HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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Zum Geleit"...ad sacros congressos convoco plebem"![]() Die Bergkirche in ihrem neuen Kleid - Foto: Dieter Wagner ...so tönt voll Ernst, so tönt voll Macht vom Berg die Glocke droben... seit zweihundert Jahren in ihrer jetzigen Gestalt, dieses Mal aber aus gegebenem Anlaß besonders eindringlich: Sie ruft alle ihr verbundenen Gläubigen zur Wiedereinweihung der Bergkirche nach erfolgter Restaurierung. Von welcher Seite die Besucher auch immer anreisen, ob von Kronstadt, Mediasch oder Agnetheln, ihr Blick fällt zuerst auf den massiven Bau, der den Bergkegel krönt: die Bergkirche. Sie hat in neuerer Zeit Schäßburg den Beinamen "Jerusalem von Siebenbürgen" eingebracht. Sie war und ist eines der Wahrzeichen der Stadt, wohl ihr wertvollstes Baudenkmal. Und wenn in letzter Zeit der Stundturm mehr als das Schäßburger Wahrzeichen angesehen und verwendet wird, für den Schäßburger Sachsen bleibt die Bergkirche das Symbol seiner Stadt, seiner Heimat, denn sie gehört ihm: Die Bergkirche war, ist und bleibt Eigentum der evangelischen Kirchengemeinde dieser Stadt. Sie wurde unter schweren Opfern und in vielen Jahrzehnten, sogar Jahrhunderten auf- und ausgebaut. Sie hat bittere Kriegszeiten erlebt, ihr Turm hat mitgeholfen, die Stadt zu verteidigen, sie hat sich gegen Naturgewalten wehren müssen, Stürme haben ihr Dach zerstört, ihren Verputz abbröckeln lassen, Erdbeben haben sie erschüttert. Auch wenn die Klosterkirche ihr nach der Reformation den Rang als Gemeinde- und Stadtpfarrkirche abgelaufen hat, und wenn sie zeitweilig als Kirche nicht verwendet worden ist, für die Schäßburger blieb sie die Verbindung zur Ewigkeit: Sie wurde selbst zum Friedhof, wie auch letzte Grabungen bestätigt haben, sie liegt in seiner unmittelbaren Nähe. Die mächtige Bergglocke begleitet mit ihrem einzigartig wunderbaren Klang unsere Toten auf ihrem letzten Wege. Die in der Bergkirche abgehaltenen Gottesdienste und besonders die Konfirmationen in den Jahren, als man die Konfirmanden in zwei Gruppen teilen mußte, weil sie für einen Sonntag zu zahlreich waren, sind bleibende Erlebnisse für alle Teilnehmer. Bergkirche, Bergschule und Bergfriedhof bilden auch rein räumlich die Einheit, die allen Schäßburgern das Herz höher schlagen läßt, wenn sie daran denken oder davon sprechen. Hochherzige Männer haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, daß die Bergkirche nicht weiter ihrem Verfall preisgegeben wird. Bedeutende materielle Mittel und sehr viel menschliche Arbeitskraft wurden investiert, um ihr die Zukunft zu retten. Ihre Restaurierung ist ein Meisterstück der Denkmalpflege. Nun steht sie wieder da in ihrem vollen Glanz. Vor einigen Wochen wurde sie in einer würdevollen Feier eingeweiht. Auch wenn sich ihr Aussehen innen und außen geändert hat, was vielleicht einige Schäßburger stören wird: Unsere Bergkirche ist sie wieder und wird es bleiben.
Die letzte Zeit, vor allem die Schrumpfung der Schäßburger Kirchengemeinde, hat es mit sich gebracht, daß ihre Rolle in der Zukunft eine andere sein wird als die in der Vergangenheit: Sie wird aber weiterhin Kirche bleiben, trotz des nunmehr musealen Charakters, der ihr zugedacht ist. Es werden in ihr weiter Gottesdienste, Trauungen, Begräbnisfeiern gehalten werden, man wird ihre hervorragende Akustik auch in Zukunft für Konzerte nutzen, man wird in den Seitenschiffen wertvollste Altäre, Gestühle, Orgeln und andere sächsische Kulturgüter ausstellen, um diese vor dem Verderben zu retten. Der wunderschöne spätgotische Altar aus Schaas hat seinen Platz schon als Hauptaltar im Chor gefunden, bald werden auch der Nikolaialtar aus Reußdorf und der Altar aus Meschendorf die Kirche schmücken; und den Schäßburgern sei es zur Beruhigung gesagt: Auch die vier Apostel des früheren Altars werden in der Bergkirche einen Ehrenplatz finden, eingedenk deren Leitspruch "Gehet hin in alle Welt...!" So wird unsere Bergkirche, zusammen mit Schule und Friedhof, zukunftweisend ein Bindeglied sein und bleiben für alle Schäßburger aus der ganzen Welt. Viele von ihnen, und nicht nur die älteren Generationen, werden immer wieder und gerne zu ihr zurückkehren, sie besuchen und sich stärken. Ein ehemaliger Absolvent der Bergschule, der mit seiner Gattin und seinem Sohn nach vielen Jahren wieder Schäßburg besuchte, bat, nachdem er über die Burg, den Friedhof und durch die Schule in die restaurierte Bergkirche gelangt war, in der Stille ein Vaterunser beten zu dürfen. Dann erklärte er: "Das war mein schönster Vormittag in den letzten 60 Jahren". Gibt es eine schönere Liebeserklärung für unser Schäßburg und seine Bergkirche? Und nun, liebe Bergkirche, wir haben es dir in den wundervollen Akkorden von Felix Mendelssohn-Bartholdy bei der Einweihung gesungen: "Der Herr hat seinen Engeln befohlen über dir, daß sie dich behüten". Gott segne dich und schenke dir eine behütete Zukunft! Hermann Baier (Schäßburg)
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