HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Hans Kraus (Karuso)

ehemaliger Sportlehrer der Bergschule, wurde in Schäßburg geehrt


Hans Kraus

Am 26. Mai, dem Geburtstag des ehemaligen Professors der Bergschule, Hans Kraus, fand zu seiner Ehrung, auf Initiative des bekannten Boxtrainers, Mihai (Luta) Solomon, in der Aula der Bergschule eine Gedenkfeier statt.
Wilhelm Fabini hatte zu diesem Zweck Plakate erstellt, die in der Stadt angebracht wurden und eine Fotomontage mit Bildern aus dem Wirken von Hans Kraus angefertigt, die in der Aula zu sehen war und anschließend von Direktor Mircea Meier für die Schulausstellung behalten wurde. Den Festsaal schmückte noch ein Porträt des geehrten Professors.

Eine Schülergruppe führte zum Abschluß der Gedenkstunde einen Boxkampf vor.
Im Rahmen der Feier sprach Hermann Baier über das Leben und Wirken des für seine Zeit hervorragenden Turnlehrers, den er selbst als Lehrer und Kollegen in der Schule und im halbsymphonischen Orchester sowie auch als Freund kannte.

Hier leicht gekürzt, seine Ansprache:
Hans Kraus wurde am 26. Mai 1903 in Schäßburg geboren. Seine Eltern hatten eine Gastwirtschaft mit großem Hof am Hämchen, ein Einkehrhaus, das immer mit Gespannen von Dorfleuten, die geschäftlich in die Stadt kamen, mit Leben gefüllt war.

Im Hof des zu der Zeit gegenüberliegenden Waisenhauses gab es Turngeräte, an denen Hans Kraus schon als Kind sein Talent unter Beweis stellte.
Volksschule und Bischof-Teutsch-Gymnasium in Schäßburg schloß er mit guten schulischen Leistungen ab. Durch sein außergewöhnlich gutes turnerisches Können kam er zur Sporthochschule ONEF nach Bukarest, die er mit hervorragender Leistung abschloß und seinen beruflichen Weg dort als Sportassistent begann. Er war ungewöhnlich vielseitig talentiert, wie es bei Sportlern selten vorkommt, er war ein As an den Turngeräten, in der Leichtathletik, im Skilauf, im Schießen, im Mannschaftssport Handball und Rugby, selbst im Bumerang übertraf er alle, im Fußball war er Spieler, Torwart und Schiedsrichter. Viele Auszeichnungen in allen Sportdisziplinen, die er im Laufe der Jahre erhielt, krönten seine Arbeit.
Im Jahre 1932 war Hans Kraus Skilehrer einer Militäreinheit im Predeal, von wo aus er den jungen König Michael I. im Skilauf unterrichtete.
1934 kommt er nach Schäßburg zurück und beginnt seine Laufbahn als Turnlehrer am Bischof-Teutsch-Gymnasium. Seine hier entfaltete Tätigkeit war vielseitig, fast ein Sportphänomen der Zeit, er konnte mit seinen Leistungen am Reck, am Barren, beim Bodenturnen, Skilaufen oder Handball begeistern, es gelang ihm, die Notwendigkeit der körperlichen Ertüchtigung zu vermitteln und eine ganze Reihe von Leistungssportlern in allen Sportdisziplinen auszubilden, seiner Heimatstadt Schäßburg zur Freude.

Er wurde Vorsitzender des Schäßburger Sport- und Turnvereins (STV), unter seiner Leitung wurden die Sportfeste auf dem Sportplatz, dem Mädchenschulhof, der Breite beim Skopationsfest mit rhythmischer Gymnastik, Geräteturnen, Leichtathletik und Spielen organisiert.
Das war aber nicht alles. Als Gymnasialprofessor unterrichtete er in der Schule neben Turnen und Sport auch Anatomie, die rumänische Sprache, ja sogar Mathematik.

Als Verbindungsoffizier der rumänischen Armee zum deutschen Heer erlebte er die Kriegsjahre und konnte erst 1945, unter schwierigen Umständen, zu seiner Frau und den vier Kindern sowie zur Schule zurückkehren.
1946 bis 1948 war er Trainer der Schäßburger Jungen- und Mädchen-Handballmannschaften. Bekannt als "Victoria" wurden die Jungen 1946 und 1948 als "GSMS" mit den Mädeln zusammen rumänischer Landesmeister.

Schon 1950, bekannt im rumänischen Sportgeschehen durch seine besondere Leistung und Teilnahme bei den Europameisterschaften in Budapest, wurde Hans Kraus nach Bukarest als Trainer der Nationalmannschaft im Geräteturnen berufen, um diese für die Olympiade 1952 in Helsinki vorzubereiten. Seine Aufgabe gewissenhaft erfüllt, in den Fachkreisen und von den Turnern geehrt und geschätzt, kam er nach Schäßburg, um hier zur Reise mit der Mannschaft nach Helsinki zuzusteigen. Mißgunst, Willkür und Brutalität der damaligen Zeit schlugen aber zu, Hans Kraus wurde zu Hause in der Nacht davor von der Securitate verhaftet und verschwand für drei Jahre, ohne einen Grund jemals genannt zu bekommen, hinter Gittern am Donaukanal.

Nach seiner Entlassung versuchte er vergebens, im Lehramt tätig zu werden, auf seine zahlreichen Anträge wurde immer wieder geantwortet: "Sie sind nicht würdig, die junge Generation zu erziehen"!!

Sein Schicksal war hart und unerklärlich, sein tägliches Brot mußte er von nun an als Arbeiter in der Handwerksgenossenschaft und zum Schluß als Lagerverwalter beim Sportklub "Vointa" verdienen.
Hans Kraus hat sein Schicksal mit Würde getragen, er blieb, wie Zeit seines Lebens, Optimist. Vielseitig begabt auch im Leben des Alltags, konnte er Theater sowie im Symphonieorchester fast alle Instrumente spielen.
Der Lehrer und Trainer Hans Kraus schied nach schwerer Krankheit im Alter von 67 Jahren am 14. Oktober 1970 aus dem Leben.

Heuer jährt sich zum 30. Mal der Todestag von Hans Kraus. Aus diesem Anlaß wird Mihai Solomon eine Gedenktafel an der Turnhalle im Hof der ehemaligen Jungenschule anbringen lassen, die in Zukunft auch den Namen "Hans-Kraus-Turnhalle" tragen wird.

Emmy Machat (Schäßburg)

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