HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Zeittafel zur Geschichte der Bergkirche


Schule und Kirche auf dem Berg. (Foto: Jürgen von Steinburg)


Vor der Einwanderung
"Vorgängerbauten" der Bergkirche: Die "Urkapelle" war ein kleines Kirchlein. Es ist nicht geklärt, ob es von den Sachsen oder bereits vor ihrer Einwanderung von den Szeklern erbaut wurde.

Anfang des 13. Jahrh.
An der Stelle der heutigen Bergkirche stand eine kleine Saalkirche. Es folgte der Bau einer Basilika mit drei Schiffen und Turm. Der Chor wird auf die verstärkten Mauern der Saalkirche gebaut. Über diesen Zeitabschnitt gibt es nur wenige unsichere Erkenntnisse.

um 1300
Vollendung der Basilika. Bau des Turmes.

um 1345-1400
Gotischer Umbau des Chores.

1429-1525
Fertigstellung der dreischiffigen gotischen Hallenkirche mit vier Säulenpaaren und Westempore. Von F. Letz angezweifelt: Turm, Chor und Schiff aus drei Bauperioden. Turm und Chor sind älter, aus der Mitte des 14. Jahrh.

1429
"Hl. Nikolaus-Kirche". Inschrift am Südportal: "A.D. MCCCXXIX icepe. h. ops" (Im Jahre des Herrn 1429 wurde dieses Werk begonnen).

1430
Auf einer Bistritzer Glocke erscheint der Name eines einheimischen Glockengießers, Johannes von Schäßburg.

1438
Katharina, Witwe des Aegidius Klein von Schäßburg, vermacht 19 Kurien des Dorfes Wolkendorf der Bergkirche. Ihre Insassen werden zu einer jährlichen Abgabe von je einem Gulden verpflichtet.

um 1450
Es entstehen die Steinplastiken auf den Strebepfeilern des Chores.

1480
Fertigstellung der steinernen Kanzel.

1483
läßt Bürgermeister Michael Polner, der eifrigste Förderer des Baues, seinen Namen in eine Fensterwölbung im Schiff einmeißeln.

1488
Baumeister Jacobus Kendlinger von St. Wolfgang im Salzkammergut rühmt sich der Fertigstellung der Kirche. Die Inneneinrichtung wird erst später vollendet.

1495
Die nördliche Eingangstüre ziert das Wappen von Schäßburg.

um 1500
Bau der Sakristei und der West-Vorhalle mit Turmaufgang. Entstehung des gotischen Sakramentshäuschens des Meisters Andreas an der Nordwand des Chorraumes.

1506
In der Bergkirche wird auf dem Schäßburger Landtag (6. Febr.) die Union der 3 Stände - Adel, Szekler und Sachsen - von Mediasch (1459) bekräftigt. Der Maler Fritz Schullerus hat 1895-1897 zu Ehren des Milleniumjahres der ungarischen Krone ein Gemälde mit diesem Thema für das Komitatshaus geschaffen, das 1933 ins Brukenthalmuseum überstellt wurde. Eine Studie dazu ist im Besitz des Museums "Alt-Schäßburg".

1516
Durch Schenkung und Kauf gelangt das ganze Dorf Wolkendorf in den Besitz der Bergkirche.

bis 1539
Mehrere Erdbeben beschädigen die Bergkirche.

1518
Jahreszahl auf dem Grabstein eines in der Bergkirche beigesetzten angesehenen Bürgers der Stadt.

1520
Die nach Schäßburg und Mediasch eingewanderten Söhne des Veit Stoß stellen das Chorgestühl her. Die drei Söhne von Veit Stoß d.Ä.:

- Joh. Stoß erscheint in der Zunftliste Schäßburgs 1510-1535 als Maler und Bildschnitzer.
- Martin Stoß als Goldschmied 1535 in Schäßburg, 1541 in Krakau, 1544 in Schäßburg tätig.
- Veit Stoß d.J. 1523 als Glaser, Maler und Bildschnitzer in Kronstadt in der Tischlerzunft.

1522
Bau des Altars mit dem Bildnis der Hl. Jungfrau und den 12 Aposteln aus getriebenem Silber.

um 1523
Der Bau des Gestühls im Mittelschiff wird dem zugewanderten Tiroler Joh. Reychmut zugeschrieben.

1525
Herstellung der südlichen Tür und Abschluß des Ausbaues.

1544
Übernahme der Bergkirche in evangelischen Besitz. Lucas Roth ist letzter katholischer und erster protestantischer Pfarrer der Bergkirche. Das wertvolle Taufbecken aus Bronze wird nach der Reformation in der Klosterkirche (Pfarrkirche) aufgestellt.

1597
Durch ein Unwetter wird das Kirchendach zerstört.

1599 Sigismund Bathorys Soldaten verwüsten die Kirche und rauben die silbernen Kelche und die Meßgewänder.

1601
Die 12 lebensgroßen silbergetriebenen Apostelfiguren werden von Kosaken geraubt.

um 1630
Es entstehen die 4 lebensgroßen Evangelistenfiguren aus Holz zum Altar.

1631
Georg Rakoczy wird in der Bergkirche von den drei Ständen zum Fürsten von Siebenbürgen gekrönt.

1604-1701
Mehrere Erdbeben beschädigen den Bau.

1647
Jahreszahl auf einem Grabstein in der Bergkirche.

1676
Beim großen Brand von Schäßburg (30. April), dem 3/4 der Stadt zum Opfer fallen, bleibt die Bergkirche verschont.

1677
Guß der 2500 kg schweren Großen Glocke durch A. Filk.

1704
Brand im Obergeschoß des Turmes (23. Jan.) während des Kurutzenkrieges. Dabei wird die Große Glocke zerstört.

1776
Das Konsistorium erklärt die Fresken für wertlos und läßt sie übertünchen.

1777
Gründliche Reparaturarbeiten. Die Kirche wird ausgemalt und erhält einen hölzernen Fußboden. Wandmalereien größtenteils überputzt und übermalt (Bildersturm).

1797
Die große Glocke, die angeblich aus dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts stammt, mußte im Laufe der Jahrhunderte mehrere Male umgegossen werden. Sie erhält nun ihren letzten Umguß durch Meister Michael Thallmann. Inschrift "Sae-pms heu reliquata fui nunc integer laudo numen et ad sacros congressus convoco plebem" (Ich bin oft umgegossen worden, jetzt lobe ich unversehrt die Gottheit und rufe das Volk zu den heiligen Versammlungen zusammen.)

1793
Die Mensa (Altartisch) entsteht.

1788-1846
Johannes Binder und Sohne - Orgelbauer in Schäßburg.

1838
Ein Erdbeben am 22. Januar zerstört das Netzgewölbe im Mittelschiff (Schiffswölbung) und das Kreuzgewölbe des Chores. 1839 wieder hergestellt.

1874
Ludwig Schuller malt das Altarbild "Lasset die Kindlein zu mir kommen" (später in der Siechhofkirche untergebracht).

1848
Zerstörung der Orgel, 1858 erneuert.

1849
Während der Okkupation der Stadt im Revolutionsjahr kommt es im Februar zu Verwüstungen der Kirche.

1858
Bau der Orgel (Karl Schneider)

1916
Erdbeben zerstört oberste Kreuzblume. Während des Weltkrieges finden hoheitliche Besuche statt. Thronfolger Karl und Gemahlin Zita und Ludwig III von Bayern (1845-1921), letzter König von Bayern.

1929
Die Mittlere Glocke ("Vertrau auf Gott") und die Kleine Glocke ("Gott hilft"), die im ersten Weltkrieg abmontiert und zum Kanonenguß abgegeben werden mußten, werden ersetzt (Glockengießer Fritz Kauntz - Hermannstadt). Die Inschriften befinden sich auf den neuen Glocken.

1934
Renovierungsarbeiten, Neuausmalung, Freilegung von Wandgemälden (z. B. Erzengel Michael) durch J. Misselbacher, Öffnung der Gruft und Umgestaltung des Altars mit vier aus Lindenholz geschnitzten Aposteln. Restaurierungsarbeiten durch Franz Letz, Julius Misselbacher.

1935-1936
Bau der Totenhalle (Arch. Franz Letz) an der Stelle des 1809 durch Blitzschlag zerstörten Goldschmiedeturmes und der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts an gleicher Stelle entstandenen Turnhalle.

1944
Bei näherrückender Ostfront werden Lehrmittel und Einrichtungsgegenstände des Gymnasiums in der Sakristei eingelagert und geborgen.

1968
Wird die aus Jakobsdorf bei Elisabethstadt stammende Glocke mit der Inschrift MCCCCLXXXIII (1483) (Geburtsjahr Martin Luthers und Fertigstellungsjahr der Bergkirche), als Sterbeglöckchen im Glockenturm montiert.

1969
Mechanisches Läutwerk wird mit Hilfe der Bundesrepublik Deutschland installiert.

1970
Vor Hochwassergefahr und Überschwemmungen wird mit Glockenläuten gewarnt.

1977
In München erscheint die Dissertation des Kunsthistorikers und Denkmalpflegers Christoph A. Machat "Die Bergkirche zu Schäßburg und die mittelalterliche Baukunst in Siebenbürgen".

1983
Gedächtnis-Festgottesdienst (25. Sept.) "500 Jahre Schäßburger Bergkirche".

1992-1998
Die Messerschmitt-Stiftung, München und das Rumänische Kulturministerium ermöglichen grundlegende Restaurierungsarbeiten. Dabei werden auch neue Entdeckungen gemacht: Fresken, Spuren der Basilika, Gräber, Krypten aus dem 16. und 17. Jahrhundert, 2 Grabsteine (1587 und 1602).

1998
Besuch durch König Michael I. (bis 1947 König von Rumänien).

1999
Feierliche Wiedereinweihung (April) der Bergkirche mit in- und ausländischen Gästen. Die Kirche soll nach Auswanderung fast aller Sachsen in ein Museum für sakrale Gegenstände umgewandelt werden.


Die Zeittafel wurde zusammengestellt nach Veröffentlichungen von Arch. Franz Letz, Dr. Christoph Machat, Dr. Roland Melzer, Dr. Walter Myß, Dr. August Schuller, Dr. Richard Schuller, Prof. Karl Teutsch.

Walter Roth

 

 

 

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