150 Jahre seit dem Tode von Stephan Ludwig Roth:
Zwischenspiel in Schäßburg
Zu den Gedenktagen dieses Jahres gehört der tragische Märthyrertod
von Stephan Ludwig Roth durch ein Exekutionskommando auf dem Schloßberg
in Klausenburg am 11. Mai 1849.

Über das Leben und vielseitige Wirken von Stephan Ludwig Roth, seine
Rolle in der siebenbürgisch-sächsischen Geschichte und Kulturgeschichte
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Pfarrer, Pädagoge,
Nationalitätenpolitiker und Volkswirtschaftler gibt es so zahlreiche
Untersuchungen, Publikationen und Würdigungen wie kaum über
eine andere siebenbürgische Persönlichkeit. Im Bewußtsein
der Siebenbürger Sachsen bleibt er das Ideal eines Volkshelden und
wird als solcher verehrt.
Im vorliegenden Rahmen soll bloß an eine Episode erinnert werden,
die sich nach der Verhaftung auf dem Weg nach Klausenburg, wo sein Prozeß
stattfinden sollte, in Schäßburg abspielte. Fritz Heinz Reimesch
gibt davon eine eindrucksvolle Schilderung im Kapitel "Die Ehre steht
höher als das Leben" in Band "Sachsenehre", der im
Gauverlag Bayerische Ostmark, Bayreuth, 1940 erschienen ist. Wir erinnern
hier an dieses Ereignis nach dem Bericht von Reimesch.
Ende April I949, während der Besetzung Siebenbürgens durch
die Truppen der ungarischen Aufständischen und in Abwesenheit von
General Bem, der Roth wohlgesinnt war, wurde SI. L. Roth auf Befehl des
politischen Kommissars Csanyi in Meschen verhaftet und von Kossuth-Husaren
in Ketten nach Klausenburg eskortiert. Roth hatte den Meschener Bauern
ausdrücklich verboten, sich mit Gewalt seiner Gefangennahme zu widersetzen.
Der Weg des von Soldaten begleiteten Wagens ging an Mediasch vorbei über
Elisabethstadt, wo zum erstenmal übernachtet wurde, und führte
dann weiter nach Schäßburg, wo in Erwartung weiterer Instruktionen
von Klausenburg einige Tage Station gemacht werden mußte. Die Stadt
war von mehreren Kompanien Szekler Revolutionssoldaten besetzt, doch rotteten
sich trotzdem viele erregte Schäßburger auf der Straße
zusammen, als sie von Roth's Verhaftung erfuhren. Roth kam der Forderung
des Eskortenkommandanten nicht nach, seine Ketten unter dem Mantel zu
verbergen und entstieg erhobenen Hauptes dem Wagen. Er wurde auf Befehl
des Stadtkommandanten bei dem Seifensieder Johann Teutsch, einem namhaften
Schäßburger Bürger, einquartiert. Als er von den Soldaten
abgeführt wurde, entblößten die Bürger, die in Gruppen
umherstanden, ehrfurchtsvoll ihre Häupter.
Roth wurde im Quartier von den Ketten befreit und konnte sich relativ
frei bewegen und auch Besuche empfangen, natürlich bei streng bewachtem
Haus. Es erschien sein .jüngerer Gesinnungsgenosse und Freund Georg
Daniel Teutsch, später Rektor des Gymnasiums. Er war Hauptmann der
Schäßburger Bürgerwehr und Landtagsabgeordneter und hatte
auch während der 1848-1849er Ereignisse eine aktive Rolle gespielt.
Sie besprachen die jüngste politische und militärische Entwicklung,
die sich zur Zeit zugunsten der ungarischen Revolutionäre neigte,
und Roth sagte heim Abschied: "Sie werden mich töten. .."
Am folgenden Tag empfing er den Schäßburger Stadtpfarrer, der
ihm Ratschläge für den zu erwartenden Prozeß gab.
Spät abends erschienen plötzlich zwei Abgesandte der Schäßburger
Jugend -Roth war der Gründer des Siebenb.-Sächs. Jugendbundes
--und machten Roth geheimnisvoll einen Vorschlag. In einer anderen Quelle
heißt es, es seien "Studenten (sprich Gymnasiasten) gewesen.
Ihre Namen sind nicht bekannt, sie entstammten angeblich angesehenen Familien
der Stadt. Sie berichteten, es habe am Vortag auf der Steilau eine konspirative
Versammlung stattgefunden, in der beschlossen worden sei, Roth zu befreien.
Der Plan solle in der nächsten Nacht durchgeführt werden. Er
solle per Wagen über Arkeden und Schirkanyen, dann über das
Gebirge in die Wallachei und dort in Sicherheit gebracht werden.
Auch einige hundert Gulden seien zu diesem Zweck gesammelt worden. Roth
dankte gerührt, doch lehnte er ab. Er wolle weder die Fluchthelfer
in Gefahr bringen, noch sich durch Flucht für schuldig bekennen.
Weniger als zwei Wochen später war sein Schicksal besiegelt und er
lebte nicht mehr.
Das Schicksal der Aufständischen erfüllte sich kurze Zeit darauf
ebenfalls in Schäßburg in der Schlacht vom 31. Juli 1849 auf
der Weißkircher Aue, wo die Kaiserlichen, unterstützt von russischen
Truppen, die ungarischen Revolutionäre vernichtend schlugen.
wth

Letztes Update:
2004-09-26
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