Gedenkfeier zur Erneuerung
700-Jahre-Feier
seit der ersten dokumentarischen Erwähnung
des Dominikanerklosters in Schäßburg.
Haben Gedenkfeiern nur mit der Vergangenheit und Gegenwart oder vor
allem mit der Zukunft zu tun?
Diese Frage stellte D. Dr. Christoph Klein, der Bischof der Ev. Kirche
A.B. in Rumänien, in der Predigt des Festgottesdienstes anläßlich
der 700-Jahr-Feier seit der ersten urkundlichen Erwähnung des Dominikanerklosters
in Schäßburg. Vom Wort "re-member", der englischen
Bezeichnung für Erinnerung ausgehend, deutete der Bischof Gedenkfeiern
als Zusammenkunft der "members" (Mitglieder) und "Re"-Konstituierung
der Gemeinschaft für die Zukunft, das "remembering" also
als Feier der Erneuerung.
Im Raum der Kirche und also vor Gott, so wie dies in der Geschichte der
Siebenbürger Sachsen stets geschehen ist, fand am Dienstag (12. Mai)
Nachmittag auch diese Feier statt. In seiner überaus gut dokumentierten
Festrede sprach Pfarrer i. R. Dr. Gerhard Schullerus über die Geschichte
und Bedeutung des Dominikanerordens allgemein und für Schäßburg.
Als "Ökumene jener Zeit" hatte Bischof D. Dr. Christoph
Klein das gleichzeitige Bestehen einer traditionellen christlichen Gemeinschaft
und des Alternativen und Erneuerung bringenden Dominikanerordens innerhalb
der Burgmauern bezeichnet. Und er zeichnete Parallelen auf zwischen der
Umbruchzeit von damals und heute und deren Trauer, die die Dominikaner
bei der Auflösung ihrer Klöster empfunden haben und der unsrigen,
beim Auflösen der Gemeinden. Die Feier fand in der "Klosterkirche"
statt, der Kirche, die 1484 - 1515 auf dem Grundriß der ursprünglichen
Kirche des Klosters erbaut worden ist und den Namen nach Auflösung
des Klosters im Zuge der reformatorischen Erneuerung behalten hat.

Dr. Gerhard Schullerus hält den Festvortrug.
Foto: Liviu Rachita
Die Klosterkirche wurde neben der Bergkirche zur zweiten Gemeindekirche
der lutherisch gewordenen Schäßburger Sachsen und ist heute
ihre Pfarrkirche. Einblick in die Geschichte der Klosterkirche bot die
im Beetsaal der Kirche eingerichtete Ausstellung mit überaus wertvollen
Stücken. Vom Original des Ablaßbriefes von Papst Bonifatius
VIII. an das Dominikanerkloster vom 20. März 1298, in dem dieses
in der Stadt "Schespurch" genannt wird, über das Verzeichnis
der Ordensbrüder der Dominikanerklöster von 1525 bis zu alten
Mönchsgewändern aber auch einem Martinsaltar von 1521, dessen
Gemälde Johann Stoß, Sohn des Veit Stoß zugeschrieben
wird und einer Lutherbibel aus dem Jahre 1589 sind da zu sehen. Gestaltet
worden ist die Gedenkfeier von der Gemeinschaft der Schäßburger
aus Siebenbürgen und Deutschland.

Daniel Zikeli führt die Gäste
durch die Ausstellung.
Foto: Liviu Rachita

Blick in den Ausstellungsraum.
Foto: Liviu Rachita
Dr. Christoph Machat, der Vorsitzende des Kulturrates der Siebenbürger
Sachsen in Deutschland hatte den Zeitpunkt vorgeschlagen. Dipl.-Ing. Walter
Lingner, der Vorsitzende der Schäßburger Heimatortsgemeinschaft
half bei der Gestaltung der Ausstellung mit und das Presbyterium der evangelischen
Gemeinde in Schäßburg beim Organisieren der Feier, während
Vikar Daniel Zikeli den informationsreichen Faltbogen über die Klosterkirche
verfaßt hat.

Einweihung der Gedenktafel.
Foto: Liviu Rachita

Parlamentarischer Staatssekretär Manfred Carstens bei seinem Grußwort.
Foto: Liviu Rachita

Gedenktafel an der Klosterkirche.
Foto: Walter Lingner
Gestaltet haben den Festgottesdienst Pfarrer Hans Bruno Fröhlich
und der von Hermann Baier geleitete Kammerchor, mit Erich Türk an
der Orgel.
Gefeiert wurde gemeinsam mit zahlreichen Gästen von nah und fern.
Die vom Parlamentarischen Staatssekretär im BMI Manfred Carstens
geleitete Delegation der u.a. Ministerialdirektor Dr. Frank Reuter angehörten,
der deutsche Generalkonsul Harald Gehrig und der Stellvertretende Bundesvorsitzende
der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Richard
Löw (ebenfalls Schäßburger) waren wie auch Bürgermeister
Constantin Stefanescu und die Repräsentanten aller Konfessionen dabei.
PStS Manfred Carstens überbrachte in seinen Worten die Grüße
von Bundeskanzler Helmut Kohl und äußerte sich "überwältigt
mitzuerleben, wie die Deutschen hier über Jahrhunderte hinweg deutsch
geblieben sind".
Auch wies er, die Trennung der Gemeinschaft der Schäßburger
durch Grenzen ansprechend darauf hin, daß Gott mit uns als Einzelnen
und als Teil eines Volkes einen Plan habe, demzufolge jeder, dort wo er
ist, seine Aufgabe zu erfüllen hat.
Dreikonfessionell und -sprachig - evangelisch-deutsch, orthodox-rumänisch,
und katholisch-ungarisch - ist die Gedenktafel an der Klosterkirche von
Bischof Christoph Klein, Pfarrer Jon Boian und Kaplan Robert Mathe geweiht
worden.
Enttäuschung herrschte, daß der rumänische Kulturminister
Ion Caramitru zur Feier nicht gekommen war. Vor deren Beginn hatte die
deutsche Delegation die Bergkirche besichtigt, deren Restaurierung im
Oktober abgeschlossen werden soll.
Hannelore Baier

Letztes Update: 2003-08-24
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