HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Professor Dr. Dr. Richard Lang 80


Am 27. Juni wurde Professor Richard Lang 80 Jahre alt!


Prof. Dr. Dr. Richard Lang

Es bereitet mir große Freude, den Jubilar aus diesem Anlaß in unseren Schäßburger Nachrichten zu würdigen.

Professor Lang war ein bedeutender Schulmann der Nachkriegszeit, ein Lehrer, der mit dazu beigetragen hat, daß die Bergschule auch in schwierigster Zeit ihren Auftrag erfüllen konnte.

Professor Lang wurde am 27. Juni 1919 in Schäßburg geboren. Sein Vater war Lehrer für Latein und Griechisch, Verehrer römischer Schriftsteller und Direktor der Knabenschule, seine Mutter war Klavierlehrerin und aktives Mitglied im Schäßburger Musikverein. Beide Eltern sollten seine zukünftige Entwicklung schon in frühen Jahren entscheidend prägen. Professor Lang hat einmal gesagt, daß der Einfluß seiner Eltern charakterbildend war: Von seinem Vater hat er die Hochschätzung der Geisteswissenschaften mitbekommen, von seiner Mutter ein umfangreiches Verständnis für Musik.

Der junge Richard Lang besuchte die Bergschule, gehörte immer zu den besten Schülern und fühlte sich der Schule so eng verbunden, daß schon sehr früh der Wunsch entstand, Lehrer an eben dieser Schule, sie hieß damals Bischof Teutsch-Gymnasium, zu werden.

Einen anderen Berufswunsch hat es für ihn nie gegeben. Während der Schulzeit begeisterten ihn vor allem Geschichte und Musik. Intensiv und gründlich widmete er sich dem Studium der Weltgeschichte, von den griechisch-römischen Anfängen an bis zur Gegenwart.

Zusammen mit seinem Musiklehrer Prof. Karl Theil, der auch Organist war, lernte Richard Lang die Register zahlreicher Orgelwerke bedienen. Es waren vor allem die Kompositionen J. S. Bachs, die den Jüngling tief beeindrucken sollten. Richard Lang studierte Philosophie und Englisch, zuerst in Klausenburg und später in Wien. Als er Philosophie studierte, kam er mit der Ideenlehre Platons in Berührung. Es war eine "schicksalhafte" Begegnung. Diese Lehre, die auf drei Säulen aufgebaut ist - der Idee des Guten, des Schönen und des Wahren - sollte zu seinem Credo werden. Die Ideenwelt des Platon wurde auch seine und ist es bis heute geblieben! In Wien promovierte Richard Lang zum Dr. phil. Am 2. Weltkrieg nahm er im Rahmen des rumänischen Militärs teil. Im April 1943 heiratete er Liane Lingner aus Schäßburg. Der Ehe entsprangen die Kinder Liane und Richard. Prof. Lang hat an der Bergschule Philosophie, Englisch und Geschichte unterrichtet. Seine Stunden waren nie langweilig und regten zur Mitarbeit an. Er war ein hervorragender Redner, der es liebte, in großen Zusammenhängen zu operieren. Bis dato unbekannte Welten öffneten sich vor den Augen seiner ergriffenen Schülerschar. Das antike Athen, Alexander der Große, die Perser, das antike Rom mit seinem Weltreich und dann die englische Literatur. Shakespeare, Dickens u.s.w. waren Themen, die immer wieder beeindruckten. Prof. Lang war ein gütiger und großzügiger Pädagoge. Die Bewertung durch Noten war für ihn zweitrangig.

1966 wurde Prof. Lang an den Lehrstuhl für Englisch der Universität Klausenburg berufen. Hier im Hochschulmilieu konnte er sein ganzes Wissen entfalten. Er machte sein zweites Doktorat für Sprachwissenschaften. Seine Vorlesungen hielt er in Englisch über vergleichende Grammatik indogermanischer Sprachen.

Die Studenten waren von seinen Vorlesungen begeistert, seine Kollegen achteten und schätzten ihn.

1979 kam Professor Lang mit seiner Ehefrau im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland. Beim Wechsel von Rumänien nach Deutschland sind ihm Enttäuschungen nicht erspart geblieben. Alle seine Versuche, wieder an einem Gymnasium oder einer Universität zu arbeiten, scheiterten und führten zu einer gewissen Verbitterung. Besonders störte ihn die Tatsache, daß sich die Wertordnung im heutigen Deutschland an amerikanischen Vorbildern orientiert, sprich Geld und anderen oberflächlichen Dingen.

Große Freude bereiteten aber und bereiten ihm seine beiden Kinder und mittlerweile acht Enkelkinder.

Ende 1985 verlor Prof. Lang seine Ehefrau. Heute lebt er in Amberg (Oberpfalz), wo er von einer langjährigen Kollegin aus seiner Gymnasialzeit, Frau Mathilde Wolff-Bartmus betreut wird.

Ich denke oft und gerne an die Stunden mit Professor Lang zurück! Eine Begebenheit aus jenen Jahren möchte ich gerne erzählen: In einer Geschichtestunde, wir lernten über das antike Rom und Caesar, kam die Rede auf das schon bekannte Zitat: "Alea jacta est", also "die Würfel sind gefallen". Professor Lang meinte dazu: "übrigens, Caesar sagte das auf Griechisch, weil die römische Intelligenz Griechisch sprach".

Zum Schluß wünsche ich, im Namen aller seiner ehemaligen Schüler, dem Jubilar, daß er noch schöne Jahre erleben möge, ganz im Sinne Platons.

Ad multos annos - Zum Geburtstag viel Glück!

Karl-Günter Reich (Gießen)

 

 

 

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Letztes Update: 2004-02-13 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg