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Archäologische Entdeckung im Raum SchäßburgEin historischer Überblick über die archäologischen Ausgrabungen
in und um Schäßburg/Wertvolle Funde in den 90er Jahren des
20. Jahrhunderts
An erster Stelle erweckte das römische Standlager auf dem Burgstadl
das Interesse der Forschung. Dieses liegt 3,5 km von Schäßburg
entfernt auf einem linksufrigen Plateau der Großen Kokel und muß
sich bis ins frühe Mittelalter als Ruinenstätte erhalten haben. Friedrich Müller (1828?1915) und Carl Goos (1844?1882) waren nun
doch in Geschichte und Archäologie ausgebildete Männer, die
ihre Studien an deutschen Universitäten absolviert hatten. Fr. Müller
ist der Verfasser der ersten archäologischen Synthesearbeit "Archäologische
Skizzen aus Schäßburg", während Carl Goos die erste
Zusammenfassung aller archäologischen Entdeckungen in Siebenbürgen
zu jener Zeit erarbeitet hat.
Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Archäologie eine selbständige Wissenschaft und legte sich ihre eigenen Forschungsmethoden zurecht. Nach 1900 treten auf diesem Gebiet Carl Seraphin (1872?1951) und Kurt Horedt (1914-1991) in Erscheinung. Carl Seraphin hat die berühmte Entdeckung vom Wietenberg gemacht. Die ersten Grabungen wurden dort 1902?1904 begonnen und 1938 von K. Horedt weitergeführt. Die Siedlung vom Wietenberg gab einer gesamten Kultur der mittleren Bronzezeit (1800-1300 vor unserer Zeit) den Namen ? "Wietenbergkultur" ?, deren Träger Thraker waren. Die Siedlung der Bronzezeit wurde von einer neuen Siedlung, einer dakischen
überlagert, die mit Wall, Graben und Palisaden aus dicken, senkrecht
eingerammten Eichenstämmen, einer richtigen Holz-Erdewand, befestigt
wurde. Diese befestigte dakische Siedlung (Dawa) vom Wietenberg erlebte
ihre Blütezeit unter König Burebista (l. Jh. vor d. Zeit) und
wurde während des dakisch-römischen Kriegs (105-106 u. Z.) zerstört. Bald darauf, zwischen 1963 und 1967, wurden auch die Grabungen im römischen Castrum vom Burgstadl durch Ioan Mitrofan vom Klausenburger Geschichtsmuseum wieder aufgenommen und die Form, die Bauart des Verteidigungssystems und die Zeitbestimmung dieses Militärlagers besser bestimmt. Mitrofan nahm 1970-1973 auch die Grabungen am Hattertgraben wieder auf und entdeckte 90 Brandgräber in ausgebrannten oder unausgebrannten Gruben, die einer Illyro-Pannonisehen Kolonistengruppe angehörten, die im römischen Dazien angesiedelt worden war. Aus diesem römischen Friedhof stammen jene drei Grabinschriften auf Stein, welche als die ältesten schriftlichen Texte der Schäßburger Gegend gewertet werden. Nach 1975 wurde die Erforschung des Schäßburger Umfeldes nach einem genauen Plan begonnen. Erst wurden die bekannten archäologischen Fundorte, vor allem jene der Wandervölkerzeit, erfaßt. Danach wurde, in erweitertem Maß, die Ausgrabung der Siedlung aus dem Mühlenhamm begonnen.
Zwischen 1976 und 1986 wurden die systematischen Ausgrabungen im Mühlenhamm von einem Kollektiv durchgeführt, welchem Gheorghe Baltag vom Stundturmmuseum Schäßburg, Radu Harhoi vom Archäologischen Institut Bukarest und Mihai Petica vom Neumarkter Museum, angehörten. Nach 1986 erstreckten sich diese Ausgrabungen auch auf den Friedhof der Siedlung, welcher 350 m östlich davon liegt und von einem Kollektiv geleitet wurden, dem Radu Harhoi aus Bukarest, Antal Lukacs von der Universität Bukarest und N. Boroffka vom Archäologischen Institut Berlin angehörten. Die zweite wichtige Siedlung aus der näheren Umgebung von Schäßburg,
die von Gheorghe Baltag zwischen 1987 und 1997 erforscht wurde, ist die
Siedlung "La Cetatea" von Weißkirch.
Die Burg von Schäßburg, dieses schöne, mittelalterliche Architekturensemble, das einmalig in Südosteuropa ist und ein beachtliches Werk der sächsischen Ansiedler darstellt, hat ihre eigene Geschichte vor der mittelalterlichen Gründung. Dank seiner Lage an der engsten Stelle des Kokeltales hat der Burgberg schon in der Urgeschichte eine strategische Bedeutung gehabt. An seinem Ostabhang, neben dem Stundturm, wurden 1903, anläßlich des Aushebens eines Abflußgrabens, drei sehr alte Gräber entdeckt, in welchen drei Goldringe gefunden wurden, die mit feinen Schräg- und Kreuzschnitten verziert waren. Auch weitere sieben Goldringe werden in der Fachliteratur erwähnt, aber es ist unbekannt, ob sie vom Burgberg oder aus der Schäßburger Umgebung stammen. Diese Goldgegenstände werden mit der größten Sicherheit an den Anfang der Eisenzeit (1100-1000 v Chr.) datiert und gehören der Hallstatt-A-B-Zeit an. Anhand dieser Funde vermutete Kurt Horedt einen Friedhof der Hallstattzeit im ost-südöstlichen Teil des Burgberges. Es ist sehr wahrscheinlich, daß auch eine Siedlung dieser Zeit dort bestanden hat, die einen Teil der nördlichen Mitte des Burgbergs eingenommen hat. Anläßlich einer von uns 1989 durchgeführten Suchgrabung im Untergrund des Bakonschen Hauses (Haus mit dem Hirschgeweih) wurden mehrere irdene Topfbruchstücke und eine schöne Platte aus schwarzer, mit konzentrischen Rillen verzierten Keramik gefunden, die alle aus derselben Zeitepoche stammen, wie die Ringe, die beim Stundturm gefunden worden sind. Diese und andere Entdeckungen erlauben den Schluß, daß ein Gutteil der unteren Terrasse des Berges während der Eisenzeit besiedelt gewesen ist.
Den oberen Schulberg betreffend, wo die Bergkirche steht, haben wir am Nordhang, am Fuß der Stützmauer, die heute den Seilerturm mit der"alten Schule" verbindet, einen Suchgraben aufgeworfen, aus welchem hallstattzeitliche Keramikscherben, einige Bruchstücke aus der Wandervölkerzeit und viele Scherben des 12. und 13. Jahrhunderts hervorgekommen sind. Anhand der Form des Bodens dürfen wir uns erlauben, eine vorgeschichtliche Fluchtburg mit Wall und innerem Graben anzunehmen, die auf der Spitze des Schulberges und auch später bestanden hat. Im 12. Jahrhundert wurde diese alte, vorgeschichtliche, hallstattzeitliche Burg von den Kezder Szeklern, die das Kokelgebiet als Grenzwächter des ungarischen Reiches, welches sich im 12. Jahrhundert nach Süden auszudehnen begann, beherrschten, übernommen und vergrößert. Beim Mongoleneinfall von 1241 bis 1242 wurde diese Burg zerstört, und nach dem schrittweise Verlegen der Szekler in andere Gebiete, siedelten sich zahlreiche Gruppen deutscher Kolonisten an und begradigten in einer titanischen Arbeitsleistung den Schulberg, um dann, in mehreren Bauetappen, die heutige Bergkirche dort zu errichten. In der Frage des Beginns der mittelalterlichen Besiedlung des Burgbergs
haben die Entdeckungen des letzten Jahrzehnts neue Perspektiven und Hypothesen
eröffnet. Die Reste eines anderen hölzernen Kellers der gleichen Zeitperiode
und der fast gleichen Bauart wurden 1992-1993 im Untergeschoß des
Bakonschen Hauses entdeckt und erforscht. Dieses erste Stadtviertel des 13. Jahrhunderts scheint in seinem oberen
Teil, vor der alten Kirche, einen großen, freien Platz gehabt zu
haben, von welchem sich bis heute ein Teil im Südosten im Entenplätzchen
erhalten hat. Von diesem freien Platz aus führten zwei Parallelgassen
abwärts nach Nordosten, von denen eine sich bis heute erhalten hat:
das Pfarrergäßchen. Die andere, heute verschwundene Gasse,
führte ungefähr durch die heutige Häusergruppe, die sich
zwischen dem Pfarrergäßchen und der Schulgasse befindet und
wurde von uns früher als eine Fortsetzung der Klostergasse vermutet,
doch ist der heutige Verlauf der Klostergasse eine spätere Verlängerung
nach Nordosten der ursprünglichen Gasse, die im 13. Jahrhundert von
oben, von der alten Kirche begann und auf dem Burgplatz endete. Das Holzhaus
im Untergeschoß des Bakonschen Hauses bestätigte unsere Vermutungen,
weil dieses Haus mit der Front zur alten Klostergasse steht und der Hof
sich zur heutigen Schulgasse erstreckte. Die leidensreiche und zu wenig bekannte Geschichte der Burg von Schäßburg spiegelt sich auch in einer kürzlich gemachten Entdeckung wider. Im August 1999 anläßlich einer Befestigungsarbeit an den Grundmauern eines Hauses auf dem Burgplatz wurde in der Füllschicht des Kellers ein Tongefäß mit einem Silbermünzenschatz gefunden. Das Gefäß konnte nicht mehr geborgen werden, aber von dem Schatz konnten 800 polnische Silbergroschen sichergestellt werden. Leider hat der heutige Besitzer des Hauses den Beistand von Fachleuten nicht angefordert (in Rumänien noch nicht Vorschrift), so daß ein Teil der Münzen wie auch die Scherben des Tongefäßes verloren gegangen sind. Die meisten wurden in der Regierungszeit des Königs Sigismund des III. von Wasa (1587-1632) in Umlauf gebracht, die numismatische Erforschung ist in Auftrag gegeben worden. Wahrscheinlich gehörte der Schatz einer Schäßburger Kaufmannsfamilie
des 16. Jahrhunderts, die ihre Ersparnisse in der äußerst trüben
Zeit zu Beginn des 17. Jahrhunderts, als die Stadt wiederholt erobert
und verwüstet worden war, im Keller vergraben hatte. Gheorghe Baltag (Schäßburg)
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