HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Europaparlament ehrt Schäßburg

Von 27 Städten Europas erhält Schäßburg als einzige Stadt Rumäniens die Ehrenfahne 1999.

Sonntag, der 24. Oktober 1999, war ein besonderer Tag für Schäßburg. Ein Großteil der Einwohner der Stadt an der Großen Kokel wurde von Stolz und Freude ergriffen: Schäßburg erhielt die Ehrenfahne des Europarates für 1999. Sie wird im Herzen der Stadt flattern als Symbol der Zugehörigkeit zur europäischen Zivilisation. Sie kommt zum Europa-Diplom hinzu, das 1998 der einzigen mittelalterlichen Burg auf unserem alten Kontinent verliehen wurde, die vollständig bewohnt wird ? der Burg als einer architektonischen Einheit von unbestrittenem Wert, die vorgeschlagen wurde, in die Liste der von der UNESCO geschützten Denkmäler aufgenommen zu werden.


Überreichung der Ehrenfahne durch Herrn Benno Zierer an
Bürgermeister C. Stefanescu - Foto: L. Rachita


Hissen der Ehrenfahne neben der rum. Tricolore - Foto: L. Rrachita

Die Feierlichkeiten zur Überreichung der Ehrenfahne fanden im Stadtzentrum vor einem zahlreich erschienenen Publikum statt. Zugegen waren lokale Amtspersonen, Vertreter des Europarates, die Herren Burghardt Arpat, Stellvertretender Präfekt des Mierescher Komitates, Joan Toganel, Präsident des Komitatsrates Mieresch, Leon Pop, Abgeordneter, Joan Burghelea, Senator, Kriegs- und Militärveteranen. Die Blaskapelle von Weißkirch spielte die rumänische Nationalhymne und die Europahymne.

Die Eröffnungsansprache hielt der Bürgermeister der Stadt Schäßburg, Dipl.-Ing. Constantin Stefänescu. In seiner Ansprache erklärte er: "Schäßburg befindet sich mindestens fünf Jahre vor Rumänien auf dem Weg zu Europa, wir hoffen, daß die erhaltene Auszeichnung ein Ansporn auch für andere Städte unseres Landes sein wird. Schäßburg ist eine saubere zivilisierte Stadt, der es gelungen ist, in Zusammenarbeit mit Städten anderer Länder, europäische Konzepte der Umweltschonung und Systematisierung einzuführen. Wir sind anderen einen Schritt voraus, unsere Stadt hat eine sehr alte und inhaltsreiche Geschichte und wir hoffen, daß die Zukunft ebenso großartig sein wird."

Der Präsident der Kommission "Europapreis", Benno Zierer, Mitglied der parlamentarischen Vereinigung des Europarates, führte in seiner Rede u. a. aus:
"Ich verleihe die Ehrenfahne dieser Stadt in einem Teil Europas, der lange Zeit für uns verriegelt war. Wir wollen gemeinsam für eine Zukunft in Freiheit wirken ... Wir wollen uns freuen, daß Ihre schöne Stadt, daß der Herr Bürgermeister Stefanescu für sein Engagement im Rahmen der Europapolitik heute geehrt werden ... Die Stadt Schäßburg war beispielhaft in der Verwirklichung der Beziehungen zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten ... Ihr schönes Land und Ihre schöne Stadt haben die Isolation, in die sie hineingezwungen worden waren, durchbrochen, haben neue Freunde gesucht und auch gefunden. Der Europarat dankt Ihnen heute dafür, indem er Ihnen diese Ehrenfahne überreicht. Sie soll ein Ansporn sein für Ihren unermüdlichen Einsatz, eine Stärkung in Ihren Anstrengungen auf dem Weg zum Herzen Europas. Ich freue mich jetzt schon darauf, daß ich in nächster Zeit vielleicht wieder die Gelegenheit haben werde, dieser Stadt neue Ehrungen zu überreichen, denn die Ehrenfahne ist nicht die höchste Auszeichnung, die der Europarat verleiht. Ich beglückwünsche Sie von Herzen zu dem heutigen Festtag und rufe Ihnen zu: Es lebe Europa! Es lebe Rumänien! Es lebe Schäßburg!"

Herr Benno Zierer ließ es sich abschließend nicht nehmen, die Anwesenheit des rumänischen Parlamentariers Petre Steolea hervorzuheben, der auch Mitglied der Kommission "Europapreis" ist.

Nachdem der Schäßburger Bürgermeister die Ehrenfahne entgegengenommen hatte und diese gehißt wurde und nun Seite an Seite mit der Trikolore im Winde weht, verlas er die Grußbotschaften der Partnerstädte zu diesem Anlaß. Im Anschluß daran gab es eine Militärparade und nachher eine kurze Präsentation künstlerischer Virtuosität von Volkstanzgruppen.

Das nächste Ereignis des gleichen Tages fand vor der Allgemeinschule Nr. 2 (ehemals Mädchenlyzeum in der Baiergasse), jetzt Staatliches Gymnasium "Aurel Mosora", statt: Die Enthüllung der Büste des ersten rumänischen Bürgermeisters von Schäßburg, einer rührigen, schillernden, zum Schluß aber tragischen Persönlichkeit seiner Zeit.

Der letzte Programmpunkt dieses ereignisreichen Sonntags war die Vorstellung des Buches des verstorbenen Professors Petcu Mercurie und des Professors Gh. Gavrilä: "Astra sighisoreana (1861?1950) si Horia Teculescu (1897?1962)".

Im Foyer des "Eminescu"-Saales, das durch die Marktwirtschaft in einen Billardsaal verwandelt wurde, versammelten sich alle, die an der Veröffentlichung des Werkes beteiligt waren und - was ein gutes Zeichen ist - es waren nur Leute aus unserer Stadt.
Über die Entstehung des Buches sprachen der Bürgermeister Constantin Stefänescu, Dr. Stelian Larga, Leon Pop, Radu Teculescu und Prof. Gh. Gavrila.

(Übersetzt aus den Berichten der Zeitungen "Cuvintul" Neumarkt (26.10.1999), "Sighisoara Reporter" Schäßburg (27.10.1999) und "24 ore muresene" Neumarkt ("6.10.1999).



 

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