HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Bericht über eine 9tägige Reise nach Siebenbürgen

in Erinnerung an die Matura 1940 in Schäßburg

Die Vorbereitung und Reiseleitung lag in den Händen von Herrn Dr. Otfried Pustejowsky, Lehrer und Historiker aus Böhmen, verheiratet mit einer Kronstädterin. Fahrer und Besitzer des Busses war Johann Wedau aus Waakirchen. In Rumänien wurde uns noch ein rumänischer Reisebegleiter mitgegeben. An Bord waren Hilfsgüter für die dortige Bevölkerung, Getränke und Würstchen für die Mitreisenden. Diese waren: Karl Frank und Ehefrau Sonja, Gerhard Lang, Erwin Teutsch mit Marianne Schiffbäumer geb. Schieb aus Hermannstadt mit ihrem Neffen Hubert Haller, Martha Schneider mit Tochter Susanne und Schwiegersohn Peter Klusmann, die Enkeltochter Julia Teutsch, Kurt Weber mit Ehefrau Anneliese, Erwin Ziebart mit Ehefrau Livia, Frau Rita Schuller, Frau Liese Kuales-Hoffrichter, Frau Jetta Sonntag mit Tochter Dietrun Gärtner.
Die Reise mit Start und Ziel war in München (21.9.98 - 30.9.98) und 2 Übernachtungen in Szeged (Hotel Hungaria), 2 Übernachtungen in Hermannstadt (Römischer Kaiser), 3 Übernachtungen in Schäßburg (Hotel Rex) und 2 Übernachtungen in Kornstadt (Hotel Aro). Unterkunft und Verpflegung waren zufriedenstellend.

Das Wetter war hervorragend, schöne sonnige Herbsttage, wie wir sie von früher in Erinnerung hatten. In folgenden Orten wurden eingehende Besichtigungen durchgeführt: Mühlbach, Hermannstadt, Heltau, Michelsberg, Wurmloch, Birthälm, Mediasch, Schäßburg, Repser Burg, Kronstadt, Marienburg, Honigberg, Tartlau. - Teilgruppen besuchten von Schäßburg aus Peschendorf, Nadesch, Agnetheln und Schönberg.

Während der Fahrt im Bus und bei den Besichtigungen erhielten wir vom Reiseleiter ausführliche und wertvolle Erläuterungen. Die Beschäftigung mit der historischen und kulturellen Entwicklung und durch die wiederholten Reisen nach Siebenbürgen vertieften Kenntnisse, befähigten Herrn Dr. Pustejowsky zu kompetenten Ausführungen. Im Vergleich zu früheren Fahrten konnte er auf Fortschritte hinweisen. Die Straßenverhältnisse hatten sich beispielsweise verbessert. Die Straße nach Hermannstadt ist erneuert und gut befahrbar, obwohl durch den wachsenden Transit in die Türkei stark belastet. Für Durchreisende gut sichtbar, haben sich Neureiche (Zigeuner) palastartige Villen bauen lassen. In siebenbürgisch-sächsischen Dörfern fallen die vielen, verlassenen Häuser mit geschlossenen Fensterläden auf. Die Landschaft ist schön, nicht so dicht besiedelt, große landwirtschaftliche Flächen, die Kartoffelernte in Gang. Verfallene Bausubstanz, auch an Kirchen, Burgmauern. Ausgenommen wenige Objekte, die z. T. mit ausländischer finanzieller Hilfe restauriert werden. In den Dörfern fällt das natürliche, einfache Leben auf. Bettelnde Kinder, aber Gastfreundlichkeit. Das Bemühen, den Tourismus zu fördern, neue Hotels, Gastwirtschaften werden errichtet. Wiederingangsetzung stillgelegter Betriebe, z. T. ebenfalls mit ausländischer Finanzhilfe, Neuansiedlung von wirtschaftlichen Unternehmen sind erfolgt, wenn auch - wie man hört - mit viel bürokratischen Hemmnissen. Allgemeines Klagen: die große Teuerung, es reicht kaum für das Essen, Kleidung unbezahlbar, Angst vor steigender Kriminalität, daß man Heizung, Wasser, Strom nicht bezahlen kann. Man sieht aufgelassene Farmen, vergammeltes landwirtschaftliches Gerät, Müllablagerungen, viele Zigeuner.

Die restliche deutsche Bevölkerung: Überalterung, Bestattungen, wenn Ehen: dann gemischte, Rückgaben von Besitz nur selten, unter Schwierigkeiten. Land zum großen Teil noch gemeinschaftlich bewirtschaftet. Für Privatisierung fehlt Erfahrung, Unternehmensgeist, Geld für Maschinen, Saatgut. Auch die Öffentliche Hand leidet an Geldmangel. Die Korruption blüht. - Dies die allgemeinen Eindrücke.

Der Aufenthalt in Schäßburg: Der erste Blick auf die Stadt vom Steilau-Türmchen wird erst möglich nach beschwerlichem Aufstieg und Gang durch Schrebergärten. Aber es lohnte sich: ein schöner Anblick! Bei der Fahrt durch die Albertstraße, über die neue Brücke Richtung Weißkirch fällt auf, daß viele alte Häuser fehlen. Der Bus setzte uns am folgenden Vormittag am Marktplatz ab. Von dort aus Aufstieg zur Burg unter dem Stundturm, Besichtigung der Klosterkirche unter Führung von Metta Kovacs. Einladung vom Bürgermeister Stef?nescu zur Verabschiedungsfeier im Komitatshaus der Krankenschwester Antje aus Bremen, der für ihre 5jährige aufopfernde Tätigkeit in Schäßburg und Umgebung die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen wurde. Wir erfuhren auch, daß Schäßburg in die Liste erhaltenswerter europäischer Kulturgüter aufgenommen worden war und daß die Stadt große Anstrengungen machte, um die Lebensverhältnisse zu verbessern. Der Bürgermeister bedauerte die Abwanderung so vieler Sachsen, die eine empfindliche Lücke zurückgelassen hätten; er wies auf die Geldknappheit hin und hoffte auf finanzielle Hilfe aus dem Ausland.

Erwin Ziebart dankte für die Einladung zu diesem Empfang und brachte die Zuversicht zum Ausdruck, daß das Interesse an der alten Heimat auch bei den jüngeren Generationen erhalten bleibt.

Es folgte die Besichtigung des Museums im Stundturm mit schönem Rundblick über die Stadt.
Durch die Schulgasse und über den Umweg ging es unter Führung vom ehemaligen Rektor Hermann Baier dann zum Friedhof, wo die Gräber unserer ehemaligen Lehrer besucht wurden. Die Bergkirche und das Gymnasium waren die nächsten Stationen. In der Aula hörten wir ein Tonband von Herrn Oberth über seine Studien zur Raumfahrt während seiner Gymnasialzeit und konnten die alten Klassenräume wiedersehen - die so manche Erinnerungen wachwerden ließen. Der Rundblick vom Gymnasiums-Türmchen über die Stadt und die schöne Umgebung war ein Höhepunkt dieser Reise. Ein weiterer folgte dann am Abend im Alberthaus, wo wir auf Einladung des Ehepaares Wiltrud und Hermann Baier gemütlich beisammensaßen, der alten Lieder und unserer schönen Schulzeit gedachten.
Unser Gastgeber hatte uns dazu heimisches Gebäck und Getränk aufgetischt, das großen Anklang fand.
Am Sonntag nahmen wir am Gottesdienst in der Klosterkirche teil, wobei uns bewußt wurde, wie groß die Bedeutung der Kirche auch heute ist, als Ort der Begegnung für das Häuflein der Übriggebliebenen.
Kurzausflüge auf die Breite oder auf die Villa Franca, der Besuch bei alten Freunden und Verwandten, das Wiedersehen mit dem Elternhaus waren weitere bewegende Momente dieser Reise.
Und die Fragen drängen sich auf: Wie wird es weitergehen? Werden sich die Lebensverhältnisse bessern? Womit können wir den Leuten das Leben erleichtern? Wird man sich wiedersehen?

Erwin Teutsch


 

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Letztes Update: 2004-08-17 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg