HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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Düsseldorf, den 6.11.2001 Geehrter Herr Bürgermeister Danesan, "Langsam
kommt er, aber er kommt", lautet der von mir benutzte Ausdruck, wenn
ich mit meiner Korrespondenz im Rückstand bin. Ich bin
zweifelsohne Schäßburger - wie er leibt und lebt und trage in meinem
Herzen das Bild der "Wusch", der Schmalspurbahn, die sich mehr
als ein halbes Jahrhundert durch die Gassen Schäßburgs quälte und drei
Lokomotiven besaß, die wir "Luther", "Galileo" und
"Schiller" nannten, nach berühmten Aussagen dieser drei
Gelehrten, die in die Weltliteratur eingegangen sind: Luther:
"...Hier stehe ich und kann nicht anders..." Galileo:
"...Und sie bewegt sich doch..." Schiller: "...Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt..."
Im Jahr 1967
wurde diese Eisenbahnlinie aufgelassen und abgebaut. Sie persönlich,
werden sich wohl nicht daran erinnern können. Für die Gegend von Schäßburg,
Agnetheln und Hermannstadt, ein schwerer Verlust! Wir stellen
fest, dass sich die Zeiten gewandelt haben, die neue Technik ist
beeindruckend und man fragt sich: wie stehen die Menschen dazu? Im Namen
aller aus der Ferne angereisten ehemaligen Schäßburger, die vom 20.- 23.
Oktober an der Bergschulfeier und dem Schäßburgertreffen in der "Parat-Gaststätte"
teilgenommen haben, danke ich Ihnen nochmals für die hervorragende
Vorbereitung unseres Besuches sowie auch für den herzlichen Empfang von
Seiten der Amtspersonen und der Bürger Ihrer Stadt. Vermitteln
Sie bitte unseren besonderen Dank auch ihren Gemeinderatskollegen. Wir, die wir
aus Deutschland und Österreich angereist sind, waren einerseits von der
spürbaren Verbesserung des Lebensstandards der Schäßburger Gemeinschaft
und dem freundschaftlichen Geist, den wir überall verspürten,
beeindruckt, aber andererseits enttäuscht, wie Sie selber empfinden
konnten, von der Absicht, dieses Fleckchen Erde voll geschichtlicher
Tradition und einmaliger Ausstattung durch die Mutter Natur zu einem
antikulturellen, antiethischen und unmoralischen "Kitsch" zu
missbrauchen. Da ich aber
in der Schäßburger öffentlichen Meinung einen angenehmen Widerhall
fand, natürliche, anständige Wege zur Lösung der Lokalprobleme zu
suchen, nähre ich die Hoffnung, dass Schäßburg letztendlich den
geeigneten Weg zum Fortschritt, in entsprechender Weise des Wunsches der Bürger
nach Wohlstand, finden wird. Mit großer
Freude haben wir erfahren, dass der Gemeinderat beschlossen hat, eine
Stiftung zur Rettung der Burg von Schäßburg unter dem Namen "Castrum
Sex"(?!) ins Leben zu rufen, wofür der Entwurf und alle nötigen
Formalitäten abgeschlossen sind - aber zugunsten des Projekts
"Dracula-Park" aufgegeben wurde. In dieser
Stiftung erblicken wir die große Möglichkeit der Entwicklung der Stadt.
Wir werden ihre Wiederbelebung mit all unseren Kräften unterstützen und
werden die Bevölkerung und die Institutionen der Stadt wie auch private
und staatliche Sponsoren des In- und Auslandes dafür einzubinden
versuchen. Mit Freude
treten wir dieser Stiftung bei. Anhand des Projekt-Entwurfs, das wir von
Ihnen erhalten haben, werden wir versuchen, so bald wie möglich unseren
Beitrag zu leisten. Wir erwarten Ihren Aufruf und werten diesen als
besondere Ehre, an der Verwirklichung der Stiftung teilnehmen zu können. Aber noch
zwei Fragen möchte ich, wenn Sie mir erlauben, in diesem Schreiben erörtern: -
in Schäßburg geboren zu sein und dort gelebt zu haben, hinterlässt
anscheinend bei jedem eine tiefe Spur im Herzen. Unabhängig vom Grund
unserer Ausreise (Krieg, Enteignung, Familienzusammenführung, berufliche
Karriere) haben wir alle etwas Gemeinsames: Die Bindung an den Heimatort,
an die besonders schöne Stadt, die wir mit oder ohne Wollen in unseren
Herzen mitgenommen haben und immerfort von der Sehnsucht der Heimkehr
verfolgt werden. -
Jedes Wiedersehen mit dieser besonderen Stadt bewegt die Seele und
lässt das Heimweh aufkeimen. -
Auch wenn der heimgekehrte Mitbürger scheinbar bloß 100 Mark
umtauscht, so wissen wir aus Erfahrung, dass sein Reisegepäck auch andere
materielle und geistige Werte beinhaltet - mehr oder weniger bescheidene
Ð je nach Person, die aber alle in den allgemeinen Wohlstand einfließen.
Gleichwohl kann ich Ihnen versichern, dass jeder dieser gewesenen Mitbürger
im Augenblick des Verlassens dieser wunderschönen Landschaft, ein kleiner
Botschafter für Sie im Auslande sein wird und als Brückenbauer für Schäßburg,
irgendwo in der Fremde wirkt. Es bleibt Ihnen überlassen, in welchem Maße
es gelingen wird, den Beitrag dieser Leute zu Ihren Gunsten zu nutzen. Ich
selber glaube, dass eine Stiftung "Rettet die Burg von Schäßburg"
in dieser Richtung zum Gedeihen der Stadt wesentlich beitragen würde. -
Wir sind unsagbar stolz, dass die Weltorganisation UNESCO unsere
Burg Schäßburg zum "Weltkulturerbe" erklärt hat. Diese
Auszeichnung aber bedeutet auch eine "Verpflichtung", in erster
Reihe für jene, die in ihr wohnen und sich ihres Besitzes erfreuen! Ich
glaube auch, dass es in den meisten Verfassungen der Länder unseres
Kulturkreises heißt: „Eigentum verpflichtet“. In diesem Sinne hat die
UNESCO uns geehrt, aber auch verpflichtet! Von ihr können wir nicht viele
materielle Unterstützungen erwarten. Wir sind verpflichtet, die Nutznießer
dieser Burg, also die Bürger der Stadt, aufzufordern, ihren Beitrag zu
leisten. Wir müssen auch Sponsoren für die erwähnte Stiftung finden, um
auch kommenden Geschlechtern dieses Weltkulturerbe zu erhalten. Vom
Augenblick der Bestätigung dieses Titels wuchs mein Interesse zu
erfahren, wie es Städten in Deutschland, die Schäßburg ähnlich sind,
gelingt, ihr ererbtes Eigentum zu verwerten. Ich habe Goslar und
Quedlinburg im Harz besucht und war beeindruckt, wie diese, ohne ausländische
Hilfe, ihr Kulturerbe pflegen (ich vermute aber, dass auf Landes- und
Bundesebene dennoch Hilfe geleistet wird). Sie
erinnern sich wohl noch, dass ich Sie durch eine Broschüre im August
dieses Jahres davon in Kenntnis gesetzt habe? Heute äußere ich mich dazu
mit einer persönlichen Einladung, diese Städte zu besuchen und gemeinsam
einen Erfahrungsaustausch durchzuführen. Sie werden also in Düsseldorf
erwartet! Ich hoffe,
dass dieser kurze Brief von Ihnen als von einem Freund und Bewunderer Schäßburgs
und seiner Umgebung empfangen wird und würde mich über eine ehrliche,
offene Antwort freuen. Beiliegend unsere Antwort an den Tourismusminister
als offenen Brief mit der Bitte, diesen weiterzuleiten. Mit
besonderer Hochachtung Walter
Lingner Vorsitzender
der Heimatortsgemeinschaft Schäßburg in Deutschland (übersetzt aus dem Rumänischen von Eberhard Amlacher)
Letztes Update: 08. Februar 2002 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de / http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg |
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