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Theodor FabiniEin sächsischer Heldenjüngling aus großer Zeit/Von Dr. Richard Schuller 1900
Th. Fabinis Lebensschicksale bewegen sich bis 1848 durchaus in den althergebrachten, normalen Geleisen. Geboren am 9. November 1827 als dritter Sohn des damaligen Konrektors Josef Fabini und der Josepha geb. Schuster in Mediasch, fiel der junge Weltbürger weder als Wunderkind auf, noch deutete sonst eine Eigenschaft auf außergewöhnliche Bestimmung. Im Elternhause herrschte ein auf Zucht und Ehrbarkeit gegründetes, patriarchalisches Verhältnis. Ehrbarkeit und Tüchtigkeit, pietas und virtus, pflanzte der Vater, einer der stärksten und unbeugsamsten Charaktere in unserm Volk, in den wichtigsten Missionen der Nation und später als Mediascher Stadtpfarrer und erster Superindententialvikar der Landeskirche auch in hervorragender, amtlicher Stellung bewährt, durch eine sorgfältige Erziehung, zu der ihm seit 1830 sein Pfarramt in Waldhütten ausreichende Muße bot, als bestes Erbe in die Seele des Knaben, bei dem sich noch in jungen Jahren ein geradezu peinliches Rechts- und Ehrgefühl entwickelte. Wo er Unrecht sah, oder seine Überzeugung verletzt glaubte, konnte seine wortkarge Natur in leidenschaftlicher Heftigkeit sich entladen. Seine lebhafte Parteinahme und Bevorzugung des schwächern Teils unter seinen Kameraden, die sanguinische Art, wie er seinen Standpunkt verfocht, trug ihm auch in der Familie den Ehrennamen "Prokurator" ein und das hat ihm später die Wahl seines Berufes als ein Fingerzeig der Vorsehung entscheiden helfen. 1835 trat Theodor in die damalige Quarta der Schäßburger Bergschule ein, 1839 rückte er in den "Chlamydatencoetus" vor, im Hause seines Oheims, des spätern Stadtpfarrers und Superintendentialvikars und damaligen Kollaborators III. Michael Gottlieb Schuller fand er freundliche Unterkunft. Das auf reizender Höhe gelegene Gymnasium, von dem ein Bistritzer Lustrationsbericht aus dem Jahre 1846 rühmt, "daß einige Wissenschaften in einem Umfang, beinahe wie auf den Universitäten, doch mit dem besten Erfolg vorgetragen werden", hat die empfängliche Seele des Knaben für Saat und Ernte der Zukunft erschlossen, er gedieh zu prächtiger Gesundheit an Leib und Seele, Lehrer und Schüler hielten große Stücke auf ihn. Aufgeweckten Sinnes und mit leichtem Fassungsvermögen ragte er unter seinen Mitschülern, von denen einige freilich weit über das Mittelmaß veranlagt waren, nicht so sehr durch Verstandesgaben hervor als durch seine warmherzige Begeisterung für alles Schöne und Edle, die seine angeborene Solidität zu achtunggebietender Tüchtigkeit verklärte. Fabini war, als er noch nicht 18-jährig das Gymnasium verließ, eine willensstarke, gegen jede Versuchung immune, innerlich gefestigte Persönlichkeit, die eben deshalb dem großen Haufen der Kommilitonen gewaltig imponierte. Seine Autorität wurde bedeutend unterstützt durch eine zwar nicht hochgewachsene, aber kräftig gedrungene Gestalt, die es an Gewandtheit und Muskelleistung allen zuvorthat. Er bewies sich darin als echter Jünger seines Landsmannes St. L. Roth, daß er in einer Zeit, wo schon der Name des Turnens vielen Eltern die Gänsehaut hervorlockte, an selbstverfertigten Geräten die edle Kunst betrieb, wie er auch in allen anderen Leibesübungen, z. B. Schwimmen, Schlittschuhlaufen usw. die unbestrittene Meisterschaft erwarb. Dieses Gefühl körperlicher Überlegenheit verlieh ihm jene Ruhe und Sicherheit im Auftreten, die ihn zu dem gesuchtesten Bundesgenossen und dem gefürchtetsten Gegner unter seinen Kameraden stempelte, der oft durch seine bloße Stellungnahme schon den Sieg entschied. Der nahe liegenden Versuchung, ein Regiment des Schreckens aufzurichten und seine Genossen unter das Joch eines handgreiflichen Tyrannis zu beugen, entging er durch seine Gutmütigkeit, die ihn gerade zu den Schwachen und Hülfsbedürftigen hinzog, ohne daß er dabei seine Vorliebe für männliche Thatkraft geopfert hätte. Wie jedes tiefere Gemüt, so schwärmte auch er für die Schönheiten der Natur, deren Zauber ihm jede Jahreszeit in dem unvergleichlichen Bilde der Schäßburger Landschaft enthüllte. In freien Stunden frische Fußwanderungen, fröhliches Umherstreifen in Berg und Thal gingen ihm über die frühreife Ritterlichkeit im Dienst jungfräulicher Schmachtfetzen, er konnte trotz seiner Mediascher Abkunft sich nie recht befreunden mit dem obligaten Kränzchenbesuch der Kameraden. Mit seinen Lehrern stand Theodor auf bestem Fuße, sie rühmten an ihm vor allem sein treues Gedächtnis und wenn die angeborene Neigung ihn auch nach der Seite der sogenannten humaniora führte und er entsprechend dem Studienbetrieb jener Zeit seine Befriedigung hauptsächlich in Geschichte, Literatur und klassischen Sprachen fand, so wollte der eifrige Lehrer der Mathematik M. A. Schuster, der für diese an unsern Anstalten stiefmütterlich behandelte Wissenschaft aus allen Kräften Profelyten warb, bei Fabini für sein Fach ein besonderes Talent entdeckt haben.
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