner! Der Geist dieses Treffens sollte das einander Wiedererkennen und Annehmen in Güte, in alter heimatgegebener Zusammengehörigkeit sein. Ein Wiedersehen wäre schön!

Lilli Pelger/Terplan


 

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