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zum hundertsten Geburtstag des Malers Karl Brandsch
Selbstbildnis, Kohle, 1942. (60x47 cm) Am 7. August 2000 wurde der 100. Geburtstag von Karl Brandsch gefeiert, der sich innerhalb der siebenbürgisch-sächsischen Kunst vor allem mit seinen Landschaftsaquarellen einen Namen gemacht hat. Besonders viele Schäßburger werden sich noch gut an diesen Namen erinnern, da er den Großteil seines Lebens in Schäßburg verbracht hat. Geboren wurde Karl Brandsch am 7.8.1900 in Schweischer (bei Reps), als das erste von fünf Kindern der Eheleute Karl und Johanna Brandsch, geb. Pelger. Der Vater war Theologe und Lehrer für alte Sprachen, zwei Berufe, die in der Familie Brandsch bereits eine längere Tradition hatten. 1902 zog die Familie nach Schäßburg, da der Vater als Gymnasiallehrer dorthin berufen worden war. Seit dieser Zeit ist Schäßburg zum Hauptquartier der Familie geworden, wohin auch Karl Brandsch nach einigen Unterbrechungen immer wieder zurückkam. Das Haus der Familie mit dem großen Garten, der die früheren genauso wie die Enkelgeneration gleich begeisterte, befand sich in der Gartengasse.
Winter in der Gartengasse. Aquarell (26x40 cm) In Schäßburg besuchte Karl Brandsch die Volksschule und das Gymnasium, die Septima des Bischof-Teutsch-Gymnasiums unter anderen zusammen mit Franz Letz, dem Architekten. Mit diesem gemeinsam hatte Karl Brandsch auch Zeichenunterricht bei Professor Georg Donath, einem engagierten und fähigen Zeichenlehrer. Dieser praktizierte den Zeichenunterricht nicht nur im Klassenzimmer, sondern machte mit seinen Schülern kleine Ausflüge in die Umgebung und übte sie hier in der Abbildung von Motiven aus Natur und Stadt. Er, sowie auch Franz Letz, haben für ihre späteren Karrieren von diesem ersten Zeichenunterricht unbestreitbar sehr profitiert. Diese Art der Motivsuche, das unermüdliche Erkunden der Landschaft auf zahllosen Wanderungen, hat Karl Brandsch sein Leben lang beibehalten. In den Zeichenstunden bei Donath wurde, von diesem gefördert, das künstlerische Talent von Karl zum ersten Mal offensichtlich. Trotzdem studierte er nach dem Abitur 1918 zunächst Agronomie, sicherlich auch dem Wunsch des Vaters folgend. Sein Studium führte ihn nach dem Beginn in Mediasch auch nach Deutschland, nach Leipzig, Königsberg und Stuttgart. 1922 schloss er es mit dem Diplom ab. Zurück in die Heimat musste er 1925, nach kurzem Militärdienst, den Ernst des Lebens in Form eines Berufes nun endlich antreten. Da er aufgrund seines schwachen Gesundheitszustandes den Agronomenberuf nicht ausüben konnte, wurde er Professor für Landwirtschaft und Naturwissenschaften an der Lehrerinnenbildungsanstalt in Schäßburg. Viel Freude wird ihm dieser Beruf nicht gemacht haben, aber in einer Hinsicht war es doch eine glückliche Fügung. Er lernte hier Lilli Farsch kennen, die 9 Jahre jünger und seine Schülerin war. 1932 heirateten sie und Lilli wurde für ihn zur unentbehrlichen Stütze, die mit unerschöpflicher Energie zum Lebensunterhalt durch ihren Beruf als Lehrerin und durch zusätzliche Handarbeiten mit beitrug, vier Kinder großzog und Karl Brandsch im allgemeinen alle Widrigkeiten und lästigen Pflichten so weit wie möglich vom Leibe hielt. Eine unerlässliche Voraussetzung dafür, dass er sich so intensiv seiner Malerei widmen konnte, wie er das getan hat und trotzdem in das gesellschaftliche Leben eingebunden blieb.
Im botanischen Garten. Aquarell (26x40 cm) Bereits während seiner Lehrtätigkeit hatte Karl Brandsch 1926 seine erste Einzelausstellung in Schäßburg in der evangelischen Mädchenschule. Zu sehen waren dort 30 Aquarelle mit Landschaften aus der Schäßburger Umgebung, die bereits den charakteristischen Stil Brandschs erkennen ließen. Diese Ausstellung hatte einen großen Erfolg und bestärkte Brandsch darin, seine Begabung doch noch zum Beruf zu machen. 1927 gab er seine Lehrtätigkeit auf und schrieb sich in Klausenburg an der Kunstakademie ein, die er 1930 mit dem Zeichenlehrerdiplom abschloss. Während seines Studiums 1929 hatte Karl Brandsch seine zweite Einzelausstellung wiederum in Schäßburg. Hier kamen zu den Landschaftsaquarellen noch Porträts hinzu und Landschaften in Öl. Auch diese Ausstellung war ein Erfolg und in ihrer Besprechung im Siebenbürgisch-Deutschen Tageblatt vom 30.12.1929 wurde Karl Brandsch von Albert Reinhardt eine große Begabung zuerkannt. Seine Porträts fesselten durch die Charakterisierung der Personen, bei den Landschaftsbildern wurden vor allem die zarte feine Farbgebung und die Stimmungshaftigkeit hervorgehoben. Nach einem kleinen Intermezzo am Staatslyzeum in Gheorgheni, wohin es ihn
1931 zunächst verschlagen hatte, verließ Karl Brandsch Schäßburg für fast 20 Jahre,
denn er wurde 1934 Lehrer für Zeichnen und zahlreiche andere Fächer wie Handfertigkeit,
Schönschreiben, Physik, Chemie, Botanik und Mathematik an der Abendschule für Lehrlinge
in Mühlbach. Hier in Mühlbach werden auch die vier Kinder, drei Söhne Johannes, Ingmar
und Roderich und eine Tochter Sunhild, geboren. Erst 1951 sollte Karl Brandsch mit seiner
Familie, diesmal für immer, wieder nach Schäßburg kommen.
Blick auf Wietenberg, Burgstadel und Wentch. Aquarell 40x28 cm) Bereits in Berlin wurden vier Fünftel der Ausstellung verkauft, darunter alle vier Bilder von Karl Brandsch. Dieser vielversprechende Anfang und der sich nach 2 Jahrzehnten endlich langsam aber vielversprechend einstellende Erfolg wurde durch das Kriegsende und die schweren Zeiten danach, wieder erstickt. Es ist tragisch und angesichts der Kunst Karl Brandschs auch widersinnig, dass das zarte Pflänzchen seiner Karriere durch die Nationalsozialisten, genauer gesagt durch ihre kulturellen Bemühungen in Siebenbürgen zum Zwecke der Anbindung der deutschen Volksgruppen im Ausland, gestützt und gedüngt wurde. Als naturalistisch malender volksdeutscher Künstler hatte er keine Schwierigkeiten mit der damals vorherrschenden Kunstauffassung. Dies war von ihm jedoch nicht beabsichtigt. Alle Bilder Karl Brandschs aus dieser Zeit fügen sich thematisch und stilistisch nahtlos in sein bisheriges Werk ein. Sein Thema war und blieb die naturalistische Landschaftsmalerei, ohne eine Spur ideologischer, politischer oder sozialer Bezüge.
Burgpanorama. Aquarell (30x20 cm) Das Hauptthema seiner Bilder sind die Landschaften und Orte seiner Heimat Siebenbürgen. Die Liebe zur Natur, das Empfinden und Erforschen ihrer Schönheit war seine künstlerische Motivation. Seine Bilder drücken die starke aber stille Faszination und Harmonie aus, die er in den Erscheinungsformen von Natur und Landschaft fand. Vor allem im Aquarell schuf Karl Brandsch unverwechselbare Stimmungsbilder von intensiver Kraft. Auch seine Ansichten von Städten, sehr häufig hat er natürlich Mühlbach und Schäßburg gemalt, sind laut Harald Krasser von ausschließlich Brandschischer Eigenart. Er schuf auch zahlreiche Zeichnungen mit Bleistift und Kohle und malte ebenso sicher in Öl und Tempera. Neben reiner Landschaftsdarstellung spielte auch das Porträt eine wichtige Rolle. Er porträtierte die Familienmitglieder sowie enge Freunde und Bekannte. Etliche Blumenstilleben runden das Repertoire seiner Werke ab.
Schneeschmelze in der Weißkircher Aue. Aquarell 45x30 cm) Im Januar 1945 wurde Karl Brandsch wie viele andere Siebenbürger Sachsen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert, aus der er anderthalb Jahre später 1946 wieder nach Hause kam. Wieder zu Hause begann für Brandsch eine der künstlerisch produktivsten Zeiten seines Lebens. Um alle Entbehrungen zu vergessen und so vieles nachzuholen, malte Karl Brandsch wie ein Besessener, oft über 100 Bilder pro Jahr (1948 waren es 130 Bilder). In der Malerei blieb ihm jedoch auch nach dieser Lebenskrise genau das wichtig, was auch vorher wichtig gewesen war, nämlich das Abbilden der Landschaft, die für ihn immer eine Quelle unerschöpflicher Inspiration war. 1951 wurde Karl Brandsch auf eigenes Ersuchen von Mühlbach nach Schäßburg an die Pädagogische Schule für Knaben und Mädchen versetzt. Er hatte gehofft, hier wirklich nur noch Zeichnen unterrichten zu können, aber diese ewige Hoffnung wurde auch hier wieder enttäuscht, wo er nach kurzer Zeit wieder alle ihm verhassten Fächer unterrichten musste. In der politisch deprimierenden Zeit der 50-er Jahre ging die Schaffenskraft Karl Brandschs wieder drastisch zurück. Gravierend hat sich mit Sicherheit auch die herrschende Kunstdoktrin des Sozialistischen Realismus ausgewirkt, nach der die Kunst der Gesellschaft und ihrer Vervollkommnung dienen musste und entsprechende Themen verlangt wurden. Es ist nicht bekannt, ob und welchen Repressionen Karl Brandsch ausgesetzt war, aber es ist anzunehmen, dass er sich wie viele andere Künstler diesem Druck nicht entziehen konnte und es daher möglicherweise vorzog, weniger zu malen. Die allgemeine Hoffnungslosigkeit, die damals um sich griff, lässt sich auch in Karl Brandschs Bildern aus dieser Zeit nachvollziehen, die häufig mit grauen und stumpfen Tönen gemalt sind, die Landschaften werden zum Teil sehr düster und kahl. Karl Brandsch selbst notierte 1959, dass er kaum Bilder gemalt hätte, weil ihm neben der Arbeit für die Schule kaum Zeit dafür bliebe. Er bemerkte aber, dass er mit den Augen sehr viele Motive umfangen und das Malen für die Zeit nach der baldigen Pensionierung aufgehoben habe.
Der Burgberg zwischen Kokel- und Schaaserbachtal, 1956. Aquarell (80x58 cm) Erst nach dieser langersehnten Pensionierung 1960 ist ein neuer künstlerischer Schwung zu spüren. In der Folgezeit entstanden wieder eine Fülle von Bildern, die wieder die Lebendigkeit und Frische der Frühwerke ausstrahlten. Manche Aquarelle aus dieser Zeit könnte man aufgrund der Intensität und Leuchtkraft der Farben in die 30-er Jahre datieren. In der Farbigkeit ging Karl Brandsch noch einen Schritt weiter und erreicht in einigen Bildern durch die Intensität und Unvermischtheit der Farben eine für ihn neue Qualität des Ausdrucks, die dem Expressionismus nahesteht. Auch die Malweise ist eine andere geworden: Die Pinselführung wird großzügiger, Farbflächen werden gegenüber den Konturen wichtiger. Die Aquarelle sind nicht mehr mit der früheren Präzision gemalt, die Konturen der Häuser verschwimmen ineinander, Felder und Wiesen sind durch größere Farbtupfer wiedergegeben, die nur locker nebeneinander gesetzt werden. In seinen späten Jahren entdeckt Karl Brandsch sogar eine für ihn noch neue Technik, die Temperamalerei, in der vor allem Bilder von großer farblicher Ausdruckskraft entstanden sind. Von Stillstand ist also auch in den Alterswerken Karl Brandschs keine Spur zu entdecken.
Blick auf Schäßburg vom Siechhofberg, 1968. Aquarell (80x58 cm) Noch 10 Jahre hat Karl Brandsch weitergemalt, bis er die geliebte Tätigkeit schließlich doch aufgeben musste. Durch den Star waren seit 1970 seine Augen immer schlechter geworden, so dass er kaum noch etwas sah und auch die langen Wanderungen zur Motivsuche konnte er nicht mehr ausführen. 1972 malte er nur noch ein Bild, die Ansicht eines Gartens, die er aus dem Gedächtnis malte, ebenso wie die drei Bilder der Jahre 1974 und 1975. 1978 stirbt Karl Brandsch in seinem Haus in Schäßburg.
Herbststimmung auf dem Kreuzberg. Aquarell (45x30 cm)
Schäßburg im Winterkleid. Aquarell (30x45 cm) Das Erfühlen der Natur, das Abbilden des Wesentlichen in ihr
und die Wiedergabe seiner persönlichen Empfindungen machen den Charakter und die Stärke
von Karl Branschs Bildern aus. In seinem Ausdruck ist er von Anfang an selbstständig und
schließt sich keiner Richtung oder Schule an. Sehr ehrlich und scharf beobachtend hat er
immer nach seinem eigenen Gefühl gemalt. Dennoch war er kein Künstler, der blind für
alle anderen künstlerischen Ausdrucksweisen sich im Kokon der eigenen verfangen hätte.
Er hat durchaus um die Möglichkeiten und Intentionen der verschiedenen Stilrichtungen
gewusst und sie auch selbst erprobt. Zuweilen hat Karl Brandsch an der Richtigkeit seines
Weges gezweifelt, aber nie so stark, dass er den roten Faden verloren hätte. So ist uns
ein Werk erhalten geblieben, das von einer erstaunlichen thematischen Einheitlichkeit
geprägt ist, der Natur, die er aber in den unterschiedlichsten Techniken eingefangen hat,
und die er so auf verschiedene Arten ausloten und erfassen wollte. Und nicht zuletzt
wollte er auch die Schönheit, Erhabenheit und das Tröstende der Natur immer wieder
selbst erleben und es auch anderen zeigen. Hanna Brandsch
(Freiburg)
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