HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Zum Geleit

"cogito, ergo sum"

Wohl nie in der Geschichte der Menschheit ist diese nach dem Wunsch aller Beteiligten verlaufen. So weit, so richtig. Richtig auch, daß die Geschichte immer viel Unrecht hinterläßt. Die überlieferte Erkenntnis aber, daß der Verlauf der Geschichte grundsätzlich nur die Summation von Fehlentscheidungen sei, wollen wir gerne dem ersten deutschen Nachkriegskanzler K. Adenauer zugeschrieben lassen in der begründbaren Annahme, daß er sich mit dieser provokant-alternativen These in der Geschichtsschreibung selbst als rühmliche Ausnahme eingeordnet wissen möchte. Stattdessen wollen wir zu Beginn eines neuen Jahrtausends den Versuch unternehmen, Vergangenheit und Zukunft wenigstens für unsere Heimatstadt mehrheitlich in Einklang zu bringen. Ausgangspunkt bleibt dabei unsere oft besungene Zielsetzung "... und um alle deine Söhne schlinge sich der Eintracht Band", selbst wenn A. Muresanu (Desteapta-te romane ...) und J. Petöfi (Talpra magyar ...) vor 150 Jahren für ihre Glaubensgenossen andere Töne anschlugen. Eine verhaltene Vorsicht ist auch deswegen geboten, da das Urteil unserer eigenen Nachfahren noch aussteht, ob vielleicht doch allein unserer Generation das Prädikat "Fehlentscheidung" gebührt.

Für extreme oder gar egozentrische Auffassungen ist somit hier auch kein Platz. Allein die Entscheidungen, die unsere Väter und jeder von uns in den abgelaufenen Jahrzehnten getroffen haben, stehen auf dem Prüfstand. Und wie bei fortschreitendem Alter allgemein zu erwarten, schließt sich der Kreis und man kehrt altersbedingt zunehmend zu seinen Kindheitserinnerungen, Lehr- und Wanderjahren zurück, um rückblickend selbstkritisch zu prüfen, was von der Erziehung im Elternhaus und der Prägung in Schule und Beruf realistisch und als Leitmotive erhaltenswert bleibt.

Nachdem sich die überwiegende Zahl der Völker Zentraleuropas (mehrheitlich?) für ein gemeinsames "Europäisches Haus" entschieden hat, müssen wir uns auch um eine gemeinsame Geschichtsbetrachtung Siebenbürgens bemühen und bereit sein, die nachweislichen historischen Fakten nach dem "Woher" und dem kausalen "Warum?" zu hinterfragen, um das "Wohin?" zweifelsfrei zu erkennen. Die Zahl der Anfragen an unsere heimatlichen Historiker aller Nationalitäten werden sich bei deren Befragung von Mal zu Mal potenzieren, vergleichbar dem Umgang mit unseren Enkelkindern, die uns bei erwachendem Wissensdurst bereits im Vorschulalter mit ihrem ewigen "Warum?" nerven können. In Erinnerung an die eigene oft verklärte Kindheit sollten wir die Fragestellungen als Grundlage und gleichsam als Brückenschlag zwischen den Generationen werten und ? wenn auch subjektiv ? beantworten. Es bleibt dies die Grunderkenntnis der Menschheit "cogito, ergo sum!" Lassen Sie uns im Interesse der Wahrheitsfindung und einer künftig menschlicheren Gemeinschaft dem Problemkreis folgen. Tabus darf es dabei nicht geben. Allein die Suche nach den Perspektiven durch minutiös-wahre Darstellungen besitzt Prioritäten. Interpretationen und nachträgliche Wertungen bleiben wohl auch künftighin meist problematisch.

Schon die bescheidenen ersten Schritte unserer Heimatstadt auf dem Weg nach Europa sind viel versprechend: Die Bergschule entwickelt sich zunehmend zu einer zweisprachigen Begegnungsschule, mit stadtparlamentarischer Billigung wurde durch die Messerschmitt-Stiftung die Bergkirche restauriert und in einem ökumenischen Gottesdienst wieder eingeweiht. Wenn alles nach Wunsch verläuft, wird die Stiftung sogar ihren ständigen Sitz im "Haus mit dem Hirschgeweih" nehmen. Wie allgemein bekannt, hat inzwischen auch die EU ihr Interesse an Schäßburg bekundet. Äußeres Zeichen dafür ist die Überreichung der EU-Fahne, eine von 27 des Jahres 1999, der ersten für Rumänien. Das Signal zeigt Wirkung.

wischenzeitlich bekundet auch die UNESCO ihr Interesse an dem Erscheinungsbild unserer Heimatstadt. Wir berichteten darüber im vorigen Heft. Leider mußten wir darin jedoch auch Nachrichten vermitteln, die uns Sorgen bereiten. Darin ist zu lesen, daß sich unsere Heimatstadt nach unserem Exodus zunehmend zu einer mittelalterlichen Theaterkulisse entwickelt und nunmehr auch Denkmale installiert wurden, die Rumänen wie Sachsen gleichermaßen als Fremdkörper empfinden müssen, da sie mit dem Europagedanken und den Zielsetzungen der UNESCO kaum vereinbar sind. Vertieft werden die Zweifel durch das Bemühen aufgeschlossener rumänischer Historiker, die mit ihrem um Objektivität bemühten Geschichtsbuch in Bukarest an oberster parlamentarischer Stelle in die Kritik geraten sind (SZ 2/2000). Verschweigen oder gar Verfälschungen historischer Fakten sind keine Grundlage für das europäische Anliegen, dem wir uns künftig verstärkt zuwenden wollen oder gar müssen.

Ihre Redaktion

 

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Letztes Update: 2004-03-01 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg