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Im Dezember letzten Jahres wäre Prof. Paul Schuller 100 Jahre alt geworden. Als Musiklehrer, Orchester- und Chordirigent ist er vielen Vertretern unserer Generation in dauerhafter Erinnerung geblieben. Dieser Beitrag ist ein bescheidener Versuch, die Tätigkeit eines aktiven
und vielseitigen Lehrers und Erziehers zu würdigen. Nach der Volksschule besuchte er das Bischof Teutsch Gymnasium, wo er1918 maturierte. In einem für Siebenbürgen und die sächsische Gemeinschaft schicksalhaften Jahr begann Paul Schuller mit seinen Hochschulstudien, die über Klausenburg nach Leipzig und Wien führen sollten. Er belegte Kurse in Romanistik, Germanistik, Musik, Philosophie und Theologie. In Wien besuchte er das Staatliche- sowie das Kaiser Konservatorium, an denen er die Fächer Geige und Schulmusik belegte. Parallel dazu war er in den Jahren 1926-1927 als Lektor für Rumänisch an der Wiener Universität tätig. Seine erste Stelle zu Hause bekam Prof. Schuller 1924 an der ev. Lehrerinnenbildungsanstalt in Schäßburg, wo er Rumänisch und Deutsch unterrichtete. Hier wirkte er nach seiner Rückkehr aus Wien bis 1948, in den Nachkriegswirren nach 1944 auch am Gymnasium der Bergschule. Nach der Schulreform von 1948 bekleidete er bis 1952 das Amt des Direktors der Pädagogischen Schule, die durch die Zusammenlegung des Schäßburger Lehrerinnenseminars mit dem Hermannstädter Lehrerseminar in der Bergschule neueingerichtet worden war. An der Bergschule sollte Prof. Schuller dann mehr als 20 Jahre, eine sehr fruchtbare Tätigkeit als Musiklehrer, Dirigent und Pädagoge entfalten. Er selbst verstand sich in erster Linie als Mann der Schule und der Erziehung, immer mit dem Ziel vor Augen, die siebenbürgisch sächsische Volksgemeinschaft zu stärken und zu erhalten. Er hatte einen ausgeprägten Realitätssinn, alles Heftige, Einseitige,
Polarisierende war ihm fremd.
Eine der ältesten Traditionen der Bergschule war die Instrumentalmusik, die von Schülern und Lehrern außerhalb des Unterrichts gepflegt wurde, mit dem Schulorchester der Jahre 1950/60 haben wir an zahlreichen Veranstaltungen in Schäßburg (Elternabende im Stadthaussaal und Sandersaal) und Umgebung teilgenommen. Das Orchester war nicht groß, aber wir spielten mit viel Begeisterung und Hingabe. Prof. Schuller, unser erster Dirigent, war anspruchsvoll, fast streng, er hatte eine Riesengeduld mit uns, wenn es um die Partitur ging, also Tonqualität, Takt, Bogenstrich. Was er jedoch nicht leiden konnte, war Schlamperei, Gehudel und Unpünktlichkeit. Nach 1959, die Bergschule war inzwischen eine vereinigte Mittelschule geworden (Sc. Medie Nr. 2), musste dem Direktor vor jeder Aufführung das Programm vorgelegt werden. Sehr überrascht war der Chef (TR) als er feststellte, dass wir keine klassische rumänische Musik spielen. Prof. Schuller hat ihn dann aufgeklärt und zu verstehen gegeben, was Klassik bedeutet und welche Position z.B. Enescu und Porumbescu in der Musikliteratur einnehmen. Natürlich haben wir später auch rumänische Stücke gespielt, vor allem bearbeitete Volkslieder die bekanntlich sehr melodiös und temperamentvoll sind. Prof. Schuller hat auch die Schülerblasmusik tatkräftig unterstützt und sich um Instrumente und Noten bemüht. Wieder sollte es eine Auseinandersetzung mit dem Direktor geben. Tov. Schuller fanfara dumitale nu are structura marxista! und das nur, weil 1959, nach der Vereinigung, kein rumänischer Schüler ein Blasinstrument spielte! Das Problem löste unser Musikprofessor sofort: Er holte einen kräftigen Bauernburschen aus der 9. Klasse, der aus Vinatori stammte, und setzte ihn an die Pauke. Im Laufe de Jahre haben dann selbstverständlich auch andere rumänische Schüler in der Blaskapelle mitgewirkt. Prof. Schuller war außerdem auch, wie in den früheren Zeiten, ein
aktiver Initiator und Mitgestalter des Schäßburger Musik-lebens. Bald nach Kriegsende
konnte er die musikalische Tradition der Stadt wieder neu beleben, indem er ein
sinfonisches Orchester ins Leben rief, das beim lokalen Kulturhaus (Casa de cultura)
angesiedelt und den etwas merkwürdigen, offiziellen Titel Orchestra
semisinfonica trug. Aus heutiger Sicht kann man von einem multikulturellen
Klangkörper sprechen, da alle in Schäßburg lebenden Nationalitäten vertreten waren.
Sogar ein Mitglied der Zigeuner war dabei, und zwar blies er 2. Klarinette.
1961 erhielten wir in Bukarest den 2. Preis beim Landeswettbewerb der Amateurorchester, der 1. Preis wurde nicht vergeben. Mit Prof. Schuller am Pult spielten wir u.a. den Triumphal-Marsch von Edward Grieg und beeindruckten sowohl die Jury als auch die zahlreiche Konkurrenz.
Das Preisgeld betrug 4000 Lei, es wurde brüderlich geteilt und jeder von
uns erhielt ca. 80 Lei, damals viel Geld. Seine Gattin Ruth geb. Thomae, die er 1940 geheiratet hatte, ist ihm in all jenen Jahren eine große Stütze gewesen und hat den Haushalt mit 4 Kindern erfolgreich meistern können. Alle Kinder haben studiert, was beiden Eltern viele Opfer abverlangen sollte. Nach dem Schuldienst gab Prof. Schuller Privatstunden, stimmte Klaviere, ja er reparierte sogar die Schuhe seiner Kinder! Tante Ruth betreute in den Ferien zahlreiche Kostkinder und Feriengäste. Noch sei erwähnt, dass Prof. Schuller an der Erstellung der SKV-Karte Schäßburg und Umgebung mitgewirkt hat. Er beherrschte die Hypnose und war vereidigter Sachverständiger für Graphologie. Prof. Schuller verstarb viel zu früh, am 18.03.1969 in Schäßburg und
wurde auf dem Bergfriedhof beigesetzt. Sohn Paul spielt nebenberuflich im Betriebsorchester von Daimler-Benz und
zwar als erster Violoncellist. Die ehemaligen Bergschüler werden ihm ein ehrendes Andenken
bewahren!
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