HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Zum Geleit

"Die Geschichte gehört dem, der sie erzählt"

Die "Schäßburger Nachrichten" im gegenwärtigen Umfeld zu verantworten, setzt zumindest einen Grundkonsens voraus, wenn es denn bei der bekannten Wunschvorstellung "... und um alle deine Söhne schlinge sich der Eintracht Band" bleiben soll, aber besonders dann, wenn damit Söhne Siebenbürgens unterschiedlicher Nationalität, Muttersprache und Religionsgemeinschaft gemeint sind. Einen solchen Konsens in Zeiten mit abnehmendem äußeren, ethnischen Druck sichern zu wollen, scheint jedoch schwieriger als in den vergangenen Jahrhunderten: Not schweißt zusammen, fehlender Mittelpunkt und auseinanderstrebende Interessenlagen fördern eine eher gegenläufige Entwicklung.

Was uns in solcher Situation als lokales "Informationsblatt" zu respektieren bleibt, ist z. T. vorgegeben:
- Die "Siebenbürgische Zeitung" hat als (zweimal monatlich erscheinende) Zeitung ihre unvoreingenommene Aktualität als Markenzeichen. Eine umfassend informative Berichterstattung aus der alten und neuen Heimat bleibt ihre vornehmste Aufgabe. Persönliche Kontroversen mögen auch künftig "außen vor" bleiben.
- Es scheint auch natürlich, dass sich wissenschaftliche Arbeiten vornehmlich an historischen Fragestellungen orientieren, gleichgültig ob die Arbeiten natur- oder geisteswissenschaftliche Themen zum Gegenstand haben. Woran der geneigte Leser allerdings besonders interessiert bleibt, sind nachprüfbare, ihm in der Vergangenheit vorenthaltene oder nicht zugängige Fakten. Nicht "wertfreie" wohl aber "wertungsfreie" Informationen sind gefragt! Als Motivation reicht es allerdings auch nicht aus, den Nachweis führen zu wollen, wo unsere "Altvorderen" irrten. Wer in jungen Jahren keine kühne Hypothese wagte, wird im Alter nie zu Einsichten kommen ...
- Schriftstellern und Schriftgelehrten, die mit großen Vorbildern verglichen werden möchten, sollte man Goethes Spannungsfeld zwischen "Dichtung und Wahrheit" gelassen zugestehen, vorausgesetzt, man wird im Klappentext des Schutzumschlages vom Verlag auf die Grenzen beider wahrheitsgetreu aufmerksam gemacht.

Nach solchen, auf wenige Punkte relativierten Abgrenzungen sollte es eigentlich verhältnismäßig leichter fallen, auch eine Standortbestimmung für die "Schäßburger Nachrichten" festzuschreiben. Fest steht jedoch nur, dass für Mitwirkende wie Adressaten der Schäßburger Hattert die Grenze aller Berichterstattungen bleibt, ob in Siebenbürgen, Deutschland, Österreich, Kanada o. a. 0. Aber selbst was nach dieser angestrebten territorialen Beschränkung verbleibt, ist schwer zu bewältigen.

Wir sind in der Absicht angetreten, den Zusammenhalt unserer Heimat-Ortsgemeinschaft so lange wie möglich zu begleiten und mit Ihrer Hilfe Wissenswertes aus der Überlieferung und eigenem Erleben für die Zukunft aufzubewahren. Die zweite Hälfte unseres Jahrhunderts ist aber nunmehr in Sonderheit gefragt. Wer sich "der historischen Wahrheit und nichts als der Wahrheit" verpflichtet fühlt, hat schon einen Bonus für die Unsterblichkeit unserer Stadt und ihrer Bürger geleistet.

Bereits "verbriefte Überlieferungen" werden uns und unseren Nachfahren auch künftighin für Aus? und Bewertungen zur Verfügung stehen. Wir werden sie bei Lebzeiten stets im Auge behalten müssen. Was uns aber gegenwärtig vorrangig interessieren muss, sind gemeinschaftsbezogene persönliche Erinnerungen und Erlebnisse, die (weil erst- oder gar einmalig) vorerst zunächst einmal für spätere Auswertungen "festgeschrieben" werden müssen. Aus solcher Sicht haben wir auch obiges Zitat (von M. Staehelin) zum Geleitwort für diese Ausgabe gewählt, weil es unser gegenwärtiges Anliegen in seinem Doppelsinn auf eine Kurzformel bringt:
- Die Geschichte unserer Stadt gehört jedem nur, so lange er davon authentisch zu berichten weiß.
- Ein persönlicher Beitrag an die Adresse der Redaktion bleibt des Autors Eigentum, "gehört ihm". Daraus aber erwächst ein nächstes Problem: Persönliche Erlebnisse bei überlieferter und allgemein bekannter Fähigkeit, diese überzeugend zu erzählen, sind häufig mit Vorbehalten belastet, diese auch selbst zu Papier bringen zu sollen. Dies sollte jedoch kein Grund sein, sie der Redaktion vorzuenthalten, auch wenn es deren Aufgabe bleiben muss, "Schwerpunkthefte" zu gestalten und unseren Enkeln eine anspruchsvolle "Schriftenreihe" zu hinterlassen.

Vorstellbare Änderungsvorschläge werden stets intern mit dem Autor abgestimmt. Auf diese Weise möchten wir möglichst viele Landsleute zur "Geschichtsschreibung" anregen. Den bekannten redaktionell distanzierenden Hinweis, dass der Beitrag allein die Meinung des Autors (somit auch nicht der Redaktion) widerspiegelt, wird es bei uns nicht geben. An dessen Stelle setzen wir lieber die Forderung, dass die Berichte einen historischen Stellenwert besitzen und ein allgemeines Interesse erwarten lassen.

Letztendlich scheint es auch an der Zeit, nach jüngeren Landsleuten Ausschau zu halten, die bereit sind, sich in die redaktionelle Arbeit einführen zu lassen, sozusagen als Vorbereitung auf eine sinnvolle Rentnertätigkeit, die den häuslichen Frieden eher fördert als stört. Ein PC ist nicht nötig, ließe sich aber (als veraltetes Modell) sicher von den Enkeln erben, die dann das übernächste Redaktionskollegium bilden können.

H .Brandsch


 

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Letztes Update: 2004-01-06 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg