HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Zur Erinnerung an Julius Ambrosius
ein verdienter Lehrer der Bergschule von Schäßburg

 

Man vergilt seinem Lehrer schlecht,
wenn man immer nur der Schüler bleibt.
Nietzsche

Runde Geburtstage sind günstige Gelegenheiten, dem Jubilar Glückwünsche zu überbringen und an manches aus seiner Vergangenheit zu erinnern. Wie verhalten wir uns aber, wenn die Person nicht mehr unter den Lebenden weilt und wir die Wünsche nicht mehr aussprechen können? Sollen wir dann auch seine Leistungen in Vergessenheit geraten lassen? Es wäre ungerecht, wenn wir das täten!


Prof. Julius Ambrosius

Den guten Ruf, den die Bergschule von Schäßburg schon immer hatte, verdankt sie in erster Reihe den Lehrern, die es verstanden, ihren Schülern nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern sie auch für ein erfolgreiches Berufsleben vorzubereiten. Zu diesen Lehrern gehört auch Julius Albert Ambrosius, der am 5. Januar 1931 in Schäßburg zur Welt kam und der seinen 70. Geburtstag leider nicht mehr erleben konnte. Trotzdem wollen wir uns anlässlich dieses Tages an Julius und seine langjährige Lehrertätigkeit an der Bergschule erinnern und seine Leistungen würdigen.

Als Schäßburger Kind war Julius Ambrosius mit der altehrwürdigen Bergschule eng verbunden. Als Gymnasiast erwarb er hier die Grundlagen seiner mathematischen Kenntnisse und entdeckte gleichzeitig seine Neigung zu diesem Unterrichtsfach. Nach Beendigung des Mathematik- und Physikstudiums an der Universität von Temeswar (1953) kehrte der junge Professor in seine Heimatstadt zurück. Ein Jahr unterrichtete er Mathematik an der Jungenschule und danach reihte er sich in das Lehrerkollegium der Bergschule ein. Die Zusammenarbeit mit seinen ehemaligen Lehrern gestaltete sich problemlos, denn Julius vergalt ihnen ihr einstiges Wirken dadurch, dass er bewies„…nicht Schüler geblieben zu sein“. Bald wurde er nicht nur als gleichwertiger Kollege anerkannt, sondern auch als einer der Besten von ihnen geschätzt.

Ein Leben lang unterrichtete Julius Ambrosius, von seinen Schülern liebe- und respektvoll „Uli“ genannt, Mathematik an der Bergschule, die ab 1972 den Namen ihres ehemaligen Lehrers und siebenbürgischen Märchensammlers „Joseph Haltrich“ erhielt. Bescheiden wie Uli war, meinte er, „…nichts Besonderes in seiner Amtszeit von 37 Schuljahren getan zu haben“. Wir widerlegen diese Meinung, denn in vielen seiner Schüler hat Uli die Liebe zur Mathematik geweckt, so dass sie selbst Mathematiklehrer geworden sind. Andere haben auf Grund der in der Bergschule erworbenen Fachkenntnisse erfolgreich an Hochschulen studiert, an denen höhere Mathematikkenntnisse gefordert wurden. Gute Ergebnisse erzielten die Schüler auch bei Fach-Wettbewerben, bei den sogenannten „Schülerolympiaden“, die von Lokalebene stufenweise bis hin zur Landesphase alljährlich vom Unterrichtsministerium organisiert wurden. Mit Genugtuung und einem souveränen Lächeln quittierte Uli auch die anerkennenden Berichte der ehemaligen Schüler, wenn diese sich nach zehn, zwanzig und mehr Jahren seit ihrem Abgang von der Schule trafen, über ihren Werdegang berichteten und dabei hervorhoben, was sie von ihrem Mathelehrer an Kenntnissen und philosophischem Gedankengut übernommen hatten.

Unter seinen Fachkollegen hatte der Name Ambrosius einen hervorragenden Klang. Seine Meinung und sein Rat wurden in pädagogischen Fachkreisen und auch in Fachpublikationen gerne gehört. Uli war auch immer bereit, jüngeren Fachkollegen beizustehen und ihnen über Anfangsschwierigkeiten hinwegzuhelfen.

Auch die höheren Unterrichtsbehörden zollten Julius Ambrosius Anerkennung. Er war Mitglied des Organisationskollektivs der internationalen Mathematik-Olympiade, die 1969 in Schäßburg abgehalten wurde. 1971 delegierte ihn das rumänische Unterrichtsministerium zur Teilnahme an einer Tagung der Mathematik-Gesellschaft der Deutschen Demokratischen Republik, die in Frankfurt/Oder stattfand. Zwei Jahre später (1973) hatte er die Möglichkjeit, an einem postuniversitären Kurs für Mathematik in Belgien teilzunehmen. Daraufhin erhielt Ambrosius mehrere Einladungen zu internationalen Tagungen für Mathematiker, doch der damalige rumänische Staat verweigerte ihm die Genehmigung für weitere Reisen ins Ausland.

Weder die Erfolge im Beruf noch die Anerkennung seiner Leistungen seitens der Unterrichtsbehörden konnten Ambrosius’ Bescheidenheit beeinträchtigen. Er vertrat zwar mit Bestimmtheit seine Meinung, ging entschlossen seinen eigenen Weg, vermied aber dabei seine Überlegenheit zur Schau zu tragen und andere dadurch zu kränken.

Außerhalb der Schule betätigte sich Julius Ambrosius als passionierter und erfolgreicher Briefmarkensammler. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er der Geschichte des Postwesens von Schäßburg. Dabei ging er auch jener Zeit nach, in der es noch keine Postmarken gab (vor 1850), in der die Briefe einfach mit einem Poststempel versehen befördert wurden, und die Empfänger die Gebühren selbst bezahlen mussten. Mit dieser Sammlung nahm Ambrosius an mehreren Ausstellungen auf Landesebene teil. Bei der Landesausstellung für Postgeschichte und Markophilie von 1988 erhielt er die große Vermeil-Medaille. Bei Ausstellungen auf Stadt- und Kreisebene beteiligte sich der Sammler mit Marken zu den Themen: Hinterglasmalerei, 200 Jahre seit der amerikanischen Revolution u.a.

1958 heiratete Julius Ambrosius Hanneliese geb. Schuster. Dem Ehepaar wurden zwei Söhne geschenkt.
Da Julius fast ausschließlich in seiner Heimatstadt gelebt hat, war er nicht nur als „Schäßburger“, sondern auch als Lehrerpersönlichkeit von seinen Mitbürgern geschätzt und beliebt. Es gibt wohl kaum einen Stadtbewohner, der nicht in irgend einer Weise mit Professor Ambrosius in Verbindung stand, oder ihn nicht mindestens gekannt hat.
Gesundheitlich angeschlagen, ging Ambrosius 1990 in den wohlverdienten Ruhestand.


Lehrer- und Elternschaft der Bergschule 1972 
(J. Ambrosius oben stehend 4.v.r).                             (Archivbild)

In der Hoffnung, seinen Gesundheitszustand zu verbessern, verließ Julius 1991 die angestammte Heimat und wählte Köln zu seinem neuen Wohnsitz. Trotz intensiver Behandlung konnte sein Nierenleiden nicht geheilt werden. Er erlag seiner Krankheit am 7. September 1992.

Tausende ehemalige Schüler, seine Kollegen, unzählige Freunde und Bekannte bedauern den frühen Heimgang von „Uli“, „Jul“, Professor Ambrosius! In unser aller Erinnerung wird er weiterleben, schon deshalb, weil er vielen etwas auf ihren persönlichen Lebensweg mitgegeben hat.
Gustav Schneider (Köln)

 

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