Kanada 2000
Bericht von Heidi Graef (Ludwigsburg)
"Denken ist wundervoll, aber noch wundervoller ist das Erlebnis (Oscar Wilde)
Unter diesem Motto startete am 17. August eine 18-köpfige Gruppe von Schäßburgern zu
einer Rundreise durch den Osten Kanadas.
Vorangegangen war der Tour die Idee eines Schülertreffens in Kanada, die bereits bei
einem der letzten, der inzwischen2-jährig stattfindenden Abiturtreffen des
Jahrganges 1947 (Geburtsjahrgänge 1926 und 1927) vom Bischof-Teutsch-Gymnasium in
Schäßburg, entstand. Schließlich musste Julius Waedt aus Winnipeg/Kanada zu den Treffen
immer nach Deutschland kommen, jetzt sollte das Ganze einmal in umgekehrter Richtung
erfolgen. Und wenn man schon mal nach Kanada fliegt, will man auch etwas von dem Land und
seiner grandiosen Natur erleben! Der Osten wurde als Zielgebiet auserkoren, da einige
bereits den Westen mit seinen Naturparks besucht hatten.

Start in Toronto, v.l.n.r.: Ernst Dengel, Heidi Graef, Sonja Waedt,
Gunther Graef, Edda Ehrmann,
Ingeborg Ehrmann, Martha Löw, Anneliese und Roland Ludwig, Marianne Folberth,
Richard Löw,
Elly Adleff, Julius Waedt, Ruth Dengel, Karl Adleff. Foto: Klaus-Dieter Graef
Als die Reise dann bereits im Spätherbst 1999 konkrete Formen annahm, waren nur noch
fünf ehemalige Schulfreunde nebst Ehefrauen Karl und Elly Adleff, Ernst und Ruth
Dengel, Richard und Martha Löw, Roland und Anneliese Ludwig, Julius und Sonja Waedt
mit von der Partie. Ergänzt wurdedie Mannschaft durch Edda Ehrmann, Ingeborg
Ehrmann, Marianne Folberth, Annemarie Leonhardt, sowie Heidi (Adleff) und Klaus-Dieter
Graef (als Fahrer und Organisatoren) mit Kindern Harald und Gunther.
Die Zusammensetzung der Gruppe erwies sich als trefflich und wir durften drei
wunderschöne, erlebnisreiche und humorvolle Wochen miteinander verbringen, die nur
kurzfristig durch den Verlust zweier Pässe getrübt wurden.
Was haben wir nicht alles erlebt! Die Fahrt führte durch Ontario und Quebéc mit ihren
Großstädten Toronto, Montreal, Quebéc und der Hauptstadt Ottawa. Neben bekannten
Touristenattraktionen (Niagarafälle, Fort Henry, Upper Canada Village, Sankt Lorenz Strom
mit Tadoussac und Bootstour zu den Walen, Wendat-Indianer-Reservat, Rideau Kanal,
Algonquin Provincial Park, Huron Indian Village) gab es auch weniger bekannte Ziele, wie
zum Beispiel den Weg durch das Laurentides Provincial Reserve zum Lac St. Jean und den
Besuch der Cabane à Pierre (eine Ahornfarm), wo uns die Produktion des Ahornsirups
erläutert wurde.
Ein Erlebnis besonderer Art war das Treffen mit Landsleuten in Kitchener, das von Richard
Löw in die Wege geleitet wurde. Am 19.08. wurden wir um 18.00 Uhr von Frau Paulini, sowie
acht weiteren Ex-Siebenbürgern im Transylvania Club willkommen geheißen. Und dann kamen
wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Clubhaus wurde uns mit seinen Räumlichkeiten
gezeigt, in denen gerade zwei Hochzeiten und eine Jubiläumsfeier stattfanden. Wir durften
in der gemütlichen, kaminbestückten (originaler Kachelkamin aus Siebenbürgen)
Karpatenstube speisen. Enorm, was die ausgewanderten Siebenbürger hier, dank ihres
Zusammenhaltes und mit viel Liebe fürs Detail geschaffen haben. Besonders beeindruckend
und bezeichnend war auch der Spruch an einer Wand: "Laß Dir die Fremde zur Heimat,
aber nie die Heimat zur Fremde werden!

Picknick in Niagara Falls, v.l.n.r., vordere Reihe: Ingeborg
Ehrmann, Annemarie Leonhardt, Marianne Folberth, Karl und Elly Adleff,
Harald Graef, Julius Waedt, Heidi und Gunther Graef. Hintere reihe: Anneliese und
Roland Ludwig, Martha und Richard Löw,
Sonja Waedt, Ruth und Ernst Dengel, Edda Ehrmann. Foto: Klaus-Dieter Graef
Bei der offiziellen Begrüßung überreichte Richard Löw im Namen der Gruppe Frau Paulini
den "Schäßburg-Band, sowie ein Gedichtband von Johanna Leonhardt zur
Ergänzung der Bibliothek im Clubhaus. Danach waren wir alle zum gemütlichen
Beisammensein im Hause der Familie Paulini eingeladen. Es wurde ein wundervoller
Begegnungsabend mit echter siebenbürgischer Gastfreundschaft (dazu gehörte natürlich
u.a. auch der Schnaps und die exquisite Hanklich), für den wir alle auch jetzt noch sehr
dankbar sind. Es wurde erzählt und gesungen. Und einmal mehr konnten wir feststellen,
dass unsere Heimat Siebenbürgen unser Verständnis füreinander und die Gemeinsamkeiten
hervorhebt, trotz der unterschiedlichsten Schicksale, die das Leben für jeden einzelnen
bereit hielt.
Nach drei überaus erfüllten und ereignisreichen Wochen, landeten wir am 7. September
alle wieder gesund und munter in Stuttgart!
Dieser Bericht soll durch Martha Löws "Kanada Sermon abgerundet werden,
der bereits während unserer Reise entstand und der besser als jeder andere Kommentar
unseren Aufenthalt auf dem nordamerikanischen Kontinent charakterisiert.
En Kanada Sermon:
Wä derhim
As Häuptling, "Weißer Schopf", gåw den Befiehl,
dått jeder vun as äst vu
sich giën sil,
betrefs, wått sich åf asem Kanada Trip
zeagedron.
Häi äs e nea, der "Kanada Sermon".
Mir Såchsen, egal,
wo mer as befånjden,
kucken glech un ållen Ånjden,
wot Anlegeten gew; dro kreische mer uch schin
los:
"Det äs jo ålles wä derhim: Der Bäsch, det Haus, de Stroß,
de Bim!
Zem Bäspäll, wonn ech dinken e poor Dach zeräck
Un den Seangtoch än Kibäck (=Quebéc):
Bäm Lorenzstrom, mer fearn entlång desem Geweßer,
Glech krischen de Agnithlerännen: Glatt wä de Hårbåch, nor ewenich gresser!"
Und mir aus Scheßbrich minten cool zea der 3-Rivers-Stadt:
Scheßbrich uch de Keakel, de Schaser und de Heangdsbåch hått!
Mer wor em kitt, do
meß de Kirchen em besähn.
Dått äs än Kibäck uch geschähn.
Katholesch, methodistesch, unitaresch, protestantesch ålle se vertriëden.
Dänn jeder, die åls Siedler kåm, die hått näst åndert, wä za senjem Härrgott
biëden;
Si, wä as Vuerfohren, dä vur iwwer 800 Johren
(und mir sälwest leztlich uch!) än en gånz noa Himet ausgewåndert woren.
De greßt Kirch än Kibäck äs de Kathedral.
Derin hådde mer uch derhim. (Åwwer, dä wor es
glått egal!)
Dro geng et wejter und mer såchen und entdakten Anlegeten änjden noa!
Um Chateau Frontenac, dem Rothaus (Hotel de ville hisst em hä
dåt Geboa).
Zer Stådtmauer kåmer mer droh hih,
der Anlegeten worden änjde mih:
Dänn, wä än Härmestådt kån em hä sähn,
wä Eangderstådt uch Iwwerstådt der Maur entlång sich zähn.
Zer Zitadäll kåme mer dro båld.
Nea gåw et fuër as Scheßbricher komm noch en
Hålt:
"Mer gohn nea åf de Burch! Gånz wä derhim
äst hä,
und uch de Schillertrap, dä äs derbä!
Bäs mer kåmen åf de Hih,
Woren et nor zirka 40 Trapen mih.
Si himelt et un ållen Ånjden,
Sigor, de Kåtzenhifter senj ze fånjden !
En Fäst gåw et än deser Stådt,
zea dem vill Gest em äggelådden hått.
Durch ålle Stroßen
deffilierten Musikanten,
und mir stålten fest: Se blosen schär esigeat, wä as Adjuwanten!
Uch eße genge mer, e jeder à son goût.
Mir åßen Pizza, de Agnithlerännen awwer woren
weddermol der Clou:
Sä åßen (wä derhim!!) en 4 Gang Menü,
"comme il faut",
und bällich, schär ämsonst, mät ållem Pi Pa Po!
Äst wor net wä derhim, mer hunt awwer net beroat:
De Klos! Dä woren iwwerål o.k. und kosten nemmol näst,
dåt hått es gor gefroat!
Und, wejter
kutschierten mer durcht Lånd,
de Gejenden ijentlich worn noa, as awwer uch bekånt:
Säch, wä um Sankt Annen Si,
wä åf dem "Keroly Wiëch", wä åf der Hårghita
Hih!
Si geng und giht et wejter, und äm dåt, zem Schlåß, noch in Problem
beschefticht mech:
Woräm, zem Dånner, zähn mir Såchsen iwwerhift ewech???

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