HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Ansprache des Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaft der Schäßburger

Walter Lingner             

(stark gekürzt)

Sehr verehrte Honoratioren

Sehr verehrte Gäste aus nah und fern

Liebe Lehrerinnen und Lehrer,

Liebe Schülerinnen und Schüler der Bergschule!

Schäßburg trägt auch heute das schöne, bewegende und fesselnde, von seiner Geschichte geformte Antlitz einer mittelalterlichen Stadt. Die Geschlossenheit des Bildes, das der Burgberg mit Schule und Kirche als gleichsam in die Natur selbst eingegangen bestimmt, ist prägend für diese Stadt... Dem Bedürfnis nach Sicherheit genügend und vielleicht auch in Erinnerung an bittere Erfahrung beim Mongolensturm entstand die Befestigungsanlage dieser Kokelstadt im XIV-Jahrhundert, die bis ins XVII Jahrhundert immer wieder von den deutschen Ansiedlern den Siebenbürger Sachsen verstärkt und den jeweiligen Anforderungen angepasst wurde... 

... Bemerkenswert ist die Schultradition in Schäßburg. 1522 wird zum ersten Mal in der Gemeinderechnung ein Schulrektor genannt. Lückenlos lassen sich die Bergschulrektoren von 1522-2001,  insgesamt 111 nachweisen... 

... Anfang des 17. Jahrhunderts, bei anwachsender Schülerzahl und Intensivierung der Schulbildung entsprach diese nicht mehr den Anforderungen, so dass der tüchtige Bürgermeister Martin Eisenburger 1619 die "Naye Schull" errichten ließ, die uns  bis heute mit der Aufschrift "Scola Seminarium Reipublicae" (Die Schule als Pflanzstätte des Gemeinwesens) erhalten geblieben ist.

Wiederum sollten nicht weniger als 170 Jahre verstreichen, bis der löbliche Stadtrat gemeinsam mit dem Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde 1792 beschloss, den Grundstein einer neuen Schule zu legen deren Grundriss dem heutigen Gymnasium entspricht. Es verging erneut ein Jahrhundert, bis 1901 diese Schule aufgestockt werden konnte und die heutige Form und Gestalt annahm, deren 100jähriges Jubiläum wir nun 2001 in dieser wunderschönen Aula gemeinsam erleben dürfen.

"Carae posteritate salutem" (Gottes Gruß den späteren Enkeln) heißt es in einer Denkschrift, die wir im Jahre 1991 in der Kugel des Bergschultürmchens fanden als diese von einem Sturm nach fast 100 Jahren von ihrem Platz gefegt wurde So sind alle, nach der Fertigstellung des Baues der neuen Schule eingelegten Urkunden und Dokumente uns zur Verfügung gestellt worden.

Das wertvollste Dokument ist eine Denkschrift die 1792, dem Jahr der Erbauung dieses Schulgebäudes, in lateinischer Sprache mit der Überschrift  "Salve Chara Posteritas et Scito"

(Sei gegrüßt werte Nachwelt und wisse)   verfasst  und  von der Hundertmänner Kommunität als Abgeordnete Schäßburgs unterzeichnet worden ist.

Es beginnt mit folgenden Worten: "...Dieses Gebäude, eine den Musen geweihte Schule, eine wahrhafte Pflanzstätte des Gemeinwesens, einst von unseren frommen Vorfahren mit Fleiß (im schweiße ihres Angesichtes) errichtet, im langen Lauf der Zeit jedoch, und durch die andauernden Gewalten der stürmischen Zeiten völlig verfallen und zerstört, wurde im Jahre des wiedergewonnen Heils 1792 am 12. Tage des Monates März von Grund auf wieder neu erbaut, durch die Wohltätigkeit einiger Auswärtiger wie auch durch die Freigebigkeit edler Einheimischer..." Zitat Ende.

Weiter werden in dieser Urkunde die Ereignisse der Zeit beschrieben, die von Schrecken, Gräueltaten und Ungewissheit geprägt waren, anschließend die Honoratioren der Stadt und Kirche mit den Baumeistern die bei der Errichtung des Bauwerkes Verantwortung trugen,  gewürdigt. 

Als Abschluss heißt es: Zitat: "Doch nun, ihr Söhne! Bewahrt in gutem Bauzustand dieses, euer Erbe, dass ihr von euren Vorfahren empfangen habt, die es unter großem Kostenaufwand geschaffen haben; es soll auch euren Kindern noch zu Dienste stehen! ... Und segnet unsere Asche..." Zitat Ende.

Erwähnenswert sind dann noch die Berichte, die aus dem Jahr des Umbaus stammen: der Bericht der Brüder Leonhardt, Baumeister, über den Umbau der Bergschule vom 2.Juni 1901,  der Bericht "Im Namen Gottes" des Presbyteriums der ev. Kirchengemeinde A.B. in Schäßburg über Bau und Neubenennung der Bergschule, als "Bischof-Teutsch -Gymnasium", Juni 1901, der Bericht des Stadtmagistrates über die Verwaltung und den Haushalt der königl. freien Stadt Schäßburg und zwei Ausgaben der Schäßburger Zeitung des gleichen Jahres ...

... Aus Anlass der Feier der Namensgebung "Bischof Teutsch Gymnasium" der baulich neugestalteten Bergschule im Jahre 1901 soll nun über Schäßburg und seine Menschen berichtet werden, so wie sie  G. D. Teutsch  in seinen Generalkirchenvisitationsberichten schildert, im Vordergrund stehen dabei Kulturhistorische, schulgeschichtliche und wirtschaftliche Fragen...

" ... nicht nur in seinem Herzen wurde die Erinnerung lebendig, wie er vor 21 Jahren - nach 21jährigem Schuldienst - aus ihrer Mitte fortgezogen und nun, wie zum Anschluss an jene Arbeit im Auftrage der Kirche wieder zu ihr komme".

Gerührt zitiert er im Geist die Dichterworte:

"Die Stätten meiner Jugend sah ich wieder,
Doch zeigten sie mir fast ein fremd Gesicht;
Rings wuchsen Giebel sanken Häuser nieder,
Und selbst das Flussbett ist das alte nicht.
Ja, Freund, den Hauch, der unterm Schlag der Glocken
Die Welt durchschauert, spür ich doppelt hier,
Er blies nicht bloß das Braun aus unseren Locken,
Verwandelt ward die Zeit und wir mit ihr“ ...

... Der Bericht schließt mit den bewegenden Worten: "Am 23. Juni trat ich die Rückreise an. Wieder wie vor vier Jahren bei der Ausfahrt wogte auf den Feldern, durch die das Dampfross dahinflog, das Weizenmeer und sprach daraus die Verheißung: „so lang die Erde steht, soll nicht aufhören Same und Ernte“ ...

Einige Jahre später nach seinem Tod (1893) und nach Vollendung des Neubaues der Bergschule (1901), der einen Neubeginn markiert, wurde Teutsch Namensgeber der traditionsträchtigen Lehranstalt. "Bischof-Teutsch-Gymnasium". Diesen Namen führte das Gymnasium bis zur staatlich - sozialistischen Schulreform 1948, die auch für diese Schule, wie für das gesamte siebenbürgisch-sächsische Schulwesen große Veränderungen brachte.

Seit über 200 Jahren steht nun schon auf der Stirnseite des Schulgebäudes der Sinnspruch:

PATRIAE FILIIS VIRTUTI PALLADIQUAE

SESE VOVENTIBUS SACRUM.

"Den Söhnen des Vaterlandes, die sich der Tugend und Wissenschaft weihen, ein Heiligtum".

"Fiilor patriei, care se consacra virtutii si stintei, un loc sacru."

Möge er auch weiteren Generationen von Absolventen den Geist dieser Schule, Liebe zu Heimat und Vaterland, mit auf den Weg ins Leben geben. 

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

(Verfasst von W. Lingner und W. Roth)

 

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Letztes Update: 02. März 2002 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg