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Im Vorfeld der Wiedereinweihung der BergkircheBeitrag zur KirchengeschichteVivos voco, Mortuos plango, Fulgura frango
Wenn dereinst die Geschichte unserer ehrwürdigen Bergkirche fortgeschrieben wird, sollte auch eines erfolgreichen Unternehmens gedacht werden, das sich in der Erinnerung von Hans Böhm - in den Jahren 1964 bis 1970 in Schäßburg Archivar, Konsistorialrat und Bezirkskirchenkurator - wie ein Husarenstreich ausnimmt. Bei seinen Arbeiten im Archiv fand er ein Schreiben des letzten Pfarrers von Jakobsdorf namens Schneider, in dem dieser seiner Kirchenbehörde abschließend mitteilt, daß er die Kirchenglocke der rumänischen Gemeinde zur Aufbewahrung übergeben habe, da es in seiner Gemeinde nunmehr nur noch drei ev. Christen gäbe. Aus einem späteren Schreiben des Pfarrers einer Nachbargemeinde erfuhr unser Informand, daß dieser versucht habe, die Glocke stillschweigend in einer Nacht- und Nebelaktion in seiner Gemeinde in Sicherheit zu bringen, was leider mißlang, da sich die ortsansässigen Rumänen diese als "Wetterglocke" auch innerlich vereinnahmt hatten: "Es kam zu ernsthaftem Streit zwischen unseren wackern Sachsen und den sich inzwischen angesammelten Rumänen und Zigeunern, die den Vorteil der Übermacht nutzten, die Glocke von den Wagen zu zerren und die sich wehrenden Begleiter des Wagens zu verprügeln." Dieser Bericht regte H. Böhm zu einem zweiten Versuch an, die Glocke wieder in den Besitz der ev. Kirche zu überführen. Er versicherte sich der Zustimmung des Dechanten und Stadtpfarrers A. Schaser und des Anwalts Graffius. Daraufhin beschloß man, beim Landesbischof F. Müller eine Rückführung zu beantragen. Dieser versagte jedoch seine Zustimmung, da er sein gutes Verhältnis zu dem Metropoliten der orthodoxen Kirche damit nicht belasten wollte. Als ehemaliger Seminardirektor hätte er seine Schäßburger Gemeinde eigentlich besser kennen müssen... vielleicht aber ahnte er auch nur voraus, daß sich ein Schäßburger immer auch anders zu helfen weiß. So beschloß man, das Anliegen ohne bischöflichen Segen in die Tat umzusetzen. Die Vorbereitungen lesen sich wie ein Schlachtenplan mit minutiöser Zeiteinteilung. Die Glocke war unter einem Stapel Brennholz versteckt. Kräftige Männer mit Ortskenntnissen und Zugang zu einem Kleintransporter mußten gefunden werden. 1500 Lei für den Gewährsmann und Benzin für den Transporter waren die aufzubringenden Unkosten. Dieses Mal war das Unternehmen von Erfolg gekrönt, der Stadtpfarrer konnte die Glocke aus der Hand wackerer Männer an der Bergkirche in Empfang nehmen. Was aber war noch zu tun? Nach Gesetz und Ordnung mußte das Anliegen im Presbyterium und anschließend in der Gemeindevertretung bestätigt werden. Wir wollten es genau wissen und ließen uns die Protokolle für unsere HOG-Akten ablichten. Im Presbyteriumsprotokoll (31. Oktober 1968) ist vermerkt: "Nach einer kurzen Aussprache über das Alter, die Art und den Klang der Glocke wird über den gestellten Antrag abgestimmt. Bei namentlicher Abstimmung sind alle Anwesenden für den gestellten Antrag. Beschluß: Der schriftliche Antrag von Altkurator Dr. Alfred Leonhardt, die Jakobsdorfer Glocke, gegossen im Jahre 1483, gegen das Sterbeglöckchen der Bergkirche zu tauschen, wird - nachdem Größe und Gewicht beider Glocken fast gleich sind - einstimmig gutgeheißen und soll als Beschlußantrag des Presbyteriums der löblichen Gemeindevertretung zur Beschlußfassung vorgelegt werden. In dem Protokoll der Gemeindevertretung (10. November 1968) ist der gleiche Wortlaut mit folgender Ergänzung wieder zu finden: "...der nach einer Aussprache, an der sich mehrere Gemeindevertreter beteiligen, durch namentliche Abstimmung einhellig zum Beschluß erhoben". Für uns Nachfahren bleibt zu ergründen: - ob und wann der vorgesehene Tausch stattgefunden hat, da es uns interessieren muß, wo das ehemalige Sterbeglöckchen unserer Väter abgeblieben ist. - Zudem fiel uns auf, daß H. Böhm von Jakobsdorf bei Mediasch
spricht, im Protokoll des Presbyteriums aber von Jakobsdorf bei Elisabethstadt
die Rede ist und vermuten, daß es sich um den Ort Giacas handelt,
der gelegentlich auch unter der Bezeichnung "Gogeschdorf" auf
den Heimatkarten zu finden ist. Abgesang: Dieser Beitrag wurde für Heft 10 unserer "Schäßburger Nachrichten" vorbereitet, das nach gegenwärtiger Planung der Wiedereinweihung unserer Bergkirche gewidmet sein soll. Ein thematischer redaktioneller Beitrag schien uns aus diesem Anlaß angemessen. Das in der Baugeschichte der Bergkirche "als Jahr der Vollendung" festgeschriebene Jahr 1483, das Entstehungsjahr dieser Glocke in Luthers Geburtsjahr, wäre so ganz ein Dreiklang nach unserem Sinne. Heinz Brandsch
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