| Als der in England lebende "Privatmann Carol Caraiman" sich
seiner königlichen Herkunft erinnerte, kehrte er im Juni 1930 nach Rumänien zurück und
ließ sich als Carol II. krönen. Mit seinem neunjährigen Sohn Mihai hat er auf seiner
Reise zum Herbstmanöver bei Großschenk auch einen Tag in Schäßburg zugebracht um sich
bei einer Parade auf dem noch unbegrünten Marktplatz von den Schäßburgern feiern zu
lassen. Von diesem kurzen Besuch berichtet am 23.10.30 der "Groß-Kokler Bote":

Mit jubelnder Freude erwartet und mit herzlicher Begeisterung empfangen weilt S.
Majestät König Karl II. seit heute in unserer Stadt
Einem Triumphzug gleicht seine
Fahrt durch die Gassen und durch das Spalier der Bevölkerung aus Stadt und Land, die es
sich nicht hat nehmen lassen, den jungen und geliebten Herrscher jubelnd zu begrüssen.
Ein Festtag ist der Einzug für Gross und Klein, denn alle wollen dem König ihre
Ehrerbietung erweisen

Aus der grossen Hauptstadt des Landes und der Hauptstadt Siebenbürgens ist er von einem
Fest hoher kultureller Bedeutung hierher geeilt, um zu prüfen wie die Armee, wenn sie -
was Gott verhüten möge - im Dienste des Vaterlandes die schwerste ihrer Pflichten
erfüllen müsste, gerüstet ist. Von der Festfeier der Universität Klausenburg, der
Stätte der Bildung, ist er in das Manövergelände gekommen, um die Stätte der
körperlichen und geistig-technischen Tüchtigkeit zu besuchen

Hoch zu Roß auf dem Marktplatz. Archivbild
Die Schässburger erfüllt es mit besonderer Befriedigung, dass Se. Majestät hier
Aufenthalt genommen und von der hingebungsvollen und aufrichtigen Verehrung der
sächsischen Bevölkerung Kenntnis nimmt, die ihm begeistert zuruft: "Heil dem
König!"

Zehn Jahre währte die Regierungszeit Carls II. Die "Eiserne Garde" und
Marschall Antonescu, der Ministerpräsident, nötigten ihn zum Rücktritt und Carl
verließ das Land wieder, sein 18-jähriger Sohn Michael I. wurde König. Der konnte nun
seine vom Vater geschiedene Mutter aus dem italienischen Exil zurückkehren lassen. Die
gebildete und kluge Königin-Mutter Elena besuchte mit ihrer Begleitung im Mai 1941
Schäßburg und war Gast im Lehrerinnen-Seminar, das zu der Zeit unter der Leitung von
Prof. Heinz Brandsch stand.

Begrüßung und Militärparade auf dem Marktplatz. Archivbild
Überliefert sind uns leider nur die Bilder, die uns einen freundlichen Austausch von
Reden und Blumen vor versammelten Lehrern und Schülerinnen vermittelt.
Auch König Michael mußte 1947 abdanken und in England als Testpilot, Gutsbesitzer,
Börsenmakler oder Leiter einer Elektrofirma sich und seine Familie erhalten. (Er
heiratete die Prinzessin Anne von Bourbon-Parma und hat mit ihr fünf Töchter.)

Königin-Mutter Elena 1941 im Lehrerinnenseminar. Archivbild
Nach dem Sturz Ceaus¸escus, nach der Revolution von 1989, besuchte der Ex-König
"inoffiziell" Rumänien, wurde aber wieder des Landes verwiesen.
1996, am 17. Oktober, besuchte seine Frau, Königin Ana, Schäßburg. Sie besichtigte das
Stundturmmuseum, die Klosterkirche, die kath. Kirche und die Bergschule. Hier wurde sie
von Schülerschaft und Lehrkörper begeistert empfangen, wie Hermann Baier berichtet.
Durch die Baustelle der Bergkirche wurde sie von deren Leiter Horst Zikeli geführt. Als
Abschied sagte sie zu H. Baier: "Sie haben eine sehr schöne Stadt. Sorgen Sie
darauf." ("Vouz avez une ville très belle. Gardez-la!")

Empfang der Königin Mutter im Lehrerinnenseminar
(Archivbild)
Und Hans Bruno Fröhlich, Stadtpfarrer von Schäßburg, berichtet von einem Besuch des
Königs Michael I. und seiner Frau Ana am 25.8.97 in Schäßburg.

Empfang der Königin Mutter im Lehrerinnenseminar
(Archivbild)

Besuch 1996 in der Klosterkirche
(Foto: Liviu Rachita)

Empfang vor der Bergschule 1996
(Foto: Liviu Rachita)

Vor der Gedenktafel der Toten des 2. Weltkrieges und der in der Deportation
Verstorbenen.
(Foto: Liviu Rachita)
Nach dem Besuch des Bürgermeisteramtes wurden die Gäste durch die Klosterkirche und
später auch durch die Bergkirche geführt. Herr Fröhlich schreibt:
"Was für mich am beeindruckendsten war, das waren die Momente, als wir vor den
beiden Tafeln der Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges standen. Vor allem die Tafel mit
den in Rußland Verstorbenen schien König Michael innerlich zu bewegen. Er, der bis dann
ruhig und gelassen sich alles angesehen hatte, sagte mir: "Am întercat atunci sa?
facem ce putem, însa? n-am reus¸it." (Wir haben damals versucht zu tun, was wir
konnten, es ist uns aber nicht gelungen.)" Der gastfreundliche Schäßburger bedauert
nur, daß seine Stadt es nicht fertigbrachte, die Majestäten zu beherbergen: sie wurden
im Hotel von Dunnersdorf untergebracht.
Hans Orendi (Mülheim)
|