HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


100 Jahre Museum "Alt-Schäßburg"

Dr. Josef Bacon - Heimatforscher und Museumsgründer


Dr. Josef Bacon war an der Gründung, Förderung und Entwicklung von mindestens 3 Museen maßgeblich beteiligt, die in Schäßburg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestanden. Es sind die Museen "Alt-Schäßburg", "Hygiene-Museum" und "Sächsisches Heimatmuseum." "Alt-Schäßburg", dessen Eröffnung vor 100 Jahren wir in diesem Jahr gedenken, ist die wichtigste und die einzige noch bestehende Einrichtung, allerdings heute umgestaltet als historisches Kreismuseum.


Dr. Josef Bacon

Josef Bacon (1857?1941), Sohn des Landesadvokaten und Reichstagsabgeordneten Joseph Martin Bacon und der Therese Bacon, geb. Wenrich, Frauenrechtlerin und Gründerin des Vereins für Frauenbildung in Schäßburg, war in den Jahren 1883?1925 Stadtphysikus von Schäßburg. Als solcher erwarb er sich Verdienste um die sanitäre Modernisierung seiner Heimatstadt (Wasserleitung, Epidemiespital, Lebensmittelkontrolle, Dienstbotenkrankenkasse, Ambulatorium für TBC-Kranke, Badekolonie Szt. Keresztbanya ? Karlshütte). Zugleich nahm er aktiv am politischen, völkischen und kirchlichen Leben der Stadt teil.

Als Heimatforscher, Sammler, Ordner und Bewahrer siebenbürgischer Kulturgüter wird er heute vor allem als Museumsgründer geschätzt und geehrt. Bekanntlich gab es bereits 1896 einen Beschluss der Stadtvertretung, im Stundturm ? Wahrzeichen der Stadt und ehemals Rathaus ? ein Ortsmuseum zu errichten. 1898 wurden zuerst zwei Räume des Turmes renoviert, und so konnten die ersten Exponate, die aus einer Sammlung des Gymnasiums stammten oder aus Kirchenbesitz übernommen wurden, oft auch aus Spenderhand kamen, zugänglich gemacht werden. Eingerichtet wurde diese "historische Bürgerstube" von Friedrich v. Sachsenheim. Sie bildete den Grundstock des Museums, das am 24. Juni 1899 im Rahmen des "Sebastian-Hann-Vereins für heimische Kunstbestrebungen" eröffnet wurde.


Dr. Josef Bacon leitet eine Frauengruppe bei Ausbesserungsarbeiten an
Kirchenteppichen. Archivbild

Dr. Josef Bacon hat es als ehrenamtlicher Kustos jahrzehntelang hingebungsvoll betreut und weiter entwickelt. Zahlreiche Objekte, die die Schäßburger Bürger auf Speichern, Dachböden und in Kellern entdeckten, wurden dem beliebten Doktor dargebracht und kamen im Museum zu Ehren.


Dr. Josef Bacon mit einer Gruppe von Jugendlichen. Archivbild

Viele Spender verstanden das Interesse des kuriosen Sammlers für diesen "Krempel" nicht, doch überließen sie ihm diesen gern. Einmal soll er eine prächtige Renaissance-Türe mit wertvollen Intarsien gerettet haben, die er in einem Schweinestall entdeckt hatte, wo sie als Baumaterial verwendet worden war. Bacon hat auch noch in hohem Alter persönlich unzählige Führungen treppauf treppab gemacht und seine geliebten Exponate vorgestellt und erklärt. Er hat zudem insbesondere im "Groß-Kokler Boten" in Beiträgen Gedanken über Heimatmuseen, über Schäßburger Museen und Darstellungen "seines" Museums "Alt-Schäßburg" publiziert.


Stadtschreiber Kraus-Stube. Archivbild

Zu Bacons Mitarbeitern gehörten Prof. Carl Seraphin, Dr. Friedrich Kraus, Betty Schuller, Dr. Friedrich Kelzer, Prof. Georg Donath und Julius Misselbacher, der später, nach Bacons Tod, die Leitung übernahm und bis zur Verstaatlichung des Museums fortführte. In der letzten Zeit des Bestehens als sächsische Einrichtung hat sich insbesondere Prof. Dr. Julius Hollitzer in der Museumsarbeit ausgezeichnet.
Angegliedert an das Museum, in einem besonderen Raum, entstand nach der Schließung einer Ausstellung des Siebenbürgischen Ärztevereins in Mediasch (1912) und Übernahme der Exponate das so genannte "Hygienische Museum", das von populärwissenschaftlichem aber auch medizinisch-historischem Interesse war. Ab 1920 richtete Bacon in einem Raum der Sakristei der Klosterkirche eine sächsische Bauernstube als "Sächsisches Heimatmuseum" ein. Ebenfalls in der Klosterkirehe, im oberen Kreuzgang, wurde ein schulgeschichtliches Museum (Landeskirchliches Schulmuseum), konzipiert von Dr. Heinz Brandsch, eröffnet. Es muss gesagt werden, dass der eigenwillige Aufbau und die anheimelnde Atmosphäre von "Alt-Schäßburg", die aus Bacons Zeit stammte, in der Gegenwart einer neuen Ordnung gewichen ist, die von rumänischen Fachkräften eingeführt wurde.

Viele Exponate wurden ausgelagert, und der Krieg und die Nachkriegszeit brachten einige schmerzliche Verluste. Trotzdem ist der Grundbestand des Museums erhalten geblieben. Die HOG Schäßburg bereicherte das Museum in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung u. a. durch eine Dokumentation zur Geschichte des Museums, in der die Büste seines Gründers Dr. Josef Bacon (von Arch. Wolfram Theil) wieder zu Ehren gekommen ist.
Wenn man den Stundturm durch alle Ausstellungsräume hochsteigt und endlich die Galerie erreicht, fallen einem die blechernen Schilder auf, die mit Pfeilen in alle Himmelsrichtungen weisen und in km die Entfernungen zu Hauptstädten in der ganzen Welt, zu den Polen, zu Mond und zu Planeten anzeigen. Der Betrachter fühlt sich betroffen und in seiner Heimat wie im Mittelpunkt der Welt. Diesen Gedanken hat Dr. Bacon in einem Gedicht zum Ausdruck gebracht, das Hermann Roth und Harald Krasser in die Anthologie "Herz der Heimat" (Verl. Krafft u. Drotleff, 1935) aufgenommen haben. Wir geben es hier abschließend im Wortlaut wieder: Wth (Dortmund)

 

JOSEF BACON

Heimat

Legende zu einem auf der Plattform des Stundturmes im Museum Alt-Schäßburg
dargestellten Lageplan der Stadt - in Bezug auf die europäischen Hauptstädte und die beiden Pole.

Von meiner Seele innerem Leben, Fühlen
Mag dieser Plan ein treues Sinnbild sein.
Wohl schweifen rings in Fernen die Gedanken,
im Mittelpunkt steht dieses Städtchen klein.

Nicht eine Welt für sich ist meine Heimat,
Doch steht im Mittelpunkt sie meiner Welt,
Weil nirgends sonst auf weitem Erdenrunde
Mir's so wie hier im engsten Kreis gefällt.

Hier seh ich um mich alle die Gestalten,
Die einst belebt der Kindheit Märchenland.
Hier fühl ich in der Mutter Schoß geborgen,
Gesichert wieder mich an Vaters Hand.

Begeisterung für der Jugend Ideale,
Die einst in Flammen himmelhoch geloht,
Sie wärmt und strahlt mir hier im Herz noch immer
Gleich Kohlenglut, gleich mildem Abendrot.

Woran ich schuf in arbeitsfrohen Jahren,
Ob ich's verwirklicht, ob's ein Traum nur blieb, Hier seh' verkörpert ich vor meinen Augen,
Was mir erstrebenswert einst war und lieb.

Doch nicht Erinn'rung bloß, auch frohes Hoffen
Beseligt hier das zukunftssichre Herz;
Ich seh' um mich der Enkel muntres Treiben,
Und dankerfüllt blick' ich dann himmelwärts.



 

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Letztes Update: 2004-01-24 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg