HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
Zum Gedenken an Professor Karl Gustav ReichGestorben am 19. Dez. 1997 in Gießen im Alter von fast 93 Jahren
Als am 18. und 19. Oktober 1997 die 475 Gedenkjahrfeier der Bergschule in Schäßburg begangen wurde, schrieb Professor Karl Gustav Reich, der aus Altersgründen an dieser Feier leider nicht teilnehmen konnte, u. a.: "Ich denke oft und gerne an die 17 Jahre, die ich an unserer Bergschule wirken durfte. Es waren meine schönsten Lehrjahre. Der oft zitierte Geist der Bergschule, der in Jahrhunderten entstanden, war überall zu spüren. Das Erziehungsziel, junge Menschen zu bilden, die ihrem Land, ihrem Volk, ihrem Glauben ein Leben lang treu bleiben, hier wurde es verwirklicht." Damit hat Professor Reich zum Ausdruck gebracht, wie sehr er sich dieser Schule verbunden gefühlt hat. Er war es eben auch, der, als anläßlich der Schulreform in Rumänien im Jahre 1948 die beiden deutschen Lehrerbildungsanstalten Siebenbürgens zusammengelegt wurden, um als neue deutsche pädagogische Anstalt an der Bergschule ihr Wirken fortzusetzen, den Zeitgeist erfaßt hatte und, selbst Opfer auf sich nehmend, mit den Schülern aus Hermannstadt nach Schäßburg kam. Damit wurde das Lehrerkollegium in Schäßburg um einen erfahrenen Pädagogen bereichert, der sich durch seine Vielseitigkeit als eine nicht mehr wegzudenkende Persönlichkeit erwies. Seine Pädagogikstunden wurden für die angehenden Lehrer und Lehrerinnen zum Erlebnis, weil er es verstand, in seinen Unterrichtsstunden nicht nur Fachwissen zu vermitteln, sondem auch Freude am Unterricht zu wecken. Und wenn er als Mundartdichter vielen Menschen in einer nicht gerade lustvollen Zeit so viel Freude und Frohsinn beschert hat, so hat diese Begabung auch auf seine Schüler eine unverkennbare Wirkung gehabt, wußte er doch selbst in Bedrängnis geratene Situationen humorvoll zu überbrücken (man denke nur an das pädagogische Kabinett!). Unvergeßlich sind die unter Leitung von Professor Reich gehaltenen Übungsstunden der angehenden Lehrerinnen und Lehrer in der der pädagogischen Anstalt angeschlossenen Übungsschule. Und um die Erfahrung zu erweitern, wurden solche Stunden sogar in den Schulen des benachbarten Mediasch gehalten. Zur kulturellen Blütezeit der Bergschule, als unter der Regie von Margot Göttlinger und Professor Egon Machat bedeutende Theaterstücke aufgeführt wurden, da hat auch Professor Reichs sächsisches Theaterstück "Der Gezkruegen" seinen Siegeszug angetreten. Einige der Theaterstücke fanden durch die von Trude Zikeli eingeübten Tänze auch eine tänzerische Umrahmung, die vom semisymphonischen Orchester unter Leitung von Professor Paul Schuller begleitet wurden. Professor Reich hat sowohl im Schulorchester als auch im städtischen semisymphonischen Orchester am 1. Pult die erste Geige gespielt und war zeitweise sogar Konzertmeister. Er war als musisch begabter Mensch ein bedeutender Förderer dieser kulturellen Veranstaltungen. Seine Ausgeglichenheit hat ihn bei Schülern und Lehrern so beliebt gemacht. Schüler wußten zu berichten, daß er ihnen manchmal sogar eindrucksvolle Erlebnisse aus seiner Studienzeit erzählt hat. Solches Verhältnis schafft Vertrauen. Und somit haben sich Schüler nicht selten vertrauensvoll an ihn gewendet, wenn sie mit einem Problem nicht fertig wurden, und immer fand er ein gütiges Wort, das ihnen Mut und Zuversicht zusprach. Unvergeßlich bleiben seine immer frei vorgetragenen Gedichte anläßlich von vielen Veranstaltungen sowohl in Siebenbürgen als auch hier in der Bundesrepublik Deutschland. Beide, seine Gattin und er, waren daher stets willkommene Gäste solcher Veranstaltungen. Für Schäßburg und den anderen Orten, wo Karl Gustav Reich tätig war, war sein Wirken eine große Bereicherung, und somit wird ihm Schäßburg, und es werden ihm die unzählig vielen Menschen, denen er durch seine Werke und durch seine Persönlichkeit so viel Freude und Zuversicht zugesprochen hat, ein dankbares Andenken bewahren. Friedrich Menning |