HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
Am 29. Mai dieses Jahres durfte Michael Helwig, langjähriger Gymnasial-Professor an der Bergschule, seinen 85 Geburtstag im engsten Familienkreise feiern.
Geboren wurde er in Schäßburg mitten im ersten Weltkrieg als ältester Sohn von 3 Geschwistern eines alteingesessenen Ehepaares. Seine erste Schulzeit verbrachte er in der Knabenschule, dann war er Gymnasiast des Bischof-Teutsch-Gymnasiums (Bergschule). Hier legte er 1933 das Bakkalaureat ab. Schon früh galt sein großes Hobby dem Bücherlesen und so hatte er bereits in der Sexta alle Bücher der Schulbibliothek verschlungen. Coetus und Blasmusik spielten, wie für alle Gymnasiasten der Bergschule, auch bei ihm eine große Rolle. Schon im Gymnasium stand für ihn fest, dass er Mathematik und Physik studieren wollte. Mathe, weil er, wie er sagt: „Dafür musste ich nicht lernen“ und Physik, weil ihn angeregt durch seinen Physiklehrer Karl Roth, alles Experimentieren und mit den Worten Goethes gesagt: „Erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält“, brennend interessierte. Sein großer Wunsch, sein Studium in Deutschland zu beginnen, wurde 1929 durch den Bankkrach zunichte gemacht, da das von seinen Eltern für sein Studium angelegte Geld seinen Wert verlor. Michael Helwig wurde Student in Klausenburg, wo er von 1933-1938 Mathematik und Physik belegte. Nach Beendigung der Hochschule folgt für ihn der Militärdienst und ab 1941 der Russlandfeldzug. Zwar erhielt er 1940 am Stefan Ludwig Roth Gymnasium in Mediasch eine Lehrstelle, jedoch als Professor konnte er nur im Fronturlaub tätig sein. 1941 erlitt e eine schwere Kopfverletzung, an deren Folgen er auch heute noch leidet. Nachdem im Herbst 1947 seine Kriegsodyssee ein Ende hatte und er wieder in seine Heimat zurückkehren konnte, war er froh, für kurze Zeit an dem Heltauer Gymnasium unterrichten zu können. Schon 1948, nach der Schulreform, als das Lehrerseminar für Jungen und Mädchen in der Bergschule Einzug hielt, trat er in seiner Heimatstadt Schäßburg die Lehrerstelle für Mathematik und Physik an der Pädagogischen Lehranstalt an. Es freute ihn ganz besonders, die Nachfolge seines verehrten Physiklehrers Karl Roth antreten zu dürfen. Mit viel Elan und Zeitaufwand ging er an die Arbeit, die Geräte des Physiklabors, die in den Wirren der Kriegszeit gelitten hatten, wieder funktionstüchtig zu machen. Zu der schönsten Zeit seines Berufslebens zählt er die Jahre an dem Seminar bis 1956, wo der so oft zitierte „Geist der Bergschule“ immer noch herrschte. Bestimmt waren es nicht die leichtesten Jahre, da der Alters-unterschied in den meisten Klassen sehr groß war. Im Herbst 1949 kehrten viele einstige Schüler aus der Deportation von der Zwangsarbeit aus Russland auf die Schulbänke zurück. Nun galt es, allen gerecht zu werden.
Als Mathematiker hatte er viel Sinn für Ordnung und Disziplin, wenn es auf den Schulgängen, was bei soviel jungem Volk vorkam, zu laut wurde, donnerte er mit durchdringender Stimme: „Ruhe Rasselbande!“ Im Handumdrehen waren alle Schüler in den Klassenräumen verschwunden. Sein schlauer Kollege Prof. Hans Weber (Stiglitz) hatte die gute Idee und machte den Vorschlag: „ Wir registrieren Helwigs Stimme aufs Band und wenn er nicht da ist lassen wir das Band ablaufen, so sparen wir uns die Mühe, selbst Ordnung schaffen zu müssen. Vielleicht sind vielen seiner Schüler die Physikstunden vor den Ferien noch in Erinnerung, wenn Prof. Helwig den Funkeninduktor laufen ließ und dieser krachend Riesenfunken sprühte, ein Spaß für alle Schüler. Im Herbst 1952 wurde Prof. Helwig ohne sein Zutun zum Direktor der Bergschule ernannt. Dieses Direktorat dauerte nur 50 Tage. Als er sich weigerte, das mühsam im alten Seminargebäude wieder hergestellte Internat einer Militäreinheit abzugeben, wurde er kurzerhand abgesetzt. Als im Jahre 1959 die Bergschule Gymnasium Nr.2 für deutsche und rumänische Schüler wurde, änderte sich vieles. Eine Schule mit einer so langjähriger Tradition konnte sich noch einiges bewahren, doch zog mit den neuen Schülern und Kollegen auch ein neuer Geist in der alten Bergschule ein. Die Mathematik trat Prof. Helwig an seinen jüngeren Kollegen Julius Ambrosius ab. Nach 27 Jahren Lehrertätigkeit an der Bergschule fand sein Berufsleben mit der Ausreise nach Deutschland ein Ende. Aus den Bergschülern sind tüchtige Menschen geworden. Ganz besonders freut es ihn, wenn er hört, wie viele seiner Schüler physik- oder mathematiknahestehende Berufe ergriffen haben, dann merkt er, dass der Samen, den er gesät hat, auf guten Boden gefallen ist. Wir wünschen ihm von ganzem Herzen, noch weitere gesunde und schöne Jahre.
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