HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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Vor 100 Jahren wurde Dipl.-Ing. Architekt Gottfried Hermann Orendi zum Leiter des Stadtbauamts von Schäßburg berufenAls 1899 Dr. Wilhelm Mild, der erste Stadtingenieur Schäßburgs mit Hochschul-Ausbildung, nach 38 Dienstjahren in den Ruhestand trat, übernahm der Architekt Gottfried (Friddi) Orendi die Leitung des Stadtbauamts.
Orendi, am 3. Sept. 1867 in Schäßburg geboren, entstammte
einer angesehenen Pfarrersfamilie. Sein Vater war viele Jahre Stadtpfarrer
in Sächsisch-Reen. Nach Abschluss des Bischof-Teutsch-Gymnasiums
ermöglichten die Eltern dem begabten Sohn das Studium der Architektur
und des Bauwesens in München. Der junge Architekt beendete das Studium
mit Erfolg und kehrte in seine Heimat zurück.
Mit viel Begeisterung und Geschick arbeitete Orendi im Stadtverschönerungs-Verein mit und wurde bald zum Vorsitzenden gewählt. Schäßburg verdankte der Tätigkeit dieses Vereins die Anlage der Burgpromenade entlang der Stadtmauer, der Allee am Mühlengraben, die Anlage des Elisabeth-Parks (wo heute die orthodoxe Kathedrale steht) sowie des Parks vor dem Volksbad. An vielen Straßenrändern wurden Bäume gepflanzt und Spazierwege in der näheren Umgebung angelegt, zum Beispiel im Tannenwald, auf dessen Höhe man einen hölzernen Aussichtsturm errichtete. Der Verein unterhielt zeitweilig sogar eine eigene Gärtnerei.
Als Orendi 1899 das Stadtbauamt übernahm, war Friedrich Walbaum Bürgermeister (1897-1910) von Schäßburg. Es muss als Sternstunden für die Entwicklung der Stadt gewertet werden, dass in jenem Jahrzehnt des wirtschaftlichen Aufschwungs dem äußerst tatkräftigen Verwaltungsmann Walbaum der bautechnisch und künstlerisch begabte Architekt an die Seite trat. Zeitzeugen berichten, dass beide sich vorzüglich verstanden und ergänzten. Sie leiteten den Ausbau einer städtischen Infrastruktur in die Wege, die Schäßburg zu einer modernen Stadt werden ließ.
Nach Plänen und unter Bauleitung des neuen Stadtingenieurs entstanden damals das Volksbad, die Schwimmschule, der Eislaufplatz, die Bürgermeisterwohnung auf dem Burgplatz (mit den zwei Tordurchfahrten), das städtische Waisenhaus und schließlich ein Erweiterungsbau des städtischen Schlachthauses. Besonders wichtig für die Stadt waren der Bau der ersten Kanalisation sowie der Wasserleitung samt Reservoir im Umweg und des Wasserwerks mit Brunnenanlage und Pumpstation in der Nähe des Sportplatzes. 1903 wurde das Elektrizitätswerk am Mühlengraben gebaut, so dass die Stadt mit einer zeitgemäßen Straßenbeleuchtung versehen und Haushalte und Industrie mit Strom versorgt werden konnten. Die Bauleitung oblag Orendi, während der bekannte Münchener Elektroingenieur Oskar von Miller bei der elektro- und maschinentechnischen Installation beratend mitwirkte. Die Zusammenarbeit der beiden Fachleute war überaus fruchtbar. Gelegentlich der Fertigstellung des Elektrizitätswerks erhielt Gottfried Orendi von Oskar von Miller eine Bronzestatuette geschenkt, versehen mit einer freundlich anerkennenden Widmung. Die Statuette war wohl in der bekannten von Miller'schen Erzgießerei in München gefertigt worden, wo beispielsweise auch die große Statue der Bavaria in München oder das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar gegossen worden sind. Das vielen Schäßburgem aber am besten bekannte Bauwerk, mit dessen Planung und Bauleitung Gottfried Orendi betraut war, bleibt unsere Bergschule, das Bischof-Teutsch-Gymnasium, so wie es seit dem Umbau 1901 bis heute kaum verändert neben der Bergkirche steht. Der damalige Direktor Daniel Höhr (Vater unseres verehrten Naturkunde-Professors Heinrich H.) veröffentlichte im "Programm des Gymnasiums am Ende des Schuljahrs 1901/02" eine ausführliche Mitteilung über das neue Schulhaus, der wir folgendes entnehmen: "Die Notwendigkeit eines mit einer Vergrößerung verbundenen Umbaus des Schulhauses erwies sich als eine fortbestehende Tatsache ... Schon 1900 war das Presbyterium nach eingehenden Vorberatungen auf Grund eines von Herrn Stadtingenieur GOTTFRIED ORENDI ausgearbeiteten Bauplans und Kostenvoranschlags in der erfreulichen Lage, den Umbau des Schulhauses im Jahre 1901 in Angriff nehmen zu lassen ... Am 18. November 1900 wurde der Auftrag zum Bau des Hauses der hiesigen
Baufirma Brüder Leonhardt erteilt ... Nicht volle achte Monate nach Beginn des Baues wurde das Schulhaus am
21. Oktober 1901 in Gebrauch genommen..." Die von Gottfried Orendi in seiner relativ kurzen Amtszeit von nur 14 Jahren erbrachten städtebaulichen Leistungen für Schäßburg verdienen auch heute noch unsere Achtung, Würdigung und Wertschätzung. Ekart Letz (Germering)
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