Laudatio
An unseren "ersten" Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaft
Schäßburg Prof. Dr. Heinz Brandsch
Verehrte Schäßburger,
trotzdem nun schon mehr als ein Jahr seit der Neuwahl des HOG-Vorstands
beim Schäßburger Treffen in Heilbronn 1997 vergangen ist, bei
der sich Prof. Heinz Brandsch auf eigenen Wunsch nicht nochmals zur Wahl
gestellt hat, möchten wir ihm verspätet, dafür um so herzlicher,
für seinen sehr persönlichen Einsatz für die HOG Schäßburg
danken.
Einerseits bin ich mir bewusst, wie schwierig es ist, eine Laudatio zu
verfassen, andererseits tue ich es sehr gerne, weil es unser aller Wunsch
ist, Heinz Brandsch und sein beispielhaftes Verhalten und Führen
der Heimatortsgemeinschaft Schäßburg zu würdigen, das
für alle nachfolgenden HOG-Vorstands-Generationen als bleibendes
Vermächtnis empfunden werden muß. Dabei muß ich einschränkend
sagen, daß ich Heinz Brandsch erst während unserer gemeinsamen
Tätigkeit für die HOGSchäsburg kennengelernt habe.
Es gibt wohl keine bessere Quelle zur Beurteilung einer Persönlichkeit
wie das aufmerksame Studium der Ansprachen, die von Heinz Brandsch in
diesen Jahren des Aufbaues der Heimatortsgemeinschaft Schäßburg
gehalten wurden.
Erinnern wir uns, wie alles bei der Gründungsversammlung am 15. Mai
1993 begann, die Anwesenden werden wohl alles noch in bleibender Erinnerung
behalten haben.
Die heftigen Debatten von der Detail- bis zur tiefgründigen Grundsatzdiskussion
waren unvermeidlich angesichts der unterschiedlichen und vielfältigen
Lebensläufe, Lebenserfahrungen und -synthesen einer gemeinsamen Geschichte,
aber vor dem Hintergrund total veränderter Randbedingungen, vieles
war ja in Bewegung geraten, verständlich.
Man schaffte dennoch den Konsens mit der Wahl eines Vorstands, ging auseinander,
ohne zu wissen, ob wir das wohl schaffen werden, die Heimatortsgemeinschaft
Schäßburg mit Leben zu füllen. Aber alle waren bereit,
was zu tun, mit wahrem Pioniergeist bis zum Übereifer. Dabei waren
wichtige Fragen zu beantworten, Zitat:
- "Wie wollen/dürfen wir mit der Geschichte unseres Volkes
umgehen? Das Leben und Wirken von 30 Generationen seit unserer Einwanderung
steht auf dem Prüfstand!
- Welche Ideale/Voraussetzungen/Erfahrungen bringt der Einzelne von
uns mit ein?
- Wie sichern wir, daß unsere Heimatortsgemeinschaft Schäßburg
nicht der Ort wird, wo die Sünden der Väter' biblischem
Verständnis nach bis ins siebte und achte Glied aufgerechnet und
verfolgt werden?
- Welche Möglichkeiten haben wir um, dereinst' vor unseren
Vätern, aber auch vor unseren Nachfahren als ehrenwert gelebt
und gestorben' dazustehen?"
Diese Fragen stellte Heinz Brandsch in den Raum, dies waren die Hausaufgaben,
die er uns auf den Weg gab!
Es gab nicht nur eine segensreiche Arbeitsteilung unter seiner Führung
im Vorstand, sondern auch eine Vielfalt von Persönlichkeiten unterschiedlicher
Generationen, die sich nicht ersetzen, aber gut ergänzen konnten,
die aber nur durch seine Führungskunst und Führungskraft zur
"Einheit in der Vielfalt" werden konnten.
Der Erfolg stellte sich ein, nur einige Meilensteine seien hier erwähnt:
Die "Schäßburger Nachrichten" erschienen; Zahlreiche
Hilfsprogramme wurden für Schäßburg ins Leben gerufen;
Spurensicherung wurde betrieben; Einweihung des Oberth-Denkmals in Schäßburg
im Mai 1994; Schäßburger Treffen Heilbronn August 1994; Treffen
in Schäßburg, Einweihung der Gedenktafel in der Klosterkirche;
Empfang beim Bürgermeister August 1995; Schäßburger Treffen
Heilbronn August 1997, Mitgliederversammlung und Neuwahlen; 475 Jahre
Bergschule, Festveranstaltung in der Aula.
Wenn die erste Festrede von Heinz Brandsch 1994 in Heilbronn durchaus
begründet voller Fragen und Zweifel war, ist die Festrede zur 475-Jahresfeier
der Bergschule 1997 eine Hommage an den Geist unserer Bergschule als Schule
"unserer Nation" in Schäßburg.
Die optimistische Aufforderung und Ermutigung der rumänischen Behörden,
aus der Bergschule eine Begegnungsschule zu machen, ist als Zukunftsweg
Siebenbürgens nach Europa zu verstehen. Zitat:
"Wenn Sie darauf aufbauend dann allen ihren Völkerschaften das
Selbstbestimmungsrecht einräumen und den staatsrechtlichen Schutz
aller ethnischen Minderheiten gewährleisten, und im konkreten Fall
vielleicht schon damit beginnen, aus unserer Bergschule eine Begegnungsschule
zu machen, haben Sie für Europa ? und besonders für Ihr Land
? mehr getan als alle klugen Leute in Brüssel oder Straßburg
zusammen genommen, wo zwischen Wort und Tat immer noch Welten klaffen."
Selbst hat er J. J. Rousseau zitiert:
"Die Jugend ist die Zeit, Weisheit zu lernen, das Alter die Zeit,
sie auszunützen."
Heinz Brandsch lebt uns vor, daß man auch im Alter Weisheit lernen
kann. Eine weitere Herausforderung an uns alle!
Sein Stil zu führen ist geprägt von Toleranz, Geduld, Nachsicht,
Selbstsicherheit mit dem Ziel zu integrieren, unbeugsam davon überzeugt,
daß diese Integration jedes Einzelnen im Vorstand nur dann erfolgreich
sein kann, wenn sie aus eigener Einsicht erfolgt.
Welch ein großes Vertrauen in die Einsicht zur Vernunft!
Dieses war eigentlich die größte Herausforderung die er an
uns alle gestellt hat "aus eigener Einsicht zur Vernunft zu kommen!"
Dieser Führungsstil ist unverkennbar der Ausdruck seiner tiefen humanistischen
Bildung und Überzeugung in bester siebenbürgischer Tradition.
Weil sich unser Vorsitzender seinen eigenen Ausführungen nach, wenn
ich sie richtig deute, als Führungsprinzip eher an Friedrich II.
(dem ersten Diener seines Staates) denn an Ludwig XIV. (L'etat c'est moi)
orientiert, erwartet er auch kritische Anmerkungen zu seiner Person.
Seine vornehme akademische Zurückhaltung, durch Überzeugung
und nicht durch Abstimmung Entscheidungen in der Sache herbeizuführen,
ist oft gerade von denen mißverstanden worden, an die sie gerichtet
war.
Lassen Sie mich mit einer persönlichen Anmerkung zum Schluß
kommen:
Wer als Angehöriger dieser "Generation im Zwiespalt", die
1944 in den Krieg zog und auf die nur noch der Heldentod wartete, überlebte,
und sich von den 1000-jährigen Alpträumen wie Heinz Brandsch
befreien konnte und dann auch noch den "real existierenden Sozialismus"
(Kommunismus) ostdeutscher Prägung d. h. zwei Diktaturen nach dem
Kant'schen Imperativ "handle so, daß die Maxime deines Willens
jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten kann"
überstand, verdient unsere besondere Achtung.
Roland Zebli

Letztes Update: 2004-01-06
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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