HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Roland Albert - Nachruf

Deiner Sprache, Deiner Sitte,
Deinen Toten bleibe treu!
Steh' in Deines Volkes Mitte,
Was sein Schicksal immer sei!


Roland Albert


Geboren am 21. 4. 1916 in Schäßburg, Siebenbürgen. Aufgewachsen in den Nachkriegsjahren des l. Weltkrieges in seiner ihm unvergessen gebliebenen Vaterstadt Schäßburg, wobei er seine Lebensfreuden und Werte in Form von Musik, Lyrik, Philosophie und Naturverbundenheit im Mühlenham und nur spärlich in Form von Geld und Gut fand.

Motiviert, als Enkel des Siebenbürger Heimatdichters Michael Albert, am Gymnasium seiner Vaterstadt Professor für Mathematik und Physik zu werden, begann er sein Studium in Klausenburg.

Um als Freiwilliger für Deutschland in den Krieg zu ziehen, brach er sein Studium ab und fand, nach großen Enttäuschungen, Gefangenschaft und Suche nach seiner Familie erst 1945 verletzt und geistig entwurzelt in Tirol eine neue Heimat.

In Schwoich bei Kufstein schaffte er für sich, zusammen mit seiner geliebten Frau Gertrud und seinen beiden Söhnen Richard und Roland (seinen einzigen, aber für ihn unendlich wertvollen Besitz) ein neues bescheidenes Zuhause.

Mit ungebrochenem Lebensmut, viel Fleiß und voller neuer Zuversicht stürzte er sich auf alle Möglichkeiten, seine Lieben zu versorgen. Er verdingte sich als Holzfäller, arbeitete als Elektriker, Maschinist und Lagerverwalter bei der Fa. Lechner, bis er (zusammen mit seiner Frau) Religionslehrer in Kufstein und schließlich Buchhalter wurde. Leidenschaftlich nutzte er fast jede freie Stunde, seiner Passion nachzugehen, Teile seines ungeheuer vielseitigen Wissens in Privatstunden weiterzugeben.

Seine Liebe galt all die Jahre der Jugend, bei der er es (auch in amtlich "hoffnungslosen Fällen") neben der Wissensvermittlung schaffte, vor allem Hoffnung, Motivation, Begeisterung, ja sogar Freude an üblicherweise ungeliebten Fächern zu wecken.

Seine eigentliche Berufung fand er erst in seinen letzten Berufsjahren, in denen er nur noch als Privatlehrer tätig war. Sein Eifer in dieser Tätigkeit war so groß, daß er auch im wohlverdienten Ruhestand seine Zeit oft mit treuen Schülern am Schreibtisch verbrachte.

Daneben war er jahrzehntelang Organist der ev. Kirchengemeinde, Sänger nicht nur im Kirchenchor, sondern auch im Kufsteiner Singkreis, und sah jahrelang auch die Mitgliedschaft im Schachklub Kufstein als eine reizvolle Herausforderung an.

Nach dem viel zu frühen Tod seiner Frau Trudi, die 41jährig 1962 starb, hat er sich als Vatermutter mit all seiner Kraft für seine beiden Sohne eingesetzt. Dabei ermöglichte er nicht nur deren berufliche Ausbildung, sondern flocht mit jedem seiner Söhne, parallel auch intensiv mit vielen seiner Freundinnen und Freunde weiter an den verbindenden seelischen, musikalischen, geistigen und menschlichen Bändern seines unerschöpflichen Bewußtseins.

Mit großer Freude und Dankbarkeit umarmte er nach den vielen Jahren der erzwungenen Trennung ab den 60er Jahren seine Mutter, seine Schwester und viele weitere Verwandte und Freunde aus der alten Heimat und durfte noch in so manchem Familien- und Landsmannschaftstreffen Sinn und Freude finden. Innig fühlte er sich auch seinen Enkeln und Urenkeln verbunden.

Nach etlichen Jahren des ruhelosen Suchens von Kraft, teils in den Tiroler Bergen, teils in vielerlei geistigen Welten, fand er endlich wieder Liebe, Verständnis und Anerkennung bei seiner langjährigen Lebensgefährtin Uschi.

Bei ihr fand er auch wieder zu seiner Kreativität und seinem Mut, an den vielen, all die Jahre zugunsten anderer vor sich hergeschobenen Projekte zu arbeiten. Wir verdanken ihm heute eine große Sammlung von weltanschaulichen Abhandlungen und Kommentaren auf vielerlei Gebieten wie beispielsweise Lyrik, Musik, Kunst und Philosophie.

Einen Einblick in seine Denkweise, der uns auch Trost in dieser Stunde bietet, vermittelt uns z. B. seine Abhandlung über Unendlichkeit und Ewigkeit, in der er unter anderem sagt: "Die göttliche Kraft, die uns beseelt, lebt weiter in anderen, ewig wechselnden Gestalten. Mögen wir die uns rings umfassende Unendlichkeit als göttliche Hut erkennen und auch ihr, wie der Ewigkeit, Vertrauen und Liebe entgegenbringen, beide, Unendlichkeit und Ewigkeit nicht als drohende Ungeheuer betrachten, vielmehr als natürliche kosmische Heimat dankbar annehmen und umarmen".

Trotz der vielen Schicksalsschläge blieb sein Lebensmut 82 Jahre lang ungebrochen. Erst im Januar d. J. , kurz vor seinem Tod, stellte er angesichts seines geschwächten Zustands fest: "Jetzt bin ich alt geworden" - und fragte im selben Atemzug angesichts des Bewußtwerdens seines unvermeidlich näher rückenden Endes des körperlichen Lebens erwartungsvoll und voller Vertrauen: "Ich bin neugierig, was darf ich als nächstes, nach diesem wechselvollen Erdendasein im und nach dem Tod "erleben"?"

Die Redaktion

 

 

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Letztes Update: 2004-02-14 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg