Berichte aus Schäßburg
Schäßburg - Heute und Morgen
Einige kommunalwirtschaftliche Aspekte
Wie auch andere Städte Siebenbürgens und Rumäniens, erlebt
Schäßburg eine schwere Zeit, charakterisiert durch soziale
Unsicherheit und wirtschaftlichen Rückgang. Mit leeren Kassen kann
man auch das Notwendigste nicht tun, auf keinen Fall Berge versetzen.
Und trotzdem sollte die Erhaltung der so wertvollen Bausubstanz unserer
Burg eine Hauptaufgabe sein. Die Lage ist sehr schwierig, daher müssen
die Verantwortlichen den Willen aufbringen, wenigstens größeren
Schaden abzuwenden und mit Renovierungsarbeiten zu beginnen, ehe es zu
spät ist. Anregungen und materielle Hilfe von außen wären
wünschenswert, nur sollte schnell etwas unternommen werden.
Die städtewirtschaftlichen Aktivitäten wurden bislang von der
I.G.O.S. erstellt. Zur Zeit gibt es Ansätze, einige Bereiche zu privatisieren.
Begonnen wurde mit der Straßenreinigung der Müllabfuhr und
dem Einrichten einer den heutigen Anforderungen entsprechenden Mülldeponie.
Es wurde eine deutsch-rumänische Firma gegründet: 5. C. "Ecosal"
S.R.L.: Partner sind Herr Schuster, ein aus der Umgebung ausgewanderter
Siebenbürger Sachse, und das Bürgermeisteramt. Ab dem 1. Mai
1998 hat diese Firma ihre Arbeit aufgenommen. Nach den Spezialmaschinen
zu urteilen, die zum Einsatz kommen, müßte vieles besser werden.
Verblieben bei der Mutterfirma sind die Bereiche Trinkwasser, Kanalisation,
Kläranlage, Beheizung und Warmwasser für die Wohnungen in den
neuen Vierteln sowie der städtische Busverkehr.
Für die Zeitspanne 1998 - 2000 sind folgende Investitionen geplant:
- Verbesserung der Trinkwasseraufbereitung durch das Bauen eines Absetzbeckens.
Einen Teil der Kosten trägt die Stadt Baden (Schweiz) als Hilfeleistung.
- Erstellen einer umweltfreundlichen Mülldeponie
- Erweiterung des Kanalisationsnetzes
- Modernisierung von 4 Heizzentralen
- Bauen von 2 Wohnblocks für Jungvermählte
- Ausführung einer Verbindung zwischen der Cooperatorilorstr. und
Cosbucstr.
- Bauen eines polyvalenten Sportzentrums
- Infrastrukturarbeiten für das neue Wohnviertel Herzesch.
Im Bereich Kultur hat man vor, den Schmiedeturm als Theaterstudio einzurichten.
Leider ist an diesen Vorhaben zu beanstanden, daß keine Arbeiten
an der Burganlage vorgesehen sind. Es hatte sich die Hoffnung breitgemacht,
daß nach der Restaurierung der Bergkirche auch andere Türme
der so nötigen Reparaturen teilhaftig werden, nur fehlen die Finanzen,
obwohl mit etwas Sparsamkeit einige dieser Türme hätten repariert
werden können.
Adolf Hügel (Schäßburg)
Zentrum für Entwicklung und Förderung des Historischen Tourismus
in Schäßburg
In Schäßburg vereinigen sich auf einem relativ engen Raum
fast alle natürlichen und menschlichen Faktoren, die zu einem, unter
vorteilhaften Bedingungen, gut funktionierenden Tourismus führen
könnten.
Trotzalledem war und ist der Tourismus in dieser Stadt weit davon entfernt,
zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor zu werden. Zurückzuführen
ist diese Tatsache auf einen chronischen Mangel an Kapital für die
Restaurierung der mittelalterlichen Burg wie auch auf die unzureichenden
Unterbringungsmöglichkeiten unserer Gäste. Inzwischen ist man
dabei, mindestens die Unterbringung von Gästen in der Stadt zu verbessern,
indem zusätzlich zu dem vorhandenen Hotel und Campingplatz neue Pensionen
und Motels mit wesentlich besserem Komfort und Dienstleistungen, um einem
breiteren Spektrum von Reisenden entgegenzukommen, eingerichtet werden.
Aus der Statistik der in Schäßburg 1996 untergebrachten Gästen
ergibt sich folgende Übersicht:
1. Von 19050 registrierten Übernachtungen waren es 80% Inländer
und 20% Ausländer.
2. Die Ausländer kamen aus folgenden Ländern: Deutschland 16%,
Italien 12,5%, USA 12%, England 8 % Frankreich 7,6%, Österreich
6%, Japan 5,7%, Ungarn 5%, Niederlande 4,8%, Belgien 3,6%, Australien
2,6%. Bemerkenswert ist, daß es Vertreter aus 11 Ländern und
4 Kontinenten waren, wobei diejenigen aus den USA, Japan und Australien
als "Marktforscher" angesehen werden können.
3. Die Dauer des Aufenthaltes beträgt im Durchschnitt 1,4 Tage (bezeichnend
für das noch geringe Angebot).
Es sollte festgehalten werden, daß oben genannte Zahlen sich auf
Übernachtungen beziehen, da die Möglichkeit die tatsächlichen
Durchgangstouristen (z. B. geschätzt wurden 1997 nur in den 3 Tagen
des Festivals für mittelalterliche Kunst ca. 5000 Besucher) statistisch
zu erfassen bis heute nicht bestand.
Eine Auswertung Ende 1997 der anstehenden Touristik-Problematik ergab
folgendes Bild:
- die Unterbringungsmöglichkeiten sowohl zahlenmäßig als
auch qualitativ hat sich verbessert, entspricht aber noch nicht der Nachfrage;
- nicht entsprechend sind die Anlagen der Stadt, die zur Erholung, Entspannung
und Unterhaltung dienen;
- es gibt noch keine Einrichtung zur Besichtigung umliegender touristischer
Objekte (z. B. sächsische Wehrbauten);
- quasi inexistent ist der Beitrag der lokalen Reiseagenturen für
die Einbringung der Stadt und ihrer Umgebung in die Programme der in-
und ausländischen Agenturen;
- noch fehlen Faltprospekte, Landkarten, Broschüren, Reiseführer
der Stadt;
- es fehlt die Strategie und Koordinierung touristischer Aktivitäten
auf lokaler Ebene.
Angesichts dieser Mängel hat die lokale Verwaltung den Beschluß
gefaßt, eine Organisation zum Ausbau und Verwertung des touristischen
Potentials zu gründen.
Kürzlich wurde diese als CEDATIS (Centru de Promovare si Dezvoltare
a Turismului Istoric din Sighisoara) ins Leben gerufen. Diese Organisation
wird in der ersten Etappe finanziell von der EU durch das PHARE-Programm
unterstützt.
Mihai Purenciu, Leiter der CEDATIS (Schäßburg)

Letztes Update:
2004-07-16
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
© 2000 by kdg
|